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Gesundheitsmarkt 2020: Neue Strukturen

Steht die Gesundheitsversorgung in der Form, wie wir sie kennen, vor dem Aus? Zumindest scheint eines sicher: Der zunehmende Kostendruck wird Anpassungsprozesse im Gesundheitswesen beschleunigen.


Dadurch entsteht weltweit eine neugestaltete Healthcare-Architektur mit neuen Versorgungsstrukturen, neuen Technologien und neuen Geschäftsmodellen, prognostiziert die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrer Studie „The end of Healthcare … as we know it?“.

Vier Marktströmungen sollen den Gesundheitsmarkt 2020 bestimmen:

  • Der engagierte Patient: Er wird in Zukunft viel mehr aus eigener Tasche zahlen müssen – in Form von Praxis- und Medikamentengebühren, Zuzahlungen, Zusatzversicherungen oder privat zu tragenden Behandlungskosten. Dadurch wächst die Marktmacht des Patienten. Parallel dazu ermöglicht ihm das rasch zunehmende Angebot im Internet, sehr viel mehr über Gesundheit, Krankheiten und Behandlungsmethoden zu erfahren.
  • Datenrevolution: Computerisierung und Vernetzung machen elektronische Patientendaten überall verfügbar und den Erfolg von Behandlungen transparent. Sie optimieren die Prozesse zwischen Haus- und Fachärzten, Kliniken und Versicherungen. Standardisierte und online verfügbare Studien, Empfehlungen, Protokolle, Leitfäden und Erstattungsrichtlinien schränken den Freiheitsgrad ärztlicher Entscheidungen über Behandlungsmethoden und Medikamente deutlich ein. Statt klinischer Studienergebnisse zählen 2020 wirklich erzielte Behandlungsergebnisse.
  • Integrierte Behandlung: Gesundheitszentren und eine stärkere Vernetzung werden die Behandlungswege optimieren. Die Honorierung der Behandlung bemisst sich zukünftig an Behandlungsqualität und -erfolg sowie den Einsparerfolgen.
  • Gesundheitsökonomische Innovation: Die starken Kosten-Nutzen-Abwägungen zwingen Pharma- und Medizintechnikhersteller zukünftig zu gesundheitsökonomischen Innovationen. Eine neue Generation von Gut-genug-Produkten wird zum Standard in Medizintechnik und Pharmazie. Daneben wird es weiterhin Spitzenprodukte geben, die jedoch mehr und mehr auf Nischen und spezielle Patientengruppen zugeschnitten sind. Einstellen müssen sich die Pharmaunternehmen auf weiter verschärfte Bedingungen für den Market-Access. Dafür sorgen Kooperationen der Gesundheits- und Zulassungsbehörden über Ländergrenzen hinweg.

Die Marktforscher nennen die konzertierte Aktion von FDA und EMA bei der Nutzungseinschränkung des Diabetes-Medikamentes Avandia im Herbst 2010 einen Vorgeschmack. Die Entwicklung neuer Produkte gehe mit der Entwicklung neuer Diagnostika Hand in Hand. In die Medikamente „eingebaute“ Biomarker würden sicherstellen, dass die gewachsenen Ansprüche an Wirksamkeit und Sicherheit auch erfüllt werden. All das stelle aber ganz neue Anforderungen an die F&E-Organisationen der Unternehmen, weil neuartige Schnittstellen definiert und Forschung in einer wesentlich günstigeren Kostenstruktur erfolgen müsse.

Der Zwang zu Kostensenkungen bedeute eine weiter gehende Flexibilisierung und Externalisierung der Wertschöpfungskette. Das bedeute Konjunktur für Auftragsentwickler, Auftragsfertiger und externe Vertriebsorganisationen. Strategische Partnerschaften – vermehrt auch zwischen Pharma- und Medizintechnikunternehmen – dienen dazu, ganzheitliche Lösungsansätze bei der Behandlung von Krankheiten anbieten zu können. Sanofi-Aventis gehe im Diabetesbereich bereits in diese Richtung und habe angekündigt, als „Integrator“ Diabetesmedikamente, Glukosemessgeräte und weitere Produkte zur Diabetesbehandlung zu vertreiben.

Zu erwarten sei darüber hinaus das Auftauchen neuer Spieler, die an der Grenze von Medizin und Ernährung tätig werden. Die Marktforscher führen als Beispiel Nestlé an, das im Herbst 2010 Nestlé Health Science als eigenständige Einheit gegründet hat. Diese konzentriert sich darauf, Nahrungsmittel zu entwickeln, die chronischen Krankheiten, wie Diabetes, Übergewicht, Herzkrankheiten und Alzheimer, vorbeugen oder deren Behandlung unterstützen. Dazu passt die Akquisition des Pharmaunternehmens CM&D im Februar 2011, das unter anderem Fostrap entwickelt – ein Kaugummi zur Phosphatreduktion bei Nierenkrankheiten.

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