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19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
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Gesundheitswesen
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IGES-Studie: "Pro nachhaltigem Wettbewerb"

Laut der IGES-Studie "Generika in Deutschland: Wettbewerb fördern – Wirtschaftlichkeit stärken" geht den Kassen einiges an Einsparungen durch die Lappen. So hätte die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV) bei funktionierendem Wettbewerb allein bei 10 der untersuchten Wirkstoffe innerhalb von 24 Monaten Einsparungen von bis zu 655 Mio. Euro realisieren können. Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer will handeln und die "Weichen pro nachhaltigem Wettbewerb stellen."


Hintergrund ist die Sektorenuntersuchung der EU-Kommission im Jahr 2009: In dieser sind Ziele und Voraussetzungen des Wettbewerbs zwischen den Original- und Generika-Anbietern analysiert worden. Ziel ist es natürlich, Arzneimittelkosten durch Generikawettbewerb zu dämpfen. Dieses Ziel könne nach Ansicht der EU-Kommission nur erreicht werden, wenn es u.a. keine unnötigen Verzögerungen des Markteintritts und der Verbreitung von Generika gibt. Und in der Studie werde klar, dass das alles noch nicht wirklich reibungslos funktioniert. IGES-Geschäftsführer Dr. Martin Albrecht nennt Gründe für die Situation in Deutschland: Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen und Erstanbietern auch Patentstreitigkeiten, fachliche Kontroversen über die vermeintliche Gleichwertigkeit von Generika bzw. Biosimilars oder Produktanpassungen der Erstanbieter kurz vor Patentablauf sowie Zulassungserweiterungen, mit denen Erstanbieter ihre Marktexklusivität zeitlich ausweiten.

Speziell die Rabattverträge mit Erstanbietern über den Patentablauf hinaus verringerten die Wettbewerbsintensität. "Es besteht das Risiko, dass anfängliche Einsparungen durch Rabattverträge mit Originalherstellern im Zeitverlauf zu Verlusten werden, vor allem wenn diese Verträge längerfristig Markteintritte von Generikaanbietern verhindern und den Preiswettbewerb schwächen", konstatiert Albrecht.

Für Wolfgang Späth, den Vorstandsvorsitzenden von Pro Generika, belegt die Studie, dass der Generikawettbewerb in Deutschland durch äußere Einflüsse nicht in allen Wirkstoffmärkten so funktioniert, wie er könnte und sollte. Für ihn ist es "Unsinn", dass Rabattverträge für Wettbewerb sorgen würden und er sieht Diskussionsbedarf: "Wir wollen aber nicht nur Meinungen und Standpunkte austauschen, sondern mit den Akteuren des Gesundheitssystems eine ‚evidenzbasierte Diskussion’ führen..."

Auch für Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer ist klar, dass nun konkrete Maßnahmen für mehr Wettbewerb umgesetzt werden müssen: "... dass alle Krankenkassenmärkte für alle Generikaanbieter offen sein müssen. Denn nur dann kann der Preiswettbewerb in Fahrt kommen. Rabattverträge von Anbietern patentgeschützter Arzneimittel dürfen entsprechend nur bis zum Ablauf des Patents gelten. Anschließend müssen sie unwirksam sein."

Aber Pro Generika will noch mehr: Um nach Patentablauf faire und gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter zu garantieren und den Wettbewerb auch nachhaltig zu gestalten, fordert der Verband zusätzlich eine zweijährige vertragsfreie Wettbewerbsphase. Denn sowohl die Untersuchungen des IGES wie auch die jüngste Studie der EU-Kommission zu den Arzneimittelmärkten in Europa zeigen, dass es bis zu zwei Jahre braucht, bis sich der Generikawettbewerb voll entfaltet bzw. eine sehr hohe Marktdurchdringung mit Generika entwickelt hat.

Zur Studie:
In der Studie werden drei Gruppen von Generika untersucht: Gruppe 1 mit funktionierendem Generikawettbewerb (Referenzgruppe), Wirkstoffe: Tamsulosin, Alfuzosin, Pantoprazol, Azithromycin, Nebivolol, Venlafaxin. Gruppe 2 mit eingeschränktem Generikawettbewerb, Wirkstoffe: Risperidon, Fluvastatin, Oxycodon, Clopidogrel, Oxcarbazepin, Hydromorphon und  Gruppe 3 mit stark eingeschränktem  Generikawettbewerb, Wirkstoffe: Buprenorphin, Leuprorelin Octreotid, Escitalopram

Diese drei Gruppen werden miteinander verglichen und das Ergebnis lautet in der Studie: "Je schneller und je mehr Anbieter von Generika nach Ende des Patentschutzes in den Markt eintreten, desto intensiver ist der Wettbewerb in Form von geringeren Preisen und einer hohen Marktdurchdringung von Generika. Knapp 1/5 des Verbrauchs, aber 2/3 des Umsatzes der untersuchten Wirkstoffmärkte sind den Gruppen 2 und 3 zuzuordnen. Das heißt: Auf einem beachtlichen Teil der Wirkstoffmärkte, auf denen Wirkstoffe ihren Patentschutz verloren, erfuhren die Originalhersteller weniger Konkurrenz durch Generika als möglich gewesen wäre. Der Arzneimittelwettbewerb kam hier nicht im gesundheitspolitisch erwünschten Ausmaß zustande."

Die Zusammenfassung der Studie finden Sie hier
Die gesamte Studie hier

19.10.11
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