Laut der sechsten Ausgabe des Gesundheitsreports befürchten die
Deutschen eine "Zwei-Klassen-Medizin" (79%), nur 16% glauben, dass die
heutige Versorgung aufrecht erhalten werden kann. Die repräsentative
Studie im Auftrag von MLP hat das Institut für Demoskopie Allensbach
mit Unterstützung der Bundesärztekammer (BÄK) erstellt. Und das nutzt
der BÄK-Präsident Dr. Frank Ulrich Montgomery gleich für seine Zwecke:
"Diese pessimistische Zukunftssicht teilen auch die meisten Ärztinnen
und Ärzte. Rund 50 Prozent berichten, dass schon heute in ihrer Region
Ärztemangel herrscht. Ein weiteres Drittel rechnet damit in den
nächsten Jahren."
Noch vertrauen die Deutschen auf ihr Gesundheitssystem: 72% der
Bevölkerung und 88% der Ärzte urteilen über die Gesundheitsversorgung
mit "gut" oder "sehr gut". 59% der Patienten haben in den vergangenen
zwei, drei Jahren gleichbleibende Erfahrungen mit der ärztlichen
Versorgung gemacht (2010: 56%). Zwar hat sich der Prozentsatz
derjenigen gesenkt, die sich darum sorgen im Krankheitsfall auf eine
notwendige Behandlung verzichten zu müssen - doch immer noch 32%
besticht diese Sorge.
Bei den Ärzten sehen mehr als zwei Drittel ihre Therapiefreiheit aus
Kostengründen in Frage gestellt (2010: 72%). Vor allem Behandlungen
werden aus Budgetgründen verschoben: 59% der Ärzte mussten schon einmal
Behandlungen auf einen späteren Zeitraum verlegen, bei 16% ist dies
sogar häufig der Fall. 72% der Ärzte sehen aber auch die Patienten am
Zug: Denn sie würden häufig Patienten in ihrer Praxis empfangen, bei
denen ein Arztbesuch aus medizinischer Sicht nicht notwendig ist.
Wenn die BÄK mitmischt, dann geht es im Gesundheitsreport natürlich
auch um den Ärztemangel. Den stellen insbesondere die Ärzte fest: Schon
heute sehen fast zwei Drittel (2010: 46%) ein Problem darin; weitere
23% rechen künftig damit. In Ostdeutschland sprechen 69% von einem
Ärztemangel in ihrer Region, im Westen sind es dagegen 47%. 70% der
Ärzte ist davon überzeugt, dass der Gesetzgeber den Ärztemangel und
seine Auswirkungen unterschätzt – daran kann auch nicht das auf
den Weg gebrachte Versorgungsstrukturgesetz etwas ändern. Allerdings
können die Ärzte den meisten Eckpunkten etwas Gutes abgewinnen: 95%
der Ärzte befürworten Maßnahmen zur verbesserten Vereinbarkeit von
Familie und Beruf. 90% beklatschen finanzielle Anreize, sich mit
Kollegen einen Versorgungsauftrag auf dem Lande zu teilen.
Die Patienten spüren im Gegensatz zu den Ärzten weniger vom Ärztemangel
(13%), rund jeder Fünfte rechnet aber damit. Bundesweit teilt sich das
aber noch einmal auf - besonders bei Menschen in strukturschwächeren
Regionen mit weniger als 25.000 Einwohnern: 20% spüren bereits einen
Ärztemangel, 29% rechnen damit.
Montgomery sieht die Regierung mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz
grundsätzlich auf dem richtigen Weg: "Das Gesetz soll dazu beitragen,
dass die Patientinnen und Patienten auch künftig einen Arzt in ihrer
Nähe finden. Bei aller Kritik an einzelnen Vorgaben sind das
grundsätzlich richtige Schritte." Doch er fordert mehr Diskussionen:
"Wir müssen darüber diskutieren, wie wir angesichts begrenzter
Finanzen, Kapazitäten und Zeitressourcen allen Patientinnen und
Patienten auf Dauer die notwendige Behandlung anbieten können. Deshalb
haben wir die Priorisierungsdebatte angestoßen und setzen diese auch
konsequent fort."
Mehr zum MLP Gesundheitsreport können Sie auch in der Dezember Ausgabe des PM-Reports lesen (erscheint am 8.12.).
Der MLP Gesundheitsreport ist eine repräsentative Umfrage unter rund
1.800 Bundesbürgern und mehr als 500 Ärzten. Erstmals wurden in diesem
Jahr die Kernfragen zur Bewertung der Gesundheitsversorgung nach
Bundesländern erhoben. Der gesamte Report kann unter
www.mlp-gesundheitsreport.de bestellt werden.
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24.11.11
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