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Stabiler Gesundheitsfonds

Foto: AOK
Da geben sich beim BVA in Sachen Gesundheitsfonds mal alle einvernehmlich: Der Schätzerkreis beim Bundesversicherungsamt (BVA) rechnet damit, dass mehr Geld in den Gesundheitsfonds fließen als ausgegeben wird. Das bringt voraussichtlich einen Überschuss von 4,4 Mrd. Euro ein. Vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer findet es deswegen an der Zeit, "...angesichts der stabilen Finanzsituation der Krankenkassen "Notmaßnahmen" zu überprüfen."


Es schaut 2011 besser aus als erwartet für den Gesundheitsfonds: Die Einnahmen des Gesundheitsfonds haben sich im laufenden Jahr sehr dynamisch entwickelt, bekundet das BVA. Sie werden mit 183,4 Mrd. Euro voraussichtlich 1,7 Mrd. Euro höher ausfallen als zuletzt im Januar 2011 geschätzt. Grund ist die im Jahresverlauf positive Entwicklung am Arbeitsmarkt. Die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds betragen entsprechend der rechtlichen Vorgaben weiterhin unverändert 178,9 Mrd. Euro. Der hieraus resultierende Überschuss in Höhe von 4,4 Mrd. Euro soll der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds zufließen. 2 Mrd. Euro davon werden aber dafür verwendet, um den zusätzlichen Bundeszuschuss zur zukünftigen Finanzierung des Sozialausgleichs und der Zusatzbeiträge für Empfänger von Arbeitslosengeld II und Sozialgeld bis einschließlich 2014 zu finanzieren.

Die geschätzten Ausgaben der Krankenkassen betragen 177,5 Mrd. Euro. Die Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds übersteigen die Ausgaben somit um 1,4 Mrd. Euro. Dies entspricht 0,8% des prognostizierten Ausgabenvolumens.

Auch für 2012 rechnet der BVA mit günstigen Prognosen: Es werden Einnahmen des Gesundheitsfonds in Höhe von 185,7 Mrd. Euro erwartet. Die voraussichtlichen Ausgaben der Krankenkassen betragen 185,4 Mrd. Euro. Damit können auch im Jahr 2012 die Ausgaben der Krankenkassen durch Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds im Durchschnitt vollständig gedeckt werden.

Der BVA erklärt außerdem: Der für das Jahr 2012 geschätzte Ausgabenanstieg von 4,5% resultiert insbesondere aus einer nicht mehr rückläufigen Ausgabenentwicklung im Arzneimittelbereich und einer im Vergleich zum Vorjahr höheren Grundlohnrate, die in einigen Vertragsbereichen Grundlage für die Anpassung der Vergütung ist. Aus dem in der Gesetzgebung befindlichen GKV-Versorgungsstrukturgesetz werden hingegen im Jahr 2012 keine nennenswerten Ausgabensteigerungen erwartet.

vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer fordert aufgrund des stabilen Gesundheitsfonds: "Die düsteren Prognosen über die Wirtschaftsentwicklung und damit über eine zu schlechte Finanzausstattung der Krankenkassen sind also überholt. Deshalb müssen die Maßnahmen zur Rettung aus der Finanzmisere auf den Prüfstand gestellt werden. Zwangsmaßnahmen erscheinen jetzt nicht mehr verhältnismäßig. So verlangt der Staat von den Arzneimittelherstellern in Deutschland seit einem Jahr einen erhöhten Beitrag zur Sanierung der Krankenkassen: Den sogenannten Zwangsrabatt, der zudem noch rückwirkend wirksam wurde. Angesichts der stabilen Finanzsituation der Krankenkassen sind "Notmaßnahmen" zu überprüfen. Besondere Situationen - wie eine Schwächung der Krankenkassen durch die Wirtschaftskrise von 2009/2010 - mögen vielleicht besondere Maßnahmen wie einen Zwangsrabatt erfordert haben. Ein Finanzierungsinstrument auf Dauer ist er aber sicher nicht."

Thomas Drabinski, Leiter des Institutes für Mikro­daten-Analyse, findet die Reserven sollten anders genutzt werden: "Die gehorteten Milliarden­beträge zeigen das Ausmaß der staatlichen Fehlallokation und damit auch das Scheitern der zentralistischen Gesundheitspolitik." Und er fordert, dass der Überschuss genommen werden sollte, um die Versichertenbeiträge zu senken und den Gesundheitsfonds auf "sein umverteilungsnotwendiges Mindestmaß" zurückzubauen.

bva.de; vfa.de; aerzteblatt.de; Foto: AOK
14.10.11
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