Die personalisierte Medizin wird von Kritikern als neuer Marketinggag
der Pharmabranche angesehen. Doch auf dem Symposium "Personalisierte
Medizin: Nutzen für Patienten und Gesellschaft" wollte man diese Kritik
nicht gelten lassen. Ganz im Gegenteil ist Dr. Frank Mathias,
Vorsitzender von vfa bio und CEO der MediGene AG, davon überzeugt, dass
"personalisierte Medizin hilft, nutzlose oder nebenwirkungsintensive
Therapien zu vermeiden. Das steigert die Effizienz und trägt dazu bei,
die hohe Leistung unseres Gesundheitssystems aufrechtzuerhalten."
Auf 20 Medikamente kann sich die personalisierte Medizin bislang
stützen (www.vfa.de/personalisiert). anhand bestimmter Gensequenzen
oder Blutwerte des Patienten vorherzusagen, welche Medikamente für den
betreffenden Patienten wirksam und verträglich sind. Gebraucht werden
also "Tandems" aus Medikament und zugehörigem Biomarker-Vortest,
fordert Mathias und er betont: "Damit Ärzte sie dann einsetzen können,
müssen die Vortests auch von den Krankenkassen erstattet werden."
Aber genau das könnte die Kostenstruktur der Therapie sprengen, gibt
Brigitte Käser, Geschäftsführerin für den Bereich Gesundheitsmanagement
ambulant bei der AOK Niedersachsen, zu bedenken: "Deshalb - und auch
zum Schutz der Patienten vor Fehlentscheidungen - sollten
personalisierte Medikamente nur dann erstattet werden dürfen, wenn
sowohl der zugehörige Vortest validiert als auch der Zusatznutzen des
personalisierten Einsatzes nachgewiesen ist. Nur Evidenz-basiert bietet
die personalisierte Medizin Chancen für bessere Therapien und eine
bessere Ressourcen-Allokation im Gesundheitswesen."
Dr. Dr. Peter M. Schlag, Direktor des Charité Comprehensive Cancer
Centers (CCCC), hält dagegen: "Ich bin überzeugt, dass künftig viele
weitere personalisierte Krebsmedikamente zur zielgerichteten Therapie
nach vorheriger Testung des Patienten zur Verfügung stehen werden.
Diese werden die Tumorbekämpfung stetig verbessern." Und auch Prof. Dr.
Steffen Fleßa, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine BWL und
Gesundheitsmanagement der Universität Greifswald, kontert: "Wir
werden am Ende des Tages sehen, ob die Aspekte 'Kostentreiber' und
'Effizienzpotenzial' zwangsläufig als Gegensatz bei der
personalisierten Medizin zu sehen sind. Natürlich kosten Innovationen
Geld. Wenn sie aber helfen, gesamtgesellschaftlich betrachtet die
Ausgaben zu reduzieren, ist hier sehr wohl ein Effizienzpotenzial
vorhanden. Das gilt nicht nur für den Einsatz pharmakogenetischer
Vortests, sondern auch für andere Bereiche der personalisierten
Medizin."
Das Symposium "Personalisierte Medizin: Nutzen für Patienten und
Gesellschaft" wurde von vfa bio, der Interessengruppe für
Biotechnologie im Verband der forschenden Pharma-Unternehmen, und
BioTOP Berlin-Brandenburg, veranstaltet.
Eine Analyse zur Lage der personalisierten Medizin möchte der Report
"Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2011 - Biopharmazeutika:
Wirtschaftsdaten und Nutzen der Personalisierten Medizin" bieten.
Erstellt ist er von The Boston Consulting Group und vfa bio, 2011. Mehr
unter: www.vfa-bio.de/publikationen
|
|
Foto: DAK/Schläger
|
|
27.10.11
|
|