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Celesios neuer Kurs

Foto: Celesio AG
Celesio macht momentan eher durch sein Personenkarussell von sich reden. So haben Finanzvorstand Christian Holzherr und Michael Lonsert, Vorstand für Manucfacturer Solutions, das Unternehmen verlassen. Nun soll eine neue Strategie her: Das Kerngeschäft in den Bereichen Pharmagroßhandel und Apotheken soll gestärkt und weiter entwickelt werden. Der Aufbau einer europaweiten Apotheken-Partnerschaft soll dabei Dreh- und Angelpunkt sein. Markus Pinger, neuer Vorsitzender des Vorstands von Celesio, schwört schon einmal auf die neue Strategie ein: "Mit dieser strategischen und strukturellen Neuausrichtung verbindet sich ein klares Bekenntnis zum Kerngeschäft von Celesio mit ihren vorhandenen Stärken, führenden Marktpositionen und großen Potentialen..."


Pinger will Celesio aber nicht komplett umkrempeln: "Wir sehen keine Notwendigkeit für eine große transformatorische Veränderung des gesamten Unternehmens, sondern stattdessen sehr vielversprechende Chancen einer evolutionären Entwicklung bestehender Geschäfte durch Expansion in neue Märkte, Innovation und geeignete Akquisitionen..."

Celesio spuckt in die Hände und will es anpacken. So sollen u.a. die länderspezifischen Partnerschaften, Kooperations- und Franchisemodelle mit den Apothekern sowie die eigenen Apotheken durch ein einheitlicheres Marken- und Vertriebsformat gefestigt und im gesetzlichen Rahmen der jeweiligen Märkte ausgebaut werden. Pinger will Partner der Apotheken sein, was sich aber wie an die Erinnerung an alte Werte anhört: "Wir wollen in Deutschland und in allen unseren Märkten der Partner erster Wahl für unsere Kunden – die Apotheker – sein. Darauf werden wir alle unsere Kräfte ausrichten und eine europaweite Apotheken-Partnerschaft aufbauen. So kann jeder von einem Austausch der Best-Practice-Erfahrungen profitieren. Das gilt zum Beispiel für die bessere Vermarktung von OTC-Produkten und Eigenmarken im Bereich Health and Beauty oder für neue Shopkonzepte, die wir derzeit für die Apotheken entwickeln. Gleichzeitig werden unsere Kunden von der Bündelung der Einkaufs- und Marketingaktivitäten erheblich profitieren. Wir setzen hier ganz klar auf Zusammenarbeit und Partnerschaft, die für unsere Kunden – die Apotheker – höhere Erträge bringt."

Übertragen werden soll das auch auf den DocMorris-Versandhandel. Pinger betont und dokumentiert damit fast eine schlechtes Gewissen: "Der Kauf der DocMorris-Versandapotheke durch Celesio hat speziell in Deutschland zu Konflikten mit den Apothekern als unseren Kunden geführt. Diesen Konflikt werden wir lösen! Von unseren Partnerapotheken sind dazu bereits viele Ideen an uns herangetragen worden. Diese wollen wir in der Praxis prüfen, um zu sehen, wie eine sinnvolle Verbindung von Versandhandel und Präsenzapotheke aussehen könnte. Zurzeit testen wir verschiedene Modelle und werden im Laufe des Jahres 2012 eine Lösung präsentieren."

Mit Blick auf die Patienten und Endkunden ist vorgesehen, sowohl für Partnerapotheken wie auch für die eigenen Apotheken innovative Serviceangebote unter der Überschrift "Managed Care" zu entwickeln. Diese sollen den Patienten helfen, gleichzeitig den Apotheken neue Geschäftsperspektiven eröffnen und zudem das Gesundheitssystem entlasten, stellt sich Celesio das vor. Vor allem chronisch kranken Patienten sollen in ihrer Apotheke vor Ort geholfen direkt betreut werden.

Der Pharmagroßhandel soll sich in den kommenden Jahren zu einem zentralen Logistik-Anbieter entwickeln, der die gesamte Distributionskette abdeckt. Ziel ist es, alle Anforderungen der Marktteilnehmer aus einer Hand und damit effizienter als bisher möglich zu erfüllen. Pinger erläutert: "Heute läuft die Distribution von Arzneimitteln meist in mehreren getrennten Schritten vom Hersteller über Vor-Großhändler zum eigentlichen Großhändler und dann zur Apotheke, manchmal auch direkt vom Hersteller zur Apotheke beziehungsweise Apotheken-Kooperation. Jeder Marktteilnehmer muss dabei eigene Lager- und Transportkapazitäten vorhalten. Dies auf intelligente und übergreifende Weise in einer Hand zu bündeln, wird für alle zu einem hohen Effizienzgewinn führen, den Celesio-Pharmagroßhandel in die neue Position einer zentralen Logistik-Drehscheibe bringen und uns so neue Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Diese umfassende Logistik-Kompetenz vom Hersteller bis zum Apotheker aus einer Hand streben wir an. Die Zusammenarbeit unserer regionalen Großhandelsunternehmen in ganz Europa sichert dabei auch eine länderübergreifende Logistikleistung."

Gute Expansionschancen sieht Celesio in Wachstumsregionen außerhalb Europas, z. B. in Brasilien mit der jüngsten Akquisition von Oncoprod, das Großhandel und im Bereich Distribution von Spezialmedikamenten betreibt. Deswegen wird es nicht bei Brasilien bleiben, sondern "... von dort aus weitere Expansionsmöglichkeiten in Lateinamerika prüfen. Ähnlich attraktiv scheinen uns einige Märkte im Mittleren Osten. Wir sehen dabei den Großhandel durchaus als Basis, um uns auch im Apothekengeschäft gute Marktpositionen in diesen Regionen zu verschaffen, sei es durch Kooperationen oder durch Akquisitionen," ist Pinger überzeugt.

Ein Operational-Excellence-Programm soll die operative Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit von Celesio erheblich steigern. Pinger stellt sich das folgendermaßen vor: "Celesio kauft jährlich für mehrere Milliarden Euro Produkte ein, deren Preis grundsätzlich verhandelbar ist. Selbst wenige Prozente an Preisreduzierung führen zu erheblichen Einsparungen. Hohe Effizienzgewinne erwarten wir auch aus der länderübergreifenden Optimierung der Lieferkette und des Niederlassungsnetzes. Insgesamt wollen wir die führende Position von Celesio durch operative Exzellenz festigen und ausbauen. Strategische Neuausrichtung und operative Exzellenz sind zwei Seiten einer Medaille."

Foto: Celesio AG
26.10.11
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