Die Premiere der Preisverhandlung zwischen Pharmahersteller und
GKV-Spitzenverband läuft: AstraZeneca möchte sich mit dem Verband über
seinen Thrombozyten- aggregationshemmer Ticagrelor (BriliqueTM) im Preis
einigen. Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender
Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, macht klar: "Faire
Preise heißt für uns, dass sich die Gewinne der Pharmaindustrie am
Zusatznutzen für die Patienten orientieren und nicht an den
Wunschvorstellungen der Aktionäre." Der Bundesverband der
Pharmazeutischen Industrie (BPI) sieht diese erste Verhandlung als "ein
Systemwechsel im deutschen Gesundheitswesen" an.
Das vorgelegte Dossier von AstraZeneca beim Gemeinsamen Bundesausschuss
(G-BA) wurde vom Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im
Gesundheitswesen (IQWiG) begutachtet. Das Institut sprach dem
Wirkstoff einen beträchtlichen Zusatznutzen aus - und zwar für
Patienten mit einem leichteren Herzinfarkt ohne typische
EKG-Veränderungen oder mit einer instabilen Angina pectoris. Allerdings
fiel der Zusatznutzen für schwerere Herzinfarkte weitaus geringer aus,
so das Urteil des IQWiG.
Das Unternehmen konnte im ersten Jahr nach der Markteinführung den
Preis noch eigenmächtig bestimmen. Laut PZ online lagen die
Jahrestherapiekosten bei ca. 1000 Euro. Die Standardmedikation
(Clopidogrel) kommt auf ca. 150 Euro im Jahr. Für AstraZeneca
verhandelt Dr. Claus Runge (Foto), Vice President Corporate Affairs,
und er betonte gegenüber der Frankfurter Rundschau, sein Unternehmen
möchte einen "fairen Preis" ansetzen, der "... adäquat den Zusatznutzen
des Präparats wiederspiegelt, der beträchtlich ist für die überwiegende
Mehrheit der Patienten mit akutem Koronarsyndrom gegenüber den jetzigen
Standardtherapien. Wir sind guter Dinge."
Damit scheint er ja auf einer Wellenlänge mit von Stackelberg zu sein,
der nur für Mittel, "...die wirklich mehr bringen, auch mehr
bezahlen will." Der BPI bleibt skeptisch, da der GKV-Spitzenverband die
Rolle als Monopolist inne und dadurch eine "extreme Marktmacht"
hat. Henning Fahrenkamp, BPI-Hauptgeschäftsführer, beobachtet die
Verhandlung mit Argusaugen: "Bei dieser Machtfülle braucht es
Verantwortung und Augenmaß beim GKV-Spitzenverband. Sicherlich ist die
Versuchung groß, die eigene Position zum Spardiktat zu verwenden. Doch
muss er dieser Versuchung widerstehen, denn eines muss auch ihm klar
sein, die Patienten, seine Versicherten, brauchen Innovationen.
Wir als BPI werden genau beobachten, wie sich die Dinge entwickeln."
Das Interview mit Claus Runge finden Sie hier.
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Foto: AstraZeneca
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24.01.12
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