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BARMER GEK Heil- und Hilfsmittelreport 2011: Teure Blackbox

Dem Barmer GEK Vorstands-Vizen Dr. Rolf-Ulrich Schlenker springt ein Fazit des Heil- und Hilfsmittelreportes 2011 ins Auge: "Der gezielte Einsatz von Heil- und Hilfsmitteln könnte den Patienten unnötige oder verfrühte Krankenhausaufenthalte und überflüssige chirurgische Eingriffe im großen Stil ersparen." Er kritisiert außerdem, dass der Heil- und Hilfsmittelmarkt immer noch eine teure Blackbox sei, über die man zu wenig weiß.


Laut dem Report entfallen mittlerweile fast sieben Prozent der Gesamtkosten auf Heil- und Hilfsmittel. Die Heilmittel hatten 2010 einen Anteil von rund 3,2% an den Gesamtausgaben der BARMER GEK, die Hilfsmittel kamen auf 3,5% (GKV gesamt: Heilmittel 2,8%, Hilfsmittel 3,6%). Bei 573 Mio. Euro gab die Barmer GEK im vergangenen Jahr rund 7,8% mehr für Heilmittel aus als im Vorjahr. Die Ausgaben für Hilfsmittel stiegen um 5,1% auf 666 Mio. Euro. Pro Versichertem ergab sich ein Plus von 4,4% bei Heilmitteln und 1,9% bei Hilfsmitteln. In der GKV insgesamt wurden 6 Mrd. Euro für Hilfsmittel und 4,6 Mrd. Euro für Heilmittel aufgewandt.

Das würde den Trend bestätigen, dass die Heil- und Hilfsmittelausgaben kontinuierlich zulegen, findet Studienautor Prof. Gerd Glaeske vom Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen (ZeS). Denn zwischen 2004 und 2010 verzeichnen Heilmittel in der GKV einen Anstieg um 26,4%, Hilfsmittel um 14,7%. Er warnt: "Die demographische Entwicklung und technische Innovationen treiben die Ausgaben in beiden GKV-Marktsegmenten kontinuierlich nach oben. Wir müssen aufpassen, dass dabei die Versorgungsqualität nicht auf der Strecke bleibt."

Offenbar bleibe Versorgungspotential ungenutzt. Ein evidenzbasierter Einsatz könne erhebliche Effizienzreserven heben, so Glaeske. Hinweise für einen ineffizienten bzw. medizinisch fragwürdigen Einsatz von Beitragsgeldern fanden die Autoren vom ZES in beiden Bereichen. Glaeske sieht einen Lösungsansatz in einer ausgeweiteten Gesundheitsberichterstattung: "Sie kann Grundlage für Bedarfsanalysen und eine Qualitätsanalyse sein, die eine Steuerung nicht nur über Preise, Budgets und Leistungsvolumina, sondern auch über Qualitätsindikatoren erlaubt."

Schlenker ist davon überzeugt, dass Behandlungsalternativen im Heil- und Hilfsmittelbereich zu spät, sparsam oder gar nicht wahrgenommen werden. Und er nennt Beispiele: Venenerkrankungen, Harninkontinenz und Arthrose. So wäre die Behandlung mit Kompressionsstrümpfen bei Venenerkrankungen oft effektiver als das weit verbreitete „Venenstrippen", eine Krampfader-Operation. Bei Harninkontinenz wirkt konsequentes Beckenbodentraining prophylaktisch und kurativ. Und auch bei Arthrose wären physiotherapeutische Maßnahmen häufig vorteilhafter als verfrühte Hüft- oder Knie-Operationen.

Und er fordert, dass Heil- und Hilfsmittel ähnlich wie Arzneimittel einer obligatorischen Kosten-Nutzen-Bewertung zu unterziehen sei. Denn häufig fehle es schlichtweg an Evidenz, oftmals werden aber auch Maßnahmen mit gesicherter oder zumindest vielversprechender Evidenz nicht genügend beachtet. Dies führt zu schlechterer Behandlungsqualität - und höheren Ausgaben bei den Krankenkassen.

Den gesamten Report finden Sie hier.

21.09.11
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