Im Auftrag des Verbands forschender Arzneimittelhersteller e.V. und der Pharmaceutical Research and Manufacturers of America hat Prognos die Beteiligung an Entscheidungsprozessen im Gesundheitswesen von Patienten und Bürgern in Deutschland und in weiteren Systemen analysiert. Ziel war es, eine gute Praxis der Patienten- und Bürgerbeteiligung zu identifizieren. Eines scheint klar: Deutschland hat im Vergleich zu anderen Ländern hinsichtlich der Patientenbeteiligung noch erheblichen Verbesserungsbedarf.
Bürger wollen immer häufiger an den sie betreffenden Entscheidungen partizipieren. Und es werden ihnen auch Wege - manche sagen zu wenige, manche sagen ausreichend - dahin eröffnet. Vor allem verlangen nicht nur Skeptiker, dass wo Recht ist, auch die Pflicht kommt: Durch die Möglichkeit zur Entscheidungsteilhabe wird der Bürger in die Pflicht genommen, seine Interessen zu artikulieren und so zu einer Verbesserung des jeweiligen Systems beizutragen. Patienten werden also immer wichtiger - doch klappt das schon so reibungslos?
Die Studie ist dieser Frage nachgegangen und hat verschiedene Bereiche von Institutionen im Gesundheitssystem auf gesetzliche Verankerung und Verbindlichkeit, Rahmenbedingungen, Legitimation und Transparenz der Patienten- und Bürgerbeteiligung untersucht - und zwar in Deutschland und in acht weiteren Systemen: Australien, Dänemark, England und Wales, Frankreich, Niederlande, Schottland, Schweden und zusätzlich die European Medicines Agency (EMA).
Dabei entdeckten die Analysten vor allem Frankreich und Schottland für sich: In diesen Ländern hat die verpflichtende Patienten- und Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen des Gesundheitswesens zu einer erhöhten Akzeptanz des Prinzips der Partizipation geführt, heißt es als Fazit. Günstige Rahmenbedingungen liegen in Frankreich, England, Schottland und bei der EMA vor. Deutschland schneidet nicht so gut ab. Gian Carlo Sciuchetti, vfa-Geschäftsführer Markt und Erstattung, will das zum Anlass für Veränderungen nehmen: "Es ist unstrittig, dass eine starke Beteiligung von Patientenvertretern im Gesundheitssystem notwendig ist. Wir sind der Meinung, dass diese Partizipation erheblich zur Qualität, Transparenz und Akzeptanz der Entscheidungen im Gesundheitssystem beiträgt. Die Studie und ihre Ergebnisse sollen zum konstruktiven Dialog beitragen."
In der Studie wurden zehn Bausteine der guten Praxis der Patienten- und Bürgerbeteiligung identifiziert. Mithilfe dieser Bausteine könnten die Rahmenbedingungen verbessert werden:
- Gesetzliche Verpflichtung zur Einbindung der Patienten und Bürger in allen Bereichen des Gesundheitswesens - Transparenz über Verfahren, damit Patienten und Bürger wissen, worüber diskutiert wird - Transparenz über Beteiligungsmöglichkeiten, damit Patienten und Bürger wissen, dass sie sich einbringen können - Rekrutierung über Ausschreibungen oder - Register von Patientenvertretern, damit die Legitimation erhöht werden kann - aktive Ansprache von Patientengruppen, um die Wissensbasis für Entscheidungen zu erweitern - Finanzierung von Patientenvertretern, damit ihr Engagement gewürdigt wird und die Beteiligung stabilisiert wird - Online-Partizipationsverfahren, damit eine breite Beteiligung aller Betroffenen sichergestellt werden kann - verbindliches Feedback, damit die Qualität der Patienten- und Bürgerbeteiligung sich kontinuierlich verbessert - Advocacy-Schulungen für Patientenvertreter, damit sie ihre Rolle als Vertreter aktiv wahrnehmen können.
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Die Studie unter: http://www.prognos.com/fileadmin/pdf/publikationsdatenbank/110921_Prognos_Bericht_Patienten-_und_Buergerbeteiligung_in_Gesundheitssystemen.pdf
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PM 06.10.2011
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