Patienten können eigentlich von ihrer Krankenkasse eine Aufstellung und
die Kosten ihrer ärztlichen Untersuchungen verlangen. Aber das machen
bisher sehr wenige. Nun soll das geplante Versorgungsstrukturgesetz
(VStG) so verändert werden, dass dieser ganze Einsehprozess einfacher
vonstatten geht. CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer ist für
mehr Offenheit: "Bislang ist es für die Patienten ein sehr
bürokratisches Verfahren, eine Auskunft über die Abrechnung der Ärzte
zu erhalten. Durch das neue Verfahren erwarte ich einen großen Schritt
nach vorn für mehr Offenheit."
Bisher war der Wunsch nach einer Arztrechnung ziemlich umständlich: Die
Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) haben den Kassen die
entsprechenden Informationen zur Verfügung gestellt. Daraufhin konnten
dann die Kassen die Daten an ihre Versicherten weitergeben. Diese im
Jahre 1992 mit dem Gesundheitsstrukturgesetz ins SGB V aufgenommene
Regelung soll um einen Schritt erleichtert werden, denn nun sollen die
Kassen aus ihren eigenen Datenbeständen die Infos weiterleiten können.
Das wollen die Union und FDP nun durchsetzen und ab dem 1. Januar 2012
realisieren. Für die Ärzte soll kein Mehraufwand entstehen. Eine
PatientenQuittung bietet bereits die AOK NordWest seit Anfang September
2011 an. Diese Quittung soll einen umfangreichen Zugriff auf die
abgerechneten Daten über das Internet bieten: Ob ärztliche oder
zahnärztliche Behandlungen, Krankenhausaufenthalte, Arznei-, Heil- oder
Hilfsmittel – nahezu alle medizinischen Leistungen, die über die
Krankenversichertenkarte abgerechnet wurden, werden dargestellt. Über
die Homepage der Krankenkasse können sich die Versicherten einloggen
und ihre Daten einsehen.
Hartmannbund-Vorsitzender Klaus Reinhardt stempelt das Vorhaben als
"Augenwischerei" ab: "Aber wer da von Transparenz spricht, der
ignoriert weiterhin beharrlich, wie ein absurdes Honorar- und
Abrechnungssystem nach wie vor jeden Blick auf einen echten
Zusammenhang zwischen Leistung und Bezahlung vernebelt." Wer wirkliche
Transparenz wolle, müsse die Abschaffung der Budgets, der Punktwerte,
der pauschalierten Vergütung und des Sachleistungsprinzips ins Gesetz
schreiben, poltert Reinhardt.
|
|
Rheinische Post; Hartmannbund; AOK NordWest
|
|
16.11.11
|
|