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19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
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Arzneimittel-Atlas 2011: Zwangsrabatt wieder abschaffen

Eine Woche vor dem Arzneiverordnungs-Report 2011 hat der Verband Forschender Arzneimittelhersteller (vfa) den Arzneimittel-Atlas 2011 vorgestellt. Wird im Report normalerweise jedes Jahr der erhöhte Medikamentenverbrauch kritisiert, zieht der Atlas ein anderes Fazit: 2010 gewährten Arzneimittelhersteller gut 1 Mrd. Euro mehr Rabatt als im Vorjahr - inklusive 660 Mio. Euro durch den neu eingeführten Zwangsrabatt. Und die Kassen verbuchten einen Überschuss. Für vfa-Hauptgeschäftsführerin Birgit Fischer Grund, den Rabatt wieder aufzuheben.


Laut Bundesgesundheitsministerium (BMG) haben die Kassen einen Überschuss von 2,417 Mrd. Euro im ersten Halbjahr 2011 erzielt. Das Ministerium betonte, dass ihr Arzneimittel-Sparpaket "wirkt". Und "nach Jahren des ungebremsten Ausgabenanstiegs können hier in diesem Jahr erstmals Ausgabensenkungen verzeichnet werden. Der Rückgang der Arzneimittelausgaben um minus 6,3 Prozent zeichnete sich bereits seit August 2010 ab...", verkündete das BMG.

Dies ist auch das Fazit im vom vfa in Auftrag gegebenen Arzneimittel-Atlas. Prof. Bertram Häussler, Mitautor des vom IGES Institut erstellten Atlas, konstatiert einen Rückgang: "Wie in den Vorjahren war die Entwicklung der Arzneimittelausgaben der gesetzlichen Krankenkassen gekennzeichnet von einem Ausgleich zwischen Einsparungen - insbesondere durch auslaufende Patente - und Mehrausgaben für Innovationen. Dämpfend wirkten sich außerdem der seit Jahren rückläufige Mehrverbrauch an Arzneimitteln aus sowie die starken Einsparungen durch die seit August 2010 zusätzlich erhobenen Arzneimittelrabatte. Dies alles hat zu einem Stillstand der Ausgabenentwicklung bei den Arzneimitteln beigetragen und die Ausgaben der Krankenkassen stabilisiert."

So gab es einen Anstieg von 2008 zu 2009 noch 5,7% für die Arzneimittelausgaben der Krankenkassen. Dieser liegt von 2009 zu 2010 nur noch bei 1,6%. Die Ausgaben für Fertigarzneimittel inkl. Impfstoffe in der GKV erreichten 2009 28,0 Mrd. Euro, 2010 kamen 28,1 Mrd. Euro zustande.

Aufgrund der Ergebnisse sollte der Zwangsrabatt wieder abgeschafft werden, findet Fischer: "Besondere Situationen mögen vielleicht besondere Maßnahmen wie einen Zwangsrabatt erfordert haben. Aber ein Zwangsrabatt lässt sich nicht unter allen Umständen rechtfertigen und aufrechterhalten: Ein Zwangsrabatt kann nur in einer Notsituation einmalig helfen! Politik und Öffentlichkeit geht es um Finanzierbarkeit. Auch wir möchten, dass wirksame und neue Arzneimittel finanzierbar bleiben und den Patienten in der Versorgung zur Verfügung stehen. Darum brauchen wir eine Balance zwischen notwendigen Investitionen für die Erforschung neuer Arzneimittel und den Therapiekosten für Patienten."

Doch auch die frühe Nutzenbewertung muss noch verfeinert werden, damit nicht nur die Kosten eines Medikaments im Vordergrund stehen, betont die vfa-Hauptgeschäftsführerin: "...Wir möchten jedenfalls einen Arzneimittelsektor, der immer auch fragt: „Was bringt es den Patienten? ... Frühe Nutzenbewertung und Preisverhandlungen können gute Steuerungsinstrumente zum Ausgleich von Versorgungsqualität und Höhe des Preises sein! Erste Erfahrungen forschender Pharma-Unternehmen mit der frühen Nutzenbewertung geben jedoch Anlass zur Sorge, ob diese Balance auch gelingt. Niemand will die Versorgungsqualität der Patienten in Deutschland verschlechtern. Damit die neue Kosten-Nutzen-Bewertung aber ohne Fehler entwickelt wird, ist eine politische Begleitung und Moderation dieses Prozesses notwendig. Wir sehen das klare Bemühen des G-BA, Struktur in die frühe Nutzenbewertung zu bekommen. Und das erkennen wir durchaus an. Denn auch für den G-BA ist die frühe Nutzenbewertung Neuland..."

Offene Fragen gebe es bei den Verhandlungen zur Rahmenvereinbarung über künftige Preisverhandlungen zwischen den Spitzenverbänden der Pharmaindustrie und dem GKV-Spitzenverband:
- Die Vergleichbarkeit von europäischen Ländern für die Angabe der Abgabepreise,
- die Jahrestherapiekosten vergleichbarer Arzneimittel,
- die Preisänderungen bei Mengenabweichungen

Fischer sendet deutliche Signale: "Die forschenden Pharma-Unternehmen sind nach wie vor bereit, den Weg, den das AMNOG gewiesen hat, mitzugehen und mitzugestalten. Allerdings müssen wir aufpassen, dass in der Umsetzung und Konkretisierung des gesetzlichen Rahmens nicht ein System entsteht, das der Verfügbarkeit von Innovationen in Deutschland im Weg steht."

08.09.11
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