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19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
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Pharmabranche entdeckt zunehmend die App-Nutzer

Immer mehr Arzneimittelhersteller investieren immer mehr Geld in die Entwicklung elektronischer Informationsportale und von Apps (Anwendungen) für mobile Endgeräte.


Einer Branchenerhebung der US-Beratungsgesellschaft Ernst & Young zufolge verbindet die Pharmabranche mit Tipps zur Krankheitsvorbeugung und gesunden Ernährung insbesondere Marketingeffekte. Im vergangenen Jahr haben Pharmakonzerne 97 Projekte gestartet und diese für eigene PR genutzt. Gegenüber 2009 bedeutet das einen Anstieg um 78%. Zwischen 2006 und 2010 wurden insgesamt 220 Initiativen gestartet.

Zwar sind Informationswebseiten zur gesunden Lebensführung nicht neu. Beim weltweiten Trend zur mobilen Kommunikation hatte die Branche bislang hingegen noch Nachholbedarf, urteilen die Berater. Doch die Zeiten haben sich geändert. Denn rund 41% der Projekte waren Smartphone-Lösungen. Verglichen mit dem Wert des Jahres 2006 ist dies ein Anstieg um 11%.

Auch wenn der aktuelle Marktbericht von Ernst & Young nicht darauf eingeht, wie viel Geld die Unternehmen für Apps und Co. bislang ausgegeben haben und noch ausgeben wollen, sind sich Fachleute in Hinblick auf die zunehmende Bedeutung des Segments einig. „Der nächste Wandel im Gesundheitsbereich ist ein Verhaltenswandel, in dem Medizin zwar eine wichtige, aber nicht die einzige Rolle spielen wird“, erläutert Ernst-&-Young-Expertin Carolyn Bruck.

Die US-Amerikaner haben für diese Entwicklung eine griffige Bezeichnung gefunden: Pharma 3.0. Damit beschreiben sie aber nicht nur eine technische Plattform zur Kommunikation, sondern auch den ökonomischen Stand (das Businessmodell) der gesamten Industrie. Pharma 1.0 steht deshalb für das Blockbuster-Konzept und Pharma 2.0 für die derzeitige Situation: strategische Therapiebereiche mit zielgerichteten Medikamenten, Reduzierung der Kosten, Steigerung der Effizienz, Erschließung der emerging markets. Pharma 3.0 bedeutet dagegen, die Gesundheit insgesamt zu managen und die Ergebnisse von Therapien zu verbessern. Im Mittelpunkt der Bemühungen stehen nun der Patient und diejenigen, die die medizinische Versorgung finanzieren und bezahlen.

Dabei spielt auch die Technik eine große Rolle, denn sie soll Healthcare nachhaltiger, bezahlbarer und für alle zugänglich machen. Neue technische Lösungen – wie sie Apps beispielsweise sind – sollen aber auch dazu beitragen, Behandlungsergebnisse durch Verhaltensänderungen zu steigern.

Die Marktforscher gehen deshalb davon aus, dass Informationen zum Thema Gesundheit und dazu, wie Medikamente wirken, in der digitalen Welt einen wachsenden Stellenwert einnehmen werden. Die Patienten und ihre Bedürfnisse werden noch stärker
im Zentrum stehen. Mit speziellen Apps könnten sich Betroffene zum Beispiel über medizinische Versuchsreihen bei Krebs- oder Blutzuckerforschung an Krankenhäusern in ihrer Umgebung informieren. Das tägliche Eintragen von Blutzuckerwerten in Apps erspart den Unternehmen zudem Forschungskosten.
Der Druck, sich Pharma 3.0 zu stellen, wird sich nach Ansicht von Ernst & Young erhöhen. Arzneimittelhersteller müssen demnach nicht nur stärker nachweisen, dass die teilweise hohen Medikamentenpreise ihr Geld wert sind und Patienten helfen. Sie müssen auch zunehmend mehr Geld in die Vermarktung und Weiterentwicklung stecken, um langfristig auf sich aufmerksam zu machen.

Die deutschen Handy-Nutzer haben im Jahr 2010 rund 900 Mio. Apps auf ihre Mobiltelefone geladen. Damit habe sich die Zahl der App-Downloads im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt (plus 112%), rechnet der Verband Bitkom auf Grundlage von Daten des Marktforschungsinstitutes research2guidance aus. Weltweit sollen rund 520.000 Apps existieren. Im Jahr 2010 waren fast 90% aller in Deutschland heruntergeladenen Apps kostenlos. Mit den 110 Mio. kostenpflichtigen Anwendungen wurde im Jahr 2010 ein Umsatz in Höhe von 357 Mio. Euro erzielt. Das entspricht einem Plus von 88% im Vergleich zum Vorjahr. Der Durchschnittspreis der Bezahl-Apps lag bei 3,25 Euro.

Treiber der App-Downloads ist die steigende Verbreitung von Smartphones und Tablet PCs. Im Jahr 2010 wurden in Deutschland rund 7,4 Mio. Smartphones verkauft (plus 38%). Im Jahr 2011 rechnet Bitkom mit einem Absatzplus von 36% auf 10,1 Mio. Stück. Ein Drittel aller neu verkauften Handys sind mittlerweile Smartphones.

Global Pharmaceutical Industry Report 2011, Progressions, Building Pharma 3.0, Ernst & Young
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