SUCHE
los
 
Ihr Profil Abonnieren Mediadaten Kontakt
19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
  Zugangsname:
   
  Passwort:
   
  Passwort vergessen?
Gesundheitswesen
Personen und Daten
Markt + Umfeld
Kassen
Firmen
Agenturszene
Arbeitshilfen
Außendienst
On demand
Optimierungspotentiale
Mangelhaftes Wissen
Ranking des Onkologie-Außendienstes
iPad, Tablet-PC & Co. – Mobile Helfer im Pharma-Außendienst – oder Hürde im Verkaufsgespräch?
Pharmareferenten: Erheblicher Optimierungsbedarf
Wie zufrieden sind Ärzte mit dem Außendienst?
Pharma-Vertreter werden seltener klingeln
Dienstleistungen
Pharmamarketing
Public Relations
Zielgruppen
Medien
Mediaanalysen
Beruf + Karriere
 
Außendienst Check

Geht es darum, die „Erfolgsrezepte“ überdurchschnittlich erfolgreicher Außendienstmitarbeiter im pharmazeutischen Bereich zu untersuchen, so dominieren qualitative Aspekte wie z. B. eine hohe Kommunikationsfähigkeit, ein besonders ausgeprägtes Gespür für Situationen und Menschen oder die Fähigkeit, sich flexibel auf wechselnde Anforderungen einstellen zu können. Im Rahmen des Vertriebsforschungs-Projektes „Branchen-AußendienstCheck“ erweiterte das Institut für betriebswirtschaftliche Analysen, Beratung und Strategie-Entwicklung (IFABS) in Düsseldorf die Betrachtung der Bestimmungsgrößen des Außendiensterfolges im pharmazeutischen Bereich um die betriebswirtschaftliche Sichtweise.


Zu diesem Zweck wurden im 2. Halbjahr 2005 460 Pharmareferenten aller Erfolgsklassen, die niedergelassene Ärzte besuchen, zu den Gegebenheiten ihrer Arbeit in den Bereichen Planung, Fachwissen, Gebietsforschung, Organisation, Gesprächsführung, Präsentationstechniken, Serviceangebote, Kundenmanagement, Selbstmanagement, Administration schriftlich befragt. Die Resultate wurden anschließend hinsichtlich derjenigen Merkmale untersucht, die besonders erfolgreiche Mitarbeiter (Zielerreichung, quantitativer Gebietsstatus, Gebiets-Entwicklung, insgesamt 86 Pharmaberater (18,7%)) von durchschnittlich erfolgreichen Kollegen unterscheiden. Für eine Stichprobe von 120 der befragten Außendienstmitarbeiter wurden zudem in jeweils 50 Zielpraxen Kundenzufriedenheitsanalysen zur Außendienstbetreuung durchgeführt.

Situationsanalyse
Die Außendienstarbeit im Best-Practice-Benchmarking-Vergleich
Definiert man die Arbeitsmerkmale, die überdurchschnittlich erfolgreiche Pharma-Außendienstler charakterisieren, als Best-Practice-Benchmarking (100%) und vergleicht mit dieser Größe die Arbeitsweise der übrigen Mitarbeiter, so realisiert der durchschnittliche Pharmaberater gerade 42% der Best-Practice-Benchmarking-Größe.

Zum Vergleich: der Wert des genutzten Leistungspotentials im Klinik-Außendienstbereich liegt bei 54%, im Apotheken-Außendienst bei 56% und bei Außendienstmitarbeitern aus dem Medizintechnik- Verkauf bei 58%. Andere Branchen warten mit einer weit größeren Potentialsnutzung auf, z. B: Versicherungs-Außendienste mit 68% und Finanzdienstleistungs-Vertreter mit 72%.

Fazit: Am wenigsten unterscheiden sich Top- und Durchschnittsmitarbeiter in den Bereichen „Fachwissen“ und „Administration“, in allen anderen Bereichen jedoch ergeben sich
signifikante Unterschiede.

Gebietsstrategien und ihre Umsetzungschancen
Verwendet man – ergänzend zum Best-Practice-Benchmarking - die Durchschnittsergebnisse der Praxisreferenten als Branchen- Benchmarking, können unmittelbar Aussagen über das Chancenpotential der verfolgten Gebietsstrategien getroffen werden. Wird eine Wachstums-Strategie verfolgt, müssen – damit diese auch erfolgreich ist – Arbeitsmethoden, -techniken und –instrumente eingesetzt werden, die 100% des Branchenund mehr als 75% -Wert des Best-Practice- Benchmarking-Maßstabes ausmachen. Wird eine Halte-Strategie angestrebt, ist es ausreichend, wenn das Mitarbeiter-Leistungspotential dem Branchen-Durchschnittswert entspricht bzw. darüber liegt, bei einer Reduktionsstrategie kann der Wert niedriger als der Branchenwert sein, darf aber die 50%-Marke nicht unterschreiten.

Wird eine Wachstums-Strategie verfolgt, müssen – damit diese auch erfolgreich ist – Arbeitsmethoden, -techniken und –instrumente eingesetzt werden, die 100% des Branchen und mehr als 75% -Wert des Best-Practice-Benchmarking-Maßstabes ausmachen.

Wird eine Halte-Strategie angestrebt, ist es ausreichend, wenn das Mitarbeiter-Leistungspotential dem Branchen-Durchschnittswert entspricht bzw. darüber liegt, bei einer Reduktionsstrategie kann der Wert niedriger als der Branchenwert sein, darf aber die 50%-Marke nicht unterschreiten.

64% verfolgten eine Wachstums-Strategie, 32% setzen auf ein Halten, 5% auf eine Reduktion. Von den auf Wachstum ausgerichteten Mitarbeitern verfügten aber lediglich 27% über das hierfür notwendige Leistungspotential, bei 30% reichten die Voraussetzungen gerade für eine Halte-Strategie, die übrigen 43% bewegten sich auf einem Niveau, das für eine Reduktions-Strategie ausreicht.

Die Verteilung für die Halte-Perspektive ergibt ähnliche Resultate: 1% der Mitarbeiter war für die verfolgte Strategie „überqualifiziert“, 26% passend ausgerichtet und 73% wiesen ein zu geringes Arbeitspotential auf.

Fazit: Die verfolgten Gebietsstrategien und die hierfür existierenden Arbeitspotentiale der Mitarbeiter stehen in einem deutlichen Missverhältnis zueinander.

Arbeitsproduktivität und Kundenbindung
Eine weitere, für die betriebswirtschaftliche Beurteilung von Außendienstmitarbeitern charakteristische Größe ist die Relation von Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit. Die Mitarbeiterzufriedenheit setzt sich dabei aus der Zufriedenheit mit dem Unternehmen, mit den Vorgesetzten und Kollegen sowie der Arbeit (Gebiet, Präparate und Service) zusammen.

Wie aus anderen Untersuchungen unseres Instituts bekannt ist, besteht ein linearer Zusammenhang zwischen Mitarbeiterzufriedenheit und Arbeitsproduktivität. So ist bei einem Zufriedenheitswert von „3“ die Arbeitsproduktivität bereits um knapp 20% niedriger als in einem optimierten Zustand (kritischer Wert). Der Kundenzufriedenheits- Notenwert als Ausdruck des qualitativen Erfolgs lässt seinerseits Schlüsse auf das Kundenbindungspotential zu. Ab einem Wert von 2,3 (Basis: Schulnotenskalierung) steigt die Gefahr des Kundenverlustes aufgrund von Unzufriedenheit überproportional an.

Fazit: Hinsichtlich der Beurteilungsdimensionen „Arbeitsproduktivität“ und „Kundenbindung“ existieren gravierende Diskrepanzen zwischen überdurchschnittlich erfolgreichen Außendienstmitarbeitern und dem Branchendurchschnitt.

Ursachenanalyse
Bei der Analyse der Gründe für die großen Unterschiede konnten aus betriebswirtschaftlicher Sicht drei zentrale Punkte identifiziert werden, die die Arbeit überdurchschnittlich erfolgreicher Pharmareferenten kennzeichnen:

Erfolgfaktor 1: Geringe Eigenbild-Fremdbild-Diskrepanz
Grundsätzlich gilt: je größer (geringer) die Übereinstimmung von Eigenbild und Fremdbild ist, desto besser (schlechter) ist die Kontaktqualität und desto höher (geringer) sind die aus ihr resultierenden „Nebenwirkungen“ wie Kundenzufriedenheit und Kundenbindung, aber auch die Treffsicherheit der Kundenwertbestimmung. Überdurchschnittlich erfolgreiche Pharmareferenten wissen genau, wie ihre Kunden sie einschätzen, ihr Eigenbild stimmt mit dem Fremdbild der Kunden zu durchschnittlich 71% überein, der Wert für den Branchendurchschnitt liegt bei -7,3%.

Das – erschreckende - Ergebnis der Untersuchung ist daher, dass viele Pharmareferenten zwar der Meinung sind, „ihre“ Ärzte genau zu kennen, dabei aber zum Teil deutlich ihre Leistung und Wirkung auf die Kunden überschätzen sowie deren Bedürfnisse nur wenig kennen. Spielt zu Beginn einer Mitarbeiter-Arzt-Beziehung die Eigenbild-Fremdbild- Diskrepanz noch keine Rolle - man geht aufeinander zu, tastet sich ab, überprüft, ob die „Chemie“ stimmt und der Mitarbeiter versucht, die Anforderungen des Arztes zu ermitteln -, bilden sich mit zunehmender Kontaktanzahl Eigenbild und Fremdbild immer mehr heraus.

Nach etwa vier bis fünf Kontakten erfolgt die Weichenstellung über Erfolg oder Misserfolg: erliegt der Mitarbeiter in seiner Einschätzung einem Irrtum, schnappt die Eigenbild-Fremdbild-Falle zu, Kundenzufriedenheit und Kundenbindung verschlechtern sich, ohne dass der Mitarbeiter weiß, warum. Hierfür sind mehrere Gründe verantwortlich: die Mitarbeiter
  • verwenden falsche Indikatoren, um das Fremdbild ihrer Ärzte zu bestimmen,
  • hören zu früh auf, sich Informationen über den Arzt zu beschaffen,
  • suchen nach den falschen Informationen,
  • agieren eher auf Grund von Vermutungen statt von Fakten.

Überdurchschnittliche Pharmareferenten sehen sich selbstkritisch mit den Augen der Kunden und holen systematisch ein Feedback zur eigenen Person und Leistung ein, ein Verhalten, dessen Korrektur bislang nur in den wenigsten Trainingsplänen berücksichtigt wird.

Erfolgsfaktor 2: Hohe Unternehmensidentifikation bei gleichzeitig kritischer Unternehmenssicht
Ein weiteres Charakteristikum überdurchschnittlich erfolgreicher Pharma-Mitarbeiter ist ihre intensive und loyale Bindung an das von ihnen vertretene Unternehmen. Ihre Bindungsintensität liegt im Durchschnitt bei einem Wert von 8,6 (Skala von 0 = „Keine Bindung“ bis 10 = „Vollkommene Bindung“) im Vergleich zum Branchendurchschnitt, der bei einem Wert von 3,2 angesiedelt ist. Diese intensive Verbundenheit resultiert aus einem „Networking“ mit allen für ihre Arbeit relevanten Stellen, das auf Win-Win-Relation basiert: sie geben wichtige Marktinformationen in das Unternehmen hinein und erhalten hierfür Gegeninformationen, die ihre Kollegen in dieser Form oder Zeitnähe nicht bekommen.

Gleichzeitig setzen sie sich aber deutlich kritischer als der Branchendurchschnitt mit ihrem Unternehmen und seinen Strukturen, Prozessen und Maßnahmen auseinander, weisen auf Missstände hin und fordern Veränderungen ein. Hieraus resultiert ein für sie positiver Nebeneffekt: um ihre Kritik zu beruhigen, werden ihnen kleinere und größere Vorteile zuteil, etwas mehr Geld für Aktivitätenförderung, mehr Abgabeartikel als das zugeteilte Kontingent etc.

Erfolgsfaktor 3: Klare Managementstruktur
Überdurchschnittlich erfolgreiche Pharma-Mitarbeiter haben ihre Zeit im Griff. Ihr Zeitmanagement ist aber nicht nur auf Pünktlichkeit und Verlässlichkeit ausgerichtet, sondern vor allem auf einen ökonomischen Umgang mit der Ressource Zeit. Auch bei hoher Arbeitsbelastung
bleiben sie zeitlich flexibel, da sie relativ strikt die gängigen Zeitmanagement-Prinzipien (Planung, Zeitblockbildung, Prioritätenbildung, Störungsvermeidung etc.) umsetzen, was beim Branchendurchschnitt nur zu gut einem Drittel der Fall ist.

In diesen Bereich fällt auch die Tatsache, dass Top-Pharmareferenten eine hohe Veränderungsbereitschaft aufweisen (durchschnittlich 8,4 auf einer Skala von 0 = „keine Veränderungsbereitschaft“ bis 10 = „absolute Veränderungsbereitschaft“ (zum Vergleich: der Wert des Branchendurchschnitts liegt bei 4,6), die sie systematisch mit Hilfe ihres Zeitmanagements kanalisieren.

Ebenso akribisch bearbeiten sie zum dritten ihre Gebiete nach klaren Kundenwertkriterien, die nur weniges dem Zufall überlassen. Hierbei nutzen sie alle Daten und Informationen, die ihnen kundenseitig zur Verfügung stehen und von den Firmen bereitgestellt werden. Das Gebietsmanagement der Top-Verkäufer ist überdies durch genau definierte Ziele und Bearbeitungspläne gekennzeichnet. Hinzu kommt eine faktenorientierte Betrachtungsweise von Problemsituationen: sieht der durchschnittliche Pharma-Außendienstmitarbeiter für stagnierende oder rückläufige Absatz- / Umsatzentwicklungen vor allem gesundheitspolitisch- und konkurrenzbezogene Gründe, behandeln die Top-Berater Probleme differenziert nach Kundentypen und schichten entsprechend ihre Zielgruppen um oder passen ihre Bearbeitungsstrategie an.

Fazit: Die betriebswirtschaftliche Analyse der Arbeit des pharmazeutischen Außendienstes zeigt, dass zwischen Branchendurchschnitt und Top-Pharmareferenten eine große Diskrepanz existiert. Das bedingt, dass viele Unternehmen im Außendienstbereich weit unter ihren Möglichkeiten arbeiten. Im Mittelpunkt der Aktivierung dieses ungenutzten Leistungspotentials steht vor allem die Überwindung der Eigenbild-Fremdbild-Diskrepanz zwischen ärztlichen Kunden und Pharmareferenten.
IFABS, Dipl.-Kfm. Klaus-Dieter Thill – Homberger Str. 18, 40474 Düsseldorf, Tel. 0211/451329, Fax: 0211/451332, E-Mail: post@ifabs.de
PM-Report 2/06
Datenbanken
home AGBs Impressum Datenschutz E-Mail Copyright Service © PM-Report 2006-2012