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„Emotionale Kreativität führt zu effizienteren Ergebnissen“
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„Emotionale Kreativität führt zu effizienteren Ergebnissen“

Jürgen Veit, Managing Director, Ogilvy Healthworld GmbH


Zu Frage 1: Die Verwendung des Begriffes Web 2.0 führt zu einer gewissen Schlagwortproblematik. Wir sehen die Entwicklung im Social-Media-Bereich als aktueller und spannender an. Die aktivere Rolle des Patienten in den Kommunikationsprozessen ist sicher die herausragende Entwicklung und stellt an das Leistungspotential von Pharmaagenturen hohe Anforderungen. Nur Agenturen, die sich im Rahmen ihrer Arbeit auch früher schon intensive Gedanken über Patienteninsights gemacht haben, können hier den Kunden wirklich helfen. Ogilvy hat hierfür spezielle Tools entwickelt, die wir schon früh zum Einsatz bringen konnten – etwa bei der Entwicklung der hochdekorierten „Helden der Liebe“-Kampagne für Lilly Deutschland. Zum Beispiel den „Custumer Journey“ – ein Tool, mit dessen Hilfe wir uns sehr dezidierte Gedanken machen, welche Stadien ein Patient durchläuft und wann welche Botschaft in welcher Situation des Patienten den größten Erfolg generiert. Pharmaagenturen müssen sich also über die reine Arztansprache als wahre „Zielgruppenkenner“ beweisen. Die Herausforderung wird sicherlich sein, im Rahmen einer Derisk-Strategie für den Kunden den Markenaufbau über die verschiedenen Zielgruppen und Channels effizient und ökonomisch voranzutreiben. Dazu gehört auch, dass vertraute Kommunikationschannels in Frage gestellt werden müssen. Allerdings erwarte ich in den nächsten 2–3 Jahren keine explosionsartige Änderung von Kommunikationsverhalten im Gesundheitsbereich – hierfür sind regulative Parameter wie z. B. das HWG verantwortlich. Vielmehr „irrt man sich zum Erfolg“. Ich vermute, dass der Patient zunächst auch eher Gesundheitsportalen sein Vertrauen schenkt, weil er dort weniger herstellergetriggerte Informationen vermutet. Allerdings steigt damit auch – wie in anderen Foren und Blogs auch – die Wahrscheinlichkeit, mit qualitativem Kommunikationsschrott konfrontiert zu werden, falls entsprechende Contentkontrollen fehlen.

Zu Frage 2: Wir erwarten, dass kommunikative Prozesse mit noch größerer Disziplin und Profession geführt werden müssen. Die Anzahl der Kommunikationsteilnehmer erhöht sich und verschiedene Interessen zerren am Image einer Marke. Da zahlt sich auf Kunden- und Agenturseite Disziplin und Konsequenz aus. Solide Kenntnisse und Erfahrungen über Kommunikationsprozesse sind jeden Euro Investment wert. Ein Punkt, dem sich auch Procurement wird intensiver widmen müssen. Agenturen müssen sicherlich darauf achten, nicht der Versuchung zu unterliegen, weichere und emotionale Attribute aus der Kommunikation zu verbannen, da Kunden ja jetzt auf einer klareren rationalen Nutzenargumentation bestehen könnten. Emotionale Kreativität in der Kommunikation führt auch in der Post-AMNOG-Periode zu effizienteren Ergebnissen. Dazu gibt es ausreichend wissenschaftlich abgesicherte Untersuchungen. Insgesamt sehe ich durchaus ein Wachstumspotential, wenn sich Agenturen der neuen Kommunikationsaufgaben annehmen.

Zu Frage 3: Ja, und ich denke, bei den TOP 10 der Branche ist das schon eher die Regel als die Ausnahme. Aber auch andere, kleinere Unternehmen folgen, wenn eine gewisse internationale Ausrichtung gegeben ist.

Zu Frage 4: Beides schließt sich ja nicht aus und genau hier liegt die Zukunft. Ogilvy Healthworld ist z. B. multinational aufgestellt und bietet trotzdem sehr individuelle und spezialisierte Leistungen an. Beispielhaft darf ich hier nennen: die Oxford Academy zur HCP-Education in Oxford, unser MedEdConsult-Angebot in Düsseldorf oder die Spezialisten im Digitalbereich hier bei Ogilvy Healthworld in Frankfurt.

Zu Frage 5: Sicher ist das mittelfristig für vorwiegend lokal agierende Agenturen eher eine Chance, wenn es keinen „clash of cultures“ gibt. Als Industrieverantwortlicher würde ich einer international ausgerichteten, harmonisch gewachsenen Agentur den Vorzug geben, da es hier einheitliche Arbeitsprinzipien und Denkweisen gibt und auch die Mitarbeiter nach dem Gesichtspunkt ausgewählt werden, ob sie sich mit der Mentalität und der Sprache einer Agentur anfreunden können. Ogilvy steht ja schon fast sprichwörtlich für diesen Geist. Übrigens würde ich die Verbindung eines Agenturnetzwerkes in die USA nicht unterschätzen. Wer dort im Markt stark aufgestellt ist, profitiert auch in Europa davon.

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