Eine Premiere für die Integrierte Versorgung (IV), bei dem ein
Pharmaunternehmen mit dabei ist: Der Krankenversicherer Knappschaft,
die Desitin Arzneimittel GmbH und die Managementgesellschaft Deutsche
Gesundheitssystemberatung (GSB) haben einen IV-Vertrag abgeschlossen.
Ziel ist es, die medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen,
die an Epilepsie leiden, zu verbessern.
Durch die Novellierung des Paragrafen 140b des Sozialgesetzbuchs V zum
Jahresanfang ist so eine Zusammenarbeit bei der IV nun möglich. Dafür
wird das Internet-basierte Dokumentations- und Therapiemanagementsystem
EPI-Vista® verwendet. Das Unternehmen hat es schon vor einigen Jahren
gemeinsam mit führenden Epileptologen entwickelt und es werde
mittlerweile von 2700 Patienten in ganz Deutschland genutzt, sagt
Desitin. Neben der Finanzierung des Systems, wird die Pharmafirma die
Vertragspartner durch Marketing- und Kommunikationsmaßnahmen
unterstützen sowie die erforderliche Schulung der Vertragsärzte zu
EPI-Vista® durchführen.
EPI-Vista® soll den Eltern betroffener Kinder ermöglichen, in einem
elektronischen Patiententagebuch alle krankheitsrelevanten Ereignisse
zu erfassen: etwa die Häufigkeit von Anfällen sowie Wirkungen und
Nebenwirkungen der Therapie. Auf diese Daten können sie den
behandelnden Ärzten Zugriff gewähren, die wiederum über das System
elektronische Krankenblätter mit Diagnosen, Anfallsarten und Befunden
führen. Die synchronisierten Informationen werden anonymisiert und
verschlüsselt an einen zentralen Server am Universitätsklinikum
Greifswald übertragen und können dort von Patient als auch Arzt
jederzeit in aktualisierter Form abgerufen werden.
Dadurch möchte man den Behandlungsprozess optimieren, beispielsweise
durch die lückenlose Verlaufskontrolle und mehr Transparenz. Auch
sollen dadurch die Arztbesuche reduziert werden. Was in
Schleswig-Holstein auch notwendig ist, findet die Kasse - dort sind nur
elf Neuropädiater tätig. Die Knappschaft sieht darin einen der Gründe
für die Defizite in der Epilepsiebehandlung bei Kindern und
Jugendlichen. Sie kritisiert die hohen Folgekosten für
Akutbehandlungen, Klinikaufenthalte, aber auch Krankengeldzahlungen für
pflegende Eltern.
Aber ums Sparen geht es anscheinend nicht allein, wie Karin Agor,
Vertragsreferentin der Knappschaft in Hamburg, glaubhaft machen möchte:
"Uns geht es nicht ums Sparen, sondern wir wollen etwas Gutes für
unsere Patienten und honorieren auch den Mehraufwand der Ärzte." Das
Hamburger Arzneimittelunternehmen Desitin macht mit, weil die
Pharma-Industrie nicht länger nur bloßer Medikamentenhersteller sein
könne, sondern als Servicepartner gefordert sei. Alexander Fröhlich,
Leiter Healthcare Management bei Desitin, sieht darin auch Vorteile für
Kostenträger, die auch außerhalb des Arzneimittelbereichs Einsparungen
erzielen können.
Niedergelassene Hausärzte und Neuropädiater, die sich in diesen Vertrag
einschreiben, erhalten pro Fall eine Einmalzahlung (von 50 Euro) sowie
pro Fall und Quartal eine EPI-Vista®-Pauschale (30 Euro). Der Vertrag
ist zunächst auf Schleswig-Holstein begrenzt. Die Knappschaft geht
davon aus, dass in Schleswig-Holstein bei sehr konservativer
Hochrechnung mindestens 2400 Kinder an Epilepsie leiden.
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Foto: TK
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20.10.11
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