Laut der IGES-Studie "Generika in Deutschland: Wettbewerb fördern –
Wirtschaftlichkeit stärken" geht den Kassen einiges an Einsparungen
durch die Lappen. So hätte die Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)
bei funktionierendem Wettbewerb allein bei 10 der untersuchten
Wirkstoffe innerhalb von 24 Monaten Einsparungen von bis zu 655 Mio.
Euro realisieren können. Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer
will handeln und die "Weichen pro nachhaltigem Wettbewerb stellen."
Hintergrund ist die Sektorenuntersuchung der EU-Kommission im Jahr
2009: In dieser sind Ziele und Voraussetzungen des Wettbewerbs zwischen
den Original- und Generika-Anbietern analysiert worden. Ziel ist es
natürlich, Arzneimittelkosten durch Generikawettbewerb zu dämpfen.
Dieses Ziel könne nach Ansicht der EU-Kommission nur erreicht werden,
wenn es u.a. keine unnötigen Verzögerungen des Markteintritts und der
Verbreitung von Generika gibt. Und in der Studie werde klar, dass das
alles noch nicht wirklich reibungslos funktioniert.
IGES-Geschäftsführer Dr. Martin Albrecht nennt Gründe für die Situation
in Deutschland: Rabattvereinbarungen zwischen Krankenkassen und
Erstanbietern auch Patentstreitigkeiten, fachliche Kontroversen über
die vermeintliche Gleichwertigkeit von Generika bzw. Biosimilars oder
Produktanpassungen der Erstanbieter kurz vor Patentablauf sowie
Zulassungserweiterungen, mit denen Erstanbieter ihre Marktexklusivität
zeitlich ausweiten.
Speziell die Rabattverträge mit Erstanbietern über den Patentablauf
hinaus verringerten die Wettbewerbsintensität. "Es besteht das Risiko,
dass anfängliche Einsparungen durch Rabattverträge mit
Originalherstellern im Zeitverlauf zu Verlusten werden, vor allem wenn
diese Verträge längerfristig Markteintritte von Generikaanbietern
verhindern und den Preiswettbewerb schwächen", konstatiert Albrecht.
Für Wolfgang Späth, den Vorstandsvorsitzenden von Pro Generika, belegt
die Studie, dass der Generikawettbewerb in Deutschland durch äußere
Einflüsse nicht in allen Wirkstoffmärkten so funktioniert, wie er
könnte und sollte. Für ihn ist es "Unsinn", dass Rabattverträge für
Wettbewerb sorgen würden und er sieht Diskussionsbedarf: "Wir wollen
aber nicht nur Meinungen und Standpunkte austauschen, sondern mit den
Akteuren des Gesundheitssystems eine ‚evidenzbasierte Diskussion’
führen..."
Auch für Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer ist klar, dass
nun konkrete Maßnahmen für mehr Wettbewerb umgesetzt werden müssen:
"... dass alle Krankenkassenmärkte für alle Generikaanbieter offen sein
müssen. Denn nur dann kann der Preiswettbewerb in Fahrt kommen.
Rabattverträge von Anbietern patentgeschützter Arzneimittel dürfen
entsprechend nur bis zum Ablauf des Patents gelten. Anschließend müssen
sie unwirksam sein."
Aber Pro Generika will noch mehr: Um nach Patentablauf faire und
gleiche Wettbewerbsbedingungen für alle Anbieter zu garantieren und den
Wettbewerb auch nachhaltig zu gestalten, fordert der Verband zusätzlich
eine zweijährige vertragsfreie Wettbewerbsphase. Denn sowohl die
Untersuchungen des IGES wie auch die jüngste Studie der EU-Kommission
zu den Arzneimittelmärkten in Europa zeigen, dass es bis zu zwei Jahre
braucht, bis sich der Generikawettbewerb voll entfaltet bzw. eine sehr
hohe Marktdurchdringung mit Generika entwickelt hat.
Zur Studie:
In der Studie werden drei Gruppen von Generika untersucht: Gruppe 1 mit
funktionierendem Generikawettbewerb (Referenzgruppe), Wirkstoffe:
Tamsulosin, Alfuzosin,
Pantoprazol, Azithromycin, Nebivolol, Venlafaxin. Gruppe 2 mit
eingeschränktem Generikawettbewerb, Wirkstoffe: Risperidon,
Fluvastatin, Oxycodon, Clopidogrel, Oxcarbazepin, Hydromorphon
und Gruppe 3 mit stark eingeschränktem Generikawettbewerb,
Wirkstoffe: Buprenorphin, Leuprorelin Octreotid, Escitalopram
Diese drei Gruppen werden miteinander verglichen und das Ergebnis
lautet in der Studie: "Je schneller und je mehr Anbieter von Generika
nach Ende des Patentschutzes in den Markt eintreten, desto intensiver
ist der Wettbewerb in Form von geringeren Preisen und einer hohen
Marktdurchdringung von Generika. Knapp 1/5 des Verbrauchs, aber 2/3 des
Umsatzes der untersuchten Wirkstoffmärkte sind den Gruppen 2 und 3
zuzuordnen. Das heißt: Auf einem beachtlichen Teil der Wirkstoffmärkte,
auf denen Wirkstoffe ihren Patentschutz verloren, erfuhren die
Originalhersteller weniger Konkurrenz durch Generika als möglich
gewesen wäre. Der Arzneimittelwettbewerb kam hier nicht im
gesundheitspolitisch erwünschten Ausmaß zustande."
Die Zusammenfassung der Studie finden Sie hier
Die gesamte Studie hier
|
|
|
|
19.10.11
|
|