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Vom „neuen Medium“ zur Selbstverständlichkeit – Internet für den Arzt

von Kurt Wiedenhoff, Geschäftsführer der KWHC GmbH


Kaum ein Medium hat so einen schnellen Siegeszug in den Alltag des Arztes wie das Internet geschafft. Immerhin gehen 86% der Ärzte mindestens einmal wöchentlich online. Und über 50% gehen nicht nur zu Hause, sondern auch in der Praxis online.

Dabei wächst die Zahl der „Vielfach-Nutzer“ kräftig an: Noch vor acht Jahren (2003) nutzten ganze 22% der Ärzte das Internet mindestens 1 x täglich. Im Jahr 2011 geben auf Befragen der LA-MED hingegen bereits 56,1% der Ärzte an, entsprechend häufig im Internet unterwegs zu sein. Und das „fast“ ohne Marketing. Ach würden doch die Erkenntnisse über neue Leitlinien bei Ärzten auch so rasch verbreitet und genutzt.

Wer täglich online geht – in der Praxis und auch zu Hause –, für den ist das Medium wirklich schon zur Selbstverständlichkeit geworden. Erstaunlich ist dabei jedoch, dass diese Selbstverständlichkeit eher auf die Nutzer zu beziehen ist. Im Pharma-Marketing ist dies doch eher noch ein „Neues Medium“. (Erst kürzlich stand auf einer neugedruckten Visitenkarte zu lesen: „Manager New Media & eStrategy“).

Ach ja – es soll Unternehmen geben, in denen für E-Marketing 5% des Budgets reserviert ist. 5%, um die 50% Ärzte zu erreichen, die immerhin täglich im Netz unterwegs sind. Dabei werden die Online-Angebote von Pharmaunternehmen  zunehmend häufig genutzt: Immerhin besuchen jetzt über 71% der Online-Ärzte auch die Webseiten der pharmazeutischen Industrie. Und die Zahl der Ärzte, die die Angebote der Verlage nutzen, steigt rasant auf über 80%.

Während in Pharmaunternehmen sich scheinbar eine gewisse „CME-Unlust“ breitmacht, nutzen die Ärzte das Internet immer häufiger zu Fortbildungszwecken. Fast 73% der Befragten nutzen Online-CME-Fortbildungen – fast 8% mehr als noch 2009 und eine Verdoppelung gegenüber 2003.

Dies zeigt auch das Angebot, das die Ärzte an ihre Patienten richten – immerhin 30% berichten, inzwischen eine eigene Homepage zu haben. Allerdings bedeutet „Homepage haben“ noch lange nicht, dass diese auch wirklich für die Kommunikation mit den Patienten genutzt wird. So manche Praxis-Homepage verdiente eigentlich einen Preis für Denkmal-Schutz – weil sie unverändert seit Jahren im Netz steht.

Doch keine Schadenfreude, liebe Marketeers – es gibt viele Angebote der Industrie, die noch viel älter und „ungepflegter“ sind als die Praxis-Homepages. Es empfiehlt sich mal einen Blick auf die Seiten im eigenen Unternehmen zu werfen. Es gilt daher der Appell an die Verantwortlichen im Pharma-Marketing: Für den Arzt ist die Internetnutzung nichts „Neues“ mehr – sie ist selbstverständlich geworden. Nun ist es an der Zeit für die Industrie, auch die entsprechenden Angebote zu unterbreiten – ganz selbstverständlich! E-Marketing gehört nicht mehr in die „Spiel-Ecke“, sondern im angemessenen Umfang in das ganz alltägliche Marketing. Solange E-Detailings noch bestaunte Sonderprojekte und keine völlig alltäglichen Marketingbausteine sind, eilen die Ärzte der Industrie voraus. Es wird Zeit, sie wieder einzuholen.

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