Immer mehr Arzneimittelhersteller investieren immer mehr Geld in die
Entwicklung elektronischer Informationsportale und von Apps
(Anwendungen) für mobile Endgeräte.
Einer Branchenerhebung der US-Beratungsgesellschaft Ernst & Young
zufolge verbindet die Pharmabranche mit Tipps zur Krankheitsvorbeugung
und gesunden Ernährung insbesondere Marketingeffekte. Im vergangenen
Jahr haben Pharmakonzerne 97 Projekte gestartet und diese für eigene PR
genutzt. Gegenüber 2009 bedeutet das einen Anstieg um 78%. Zwischen
2006 und 2010 wurden insgesamt 220 Initiativen gestartet.
Zwar sind Informationswebseiten zur gesunden Lebensführung nicht neu.
Beim weltweiten Trend zur mobilen Kommunikation hatte die Branche
bislang hingegen noch Nachholbedarf, urteilen die Berater. Doch die
Zeiten haben sich geändert. Denn rund 41% der Projekte waren
Smartphone-Lösungen. Verglichen mit dem Wert des Jahres 2006 ist dies
ein Anstieg um 11%.
Auch wenn der aktuelle Marktbericht von Ernst & Young nicht darauf
eingeht, wie viel Geld die Unternehmen für Apps und Co. bislang
ausgegeben haben und noch ausgeben wollen, sind sich Fachleute in
Hinblick auf die zunehmende Bedeutung des Segments einig. „Der nächste
Wandel im Gesundheitsbereich ist ein Verhaltenswandel, in dem Medizin
zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle spielen wird“,
erläutert Ernst-&-Young-Expertin Carolyn Bruck.
Die US-Amerikaner haben für diese Entwicklung eine griffige Bezeichnung
gefunden: Pharma 3.0. Damit beschreiben sie aber nicht nur eine
technische Plattform zur Kommunikation, sondern auch den ökonomischen
Stand (das Businessmodell) der gesamten Industrie. Pharma 1.0 steht
deshalb für das Blockbuster-Konzept und Pharma 2.0 für die derzeitige
Situation: strategische Therapiebereiche mit zielgerichteten
Medikamenten, Reduzierung der Kosten, Steigerung der Effizienz,
Erschließung der emerging markets. Pharma 3.0 bedeutet dagegen, die
Gesundheit insgesamt zu managen und die Ergebnisse von Therapien zu
verbessern. Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen nun der Patient und
diejenigen, die die medizinische Versorgung finanzieren und bezahlen.
Dabei spielt auch die Technik eine große Rolle, denn sie soll
Healthcare nachhaltiger, bezahlbarer und für alle zugänglich machen.
Neue technische Lösungen – wie sie Apps beispielsweise sind – sollen
aber auch dazu beitragen, Behandlungsergebnisse durch
Verhaltensänderungen zu steigern.
Die Marktforscher gehen deshalb davon aus, dass Informationen zum Thema
Gesundheit und dazu, wie Medikamente wirken, in der digitalen Welt
einen wachsenden Stellenwert einnehmen werden. Die Patienten und ihre
Bedürfnisse werden noch stärker
im Zentrum stehen. Mit speziellen Apps könnten sich Betroffene zum
Beispiel über medizinische Versuchsreihen bei Krebs- oder
Blutzuckerforschung an Krankenhäusern in ihrer Umgebung informieren.
Das tägliche Eintragen von Blutzuckerwerten in Apps erspart den
Unternehmen zudem Forschungskosten.
Der Druck, sich Pharma 3.0 zu stellen, wird sich nach Ansicht von Ernst
& Young erhöhen. Arzneimittelhersteller müssen demnach nicht nur
stärker nachweisen, dass die teilweise hohen Medikamentenpreise ihr
Geld wert sind und Patienten helfen. Sie müssen auch zunehmend mehr
Geld in die Vermarktung und Weiterentwicklung stecken, um langfristig
auf sich aufmerksam zu machen.
Die deutschen Handy-Nutzer haben im Jahr 2010 rund 900 Mio. Apps auf
ihre Mobiltelefone geladen. Damit habe sich die Zahl der App-Downloads
im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (plus 112%), rechnet der
Verband Bitkom auf Grundlage von Daten des Marktforschungsinstitutes
research2guidance aus. Weltweit sollen rund 520.000 Apps existieren. Im
Jahr 2010 waren fast 90% aller in Deutschland heruntergeladenen Apps
kostenlos. Mit den 110 Mio. kostenpflichtigen Anwendungen wurde im Jahr
2010 ein Umsatz in Höhe von 357 Mio. Euro erzielt. Das entspricht einem
Plus von 88% im Vergleich zum Vorjahr. Der Durchschnittspreis der
Bezahl-Apps lag bei 3,25 Euro.
Treiber der App-Downloads ist die steigende Verbreitung von Smartphones
und Tablet PCs. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 7,4 Mio.
Smartphones verkauft (plus 38%). Im Jahr 2011 rechnet Bitkom mit einem
Absatzplus von 36% auf 10,1 Mio. Stück. Ein Drittel aller neu
verkauften Handys sind mittlerweile Smartphones.
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Global Pharmaceutical Industry Report 2011, Progressions, Building Pharma 3.0, Ernst & Young
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PM-Report 7/11
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