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Versorgungs-Report 2012

Im Versorgungs-Report 2012 geht es um das Thema "Gesundheit im Alter". Das sei auch notwendig, pochen die Autoren auf die Dringlichkeit. Vor allem, weil die Gesundheitsausgaben durch mehr ältere Bürger bis 2050 um 19% (0,4% pro Jahr) steigen. Außerdem treten bei älteren Patienten vermehrt Gesundheitsprobleme auf, z. B. in Folge der Einnahme von Medikamenten. WIdO-Geschäftsführer Jürgen Klauber fordert: "Die Arzneimitteltherapie für Ältere muss dringend verbessert werden."


Laut dem Report erhalten rund vier Mio. Patienten über 65 mindestens ein problematisches Medikament, bei dem die Nachteile den Nutzen übersteigen. 5,5 Mio. sind Risiken durch gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente ausgesetzt. Für Klauber ein Problem, das in Angriff genommen werden muss: "Dazu können evidenzbasierte Therapieempfehlungen, hausärztliche Therapiezirkel und eine auf ältere Menschen zugeschnittene Pharmakotherapieberatung für Ärzte beitragen."  

Ein weiteres Problem bei älteren Menschen ist die Krankheitshäufigkeit, die sich laut Versorgungs-Report in Schritten von fünf bis sechs Jahren verdoppelt. Im Alter von 75 und 79 Jahren liegt sie bei 7,5%, zwischen 85 und 89 Jahren bei 22,5% und ab dem 100. Lebensjahr bei 40%.

Dazu komme die Demenz-Krankheit: Aktuell haben Frauen ab 80 Jahren noch eine Lebenserwartung von knapp 8,8 Jahren. Davon verbringen sie im Schnitt noch fast sieben Jahre ohne Demenz. Männer ab 80 leben durchschnittlich noch sieben Jahre und verleben davon etwa sechs Jahre demenzfrei. Steigt die Lebenserwartung stark an, wird mit der größeren Zahl alter Personen die Zahl der Demenzkranken auf bis zu drei Millionen steigen, was bei im gleichen Zeitraum schrumpfender Bevölkerungszahlen einem Anteil von 4,2% der Deutschen entsprechen würde, so die Prognose im Report..

Klauber setzt da auf mehr Aufklärung: "Aus wissenschaftlicher Sicht – und das ist sicherlich auch gesellschaftlich ratsam – gibt es ein klares Ziel: Demenz muss in der Wahrnehmung der Menschen eine normale Erkrankung werden. Trotz aller Aufklärung ziehen sich noch immer viele Betroffene und Angehörige aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Erste Symptome einer Erkrankung werden oft verleugnet und selbst von den Hausärzten nicht richtig eingeordnet, weil das Thema sehr  negativ und vorurteilsbehaftet diskutiert wird."  

Zwar würden die Kosten durch eine älter werdende Bevölkerung steigen, doch anscheinend gebe es keine Kostenexplosion: Zwischen 2005 und 2009 sind die Ausgaben der GKV im Jahresmittel um 3,7% gestiegen. Der Gesundheitsökonome Prof. Stefan Felder von der Universität Basel sieht bis 2050 einen jährlichen Anstieg von 0,4%.


Zum Report:
Das Thema "Gesundheit im Alter" ist Schwerpunkt des neuen Versorgungs-Report, den das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) herausgibt. Darin analysieren 42 Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen die ambulante und stationäre Versorgung, die Arzneimitteltherapie, Pflege, Prävention und Palliativmedizin unter dem Blickwinkel der alternden Gesellschaft.

Günster/Klose/Schmacke (Hrsg.): Versorgungs-Report 2012. Schwerpunkt: Gesundheit im Alter. Schattauer (Stuttgart); 440 Seiten; 84 Abb.; 64 Tab., kart.; mit Online-Zugang; 49,95 €; ISBN-13: 978-3-7945-2850-9

29.11.11
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