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Sind DMP wirklich ein Erfolgsmodell?
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Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen
(IQWiG) hat das Disease-Management-Programm (DMP) zum Typ-1-Diabetes
gecheckt und stellt fest: „Patientinnen und Patienten mit Diabetes
mellitus Typ 1 können also sicher sein, dass das derzeitige DMP in
allen wesentlichen Punkten dem aktuellen Stand des medizinischen
Wissens entspricht.“
Das kann alle freuen – Patienten wie Ärzte. Doch so ganz ungetrübt
fällt das Fazit zu den DMP nicht aus. DMP wurden im Jahr 2002 mit dem
„Gesetz zur Reform des Risikostrukturausgleichs in der gesetzlichen
Krankenversicherung“ eingeführt. Seither gibt es sie für sechs
Indikationen: Diabetes mellitus Typ 2 und Brustkrebs (seit 1. Juli
2002), koronare Herzkrankheit (seit 1. Mai 2003), Diabetes mellitus Typ
1 (seit 1. März 2004) sowie Asthma bronchiale und chronisch obstruktive
Lungenerkrankung (seit 1. Januar 2005).
Mit der 20. RSA-ÄndV wurde zum 1. Juli 2009 im Rahmen des DMP KHK das
Modul „chronische Herzinsuffizienz“ eingeführt. In einer kürzlich
veröffentlichten Bewertung kommt das Bundesversicherungsamt zu
folgendem Ergebnis: „Aus den vorliegenden medizinischen Daten kann die
Hypothese abgeleitet werden, dass die an DMP teilnehmenden Patienten
von der Teilnahme deutlich profitieren.“
Ähnlich liest es sich in der ELSID-Studie, mit der die AOK ihre DMP
wissenschaftlich untersuchen lässt: Unter den Diabetikern im DMP ist
die Sterblichkeitsrate niedriger als bei Patienten, die nicht in ein
solches Programm eingeschrieben sind (10,9 vs. 18,8%). Insbesondere
mehrfach erkrankte Patienten im DMP beurteilen ihre Lebensqualität
besser als diejenigen in der Regelversorgung. Teilnehmer des DMP
Diabetes fühlen sich von ihrem Arzt besser versorgt als
Nicht-DMP-Teilnehmer. Eine Patientenbefragung im Rahmen der Studie
ergab, dass die DMP-Teilnehmer mit dem Ablauf und der Organisation
ihrer Behandlung zufriedener sind als Patienten in der Regelversorgung
und sich besser versorgt fühlen.
Obwohl die Verbesserung der medizinischen Betreuung und die höhere
Zufriedenheit der Patienten in fast allen Studien zum Ausdruck kommt,
gibt es eine Einschränkung: Die Bedeutung des Selektionseffektes bleibt
unklar.
Was die Kosten der DMP betrifft, fallen die Bewertungen dagegen
unterschiedlich aus. So stellt die ELSID-Studie fest: Die Kosten für
die Versorgung der Patienten im DMP sind insgesamt etwas niedriger als
die Kosten für die Versorgung der Diabetiker in der Regelversorgung.
Eine im Juli 2011 vorgelegte Auswertung des DMP Diabetes durch die
BARMER GEK freut sich, dass die Ausgaben für Medikamente und
Krankenhausbehandlung vom Jahr 2003 zum Jahr 2007 bei Versicherten, die
nicht am DMP teilnahmen, um rund 25% stärker angestiegen sind als bei
DMP-Teilnehmern.
Das Wissenschaftliche Institut der TK für Nutzen und Effizienz im
Gesundheitswesen (WINEG) hat im März 2011 gegenläufige Ergebnisse
veröffentlicht: „Die DMP-Teilnehmer haben in allen untersuchten
Quartalen mehr Arzneimittelverordnungen eingelöst, häufiger
niedergelassene Ärzte kontaktiert und mehr Leistungen nach
Einheitlichem Bewertungsmaßstab (EBM) in Anspruch genommen. Insgesamt
ist ein medizinischer Nutzen durch die DMP-Teilnahme nicht klar
erkennbar.“
Eine für die KKH-Allianz durchgeführte Bewertung des DMP Diabetes (im
August 2011 veröffentlicht) besagt, dass die Leistungsausgaben der
DMP-Teilnehmer von 2003 bis 2006 langsamer stiegen und schließlich um
etwa 9% unter denen der Nicht-Teilnehmer lagen. Im DMP entstanden
höhere Ausgaben für ambulante ärztliche Behandlung, aber deutlich
niedrigere in den Bereichen Krankenhaus und sonstige Leistungen. Aber:
Die „günstigere Entwicklung der Leistungsausgaben vor allem im Bereich
stationärer Behandlungen lässt sich jedoch zum überwiegenden Teil auf
eine wahrscheinlich selektionsbedingt höhere Komorbidität der nicht am
DMP teilnehmenden Diabetiker zurückführen.“
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IQWiG: Abschlussbericht V09-03, Leitlinienrecherche und –bewertung für das DMP Diabetes mellitus Typ 1; Bundesversicherungsamt: Ergebnisüberblick zur DMP-Evaluation; Universitätsklinikum Heidelberg: Ergebnisse der ESID-Studie – Vergleich von DMP und Regelversorgung; PMV Fortschungsgruppe: Die Kosten des Diabetes mellitus – Ergebnisse der KoDiMStudie; diabetesDE: Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2011; BARMER GEK Studienergebnisse zur Versorgung von Patienten mit Diabetes Typ 2; Dtsch Arztebl Int; 2011; 108(10): 155–62; DOI: 10.3238/arztebl. 2011.0155; Gesundhökon Qual manag; 2011; 16(4): 209–215; DOI: 10.1055/s-0029-1245920
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PM-Report 10/11
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