Eine Woche vor dem Arzneiverordnungs-Report 2011 hat der Verband
Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) den Arzneimittel-Atlas 2011
vorgestellt. Wird im Report normalerweise jedes Jahr der erhöhte
Medikamentenverbrauch kritisiert, zieht der Atlas ein anderes Fazit:
2010 gewährten Arzneimittelhersteller gut 1 Mrd. Euro mehr Rabatt als
im Vorjahr - inklusive 660 Mio. Euro durch den neu eingeführten
Zwangsrabatt. Und die Kassen verbuchten einen Überschuss. Für
vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer Grund, den Rabatt wieder
aufzuheben.
Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) haben die Kassen einen
Überschuss von 2,417 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2011 erzielt.
Das Ministerium betonte, dass ihr Arzneimittel-Sparpaket
"wirkt". Und "nach Jahren des ungebremsten Ausgabenanstiegs
können hier in diesem Jahr erstmals Ausgabensenkungen verzeichnet
werden. Der Rückgang der Arzneimittelausgaben um minus 6,3 Prozent
zeichnete sich bereits seit August 2010 ab...", verkündete das BMG.
Dies ist auch das Fazit im vom vfa in Auftrag gegebenen
Arzneimittel-Atlas. Prof. Bertram Häussler, Mitautor des vom IGES
Institut erstellten Atlas, konstatiert einen Rückgang: "Wie in den
Vorjahren war die Entwicklung der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen
Krankenkassen gekennzeichnet von einem Ausgleich zwischen Einsparungen
- insbesondere durch auslaufende Patente - und Mehrausgaben für
Innovationen. Dämpfend wirkten sich außerdem der seit Jahren
rückläufige Mehrverbrauch an Arzneimitteln aus sowie die starken
Einsparungen durch die seit August 2010 zusätzlich erhobenen
Arzneimittelrabatte. Dies alles hat zu einem Stillstand der
Ausgabenentwicklung bei den Arzneimitteln beigetragen und die Ausgaben
der Krankenkassen stabilisiert."
So gab es einen Anstieg von 2008 zu 2009 noch 5,7% für die
Arzneimittelausgaben der Krankenkassen. Dieser liegt von 2009 zu 2010
nur noch bei 1,6%. Die Ausgaben für Fertigarzneimittel inkl.
Impfstoffe in der GKV erreichten 2009 28,0 Mrd. Euro, 2010
kamen 28,1 Mrd. Euro zustande.
Aufgrund der Ergebnisse sollte der Zwangsrabatt wieder abgeschafft
werden, findet Fischer: "Besondere Situationen mögen vielleicht
besondere Maßnahmen wie einen Zwangsrabatt erfordert haben. Aber ein
Zwangsrabatt lässt sich nicht unter allen Umständen rechtfertigen und
aufrechterhalten: Ein Zwangsrabatt kann nur in einer Notsituation
einmalig helfen! Politik und Öffentlichkeit geht es um
Finanzierbarkeit. Auch wir möchten, dass wirksame und neue Arzneimittel
finanzierbar bleiben und den Patienten in der Versorgung zur Verfügung
stehen. Darum brauchen wir eine Balance zwischen notwendigen
Investitionen für die Erforschung neuer Arzneimittel und den
Therapiekosten für Patienten."
Doch auch die frühe Nutzenbewertung muss noch verfeinert werden, damit
nicht nur die Kosten eines Medikaments im Vordergrund stehen, betont
die vfa-Hauptgeschäftsführerin: "...Wir möchten jedenfalls einen
Arzneimittelsektor, der immer auch fragt: „Was bringt es den Patienten?
... Frühe Nutzenbewertung und Preisverhandlungen können gute
Steuerungsinstrumente zum Ausgleich von Versorgungsqualität und Höhe
des Preises sein! Erste Erfahrungen forschender Pharma-Unternehmen mit
der frühen Nutzenbewertung geben jedoch Anlass zur Sorge, ob diese
Balance auch gelingt. Niemand will die Versorgungsqualität der
Patienten in Deutschland verschlechtern. Damit die neue
Kosten-Nutzen-Bewertung aber ohne Fehler entwickelt wird, ist eine
politische Begleitung und Moderation dieses Prozesses notwendig. Wir
sehen das klare Bemühen des G-BA, Struktur in die frühe Nutzenbewertung
zu bekommen. Und das erkennen wir durchaus an. Denn auch für den G-BA
ist die frühe Nutzenbewertung Neuland..."
Offene Fragen gebe es bei den Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über
künftige Preisverhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der
Pharmaindustrie und dem GKV-Spitzenverband:
- Die Vergleichbarkeit von europäischen Ländern für die Angabe der Abgabepreise,
- die Jahrestherapiekosten vergleichbarer Arzneimittel,
- die Preisänderungen bei Mengenabweichungen
Fischer sendet deutliche Signale: "Die forschenden Pharma-Unternehmen
sind nach wie vor bereit, den Weg, den das AMNOG gewiesen hat,
mitzugehen und mitzugestalten. Allerdings müssen wir aufpassen, dass in
der Umsetzung und Konkretisierung des gesetzlichen Rahmens nicht ein
System entsteht, das der Verfügbarkeit von Innovationen in Deutschland
im Weg steht."
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08.09.11
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