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19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
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Verflixtes Facebook & Co.

Social Media ist auf jeden Fall ein Schlagwort, das auch Pharmaunternehmen beschäftigt. Ob es aber zu einem Reizwort werden kann. hängt ganz davon ab, welches Unternehmen sich in den sozialen Netzwerken tummelt.


Für Pharmaunternehmen funktionieren die Möglichkeiten bei Facebook, Twitter & Co. und ihre OTC-Präparaten eigentlich problemlos. Bei verschreibungspflichtigen Medikamenten sieht die (Online-)Welt wieder anders aus, da für diese Präparate Werbeverbot gilt. Aktuelles Beispiel ist Bayer Healthcare: Auf ihrem BayerUKIreland-Twitter-Account wurden Pressemeldungen über zwei verschreibungspflichtige Produkte mit Wirkungsindikationen an ihre Follower veröffentlicht. Die britische „Prescription Medicines Code of Practice Authority“ (PMCPA) schritt sofort ein. Denn unter den 500 Bayer-Followern gebe es eindeutig auch „normale“ User und keinesfalls nur Ärzte. Und das sei unzulässige Werbung für die beiden verschreibungspflichtigen Präparate, kritisierte die PMCPA.

Ärger gibt es für die Unternehmen, seit Facebook Mitte August wieder einmal die Nutzerregeln geändert hat. Pharmafirmen, die auf Facebook eine „Fanseite“ betreiben, müssen nun Kommentare zulassen. Davor gab es die Ausnahme: Die Funktion der Kommentierung von Beiträgen, Fotos und Videos konnte deaktiviert werden. Doch beim Netzwerkgiganten ist man nun der Meinung, dass eine Seite ohne Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren oder Kommentare zu hinterlassen, nur Werbung ist. Und das sei eben nicht sozial genug für ein soziales Netzwerk.

Dies könnte eine Herausforderung für die Hersteller werden. Pfizer weist auf der eigenen Facebook-Seite hin: „Unfortunately, sometimes we have to pull a comment from our wall.“ Und begründet das u. a. damit: „Your comment is Off-Topic. This can be a tricky one: we’re not looking to censor you, but sometimes comments are spam, are clearly off topic, make unsupported accusations or promote services or products. If you feel we’ve been unfair in removing your comment, please reach out to us and we can discuss it.“ Ob der Selbstschutz von Pfizer funktioniert, um sich den Vorwurf der Zensur zu ersparen, wird sich zeigen.

Laut Welt online findet nun der große Rückzug der Firmen statt. So schreibt die Zeitung: „Mehr als 30 Unternehmen löschten ihre Facebook-Auftritte ganz, darunter Sanofi, Johnson & Johnson, AstraZeneca und Merck & Co. Sie fürchten nicht nur Kommentare enttäuschter Patienten, sondern öffentliche Beschreibungen von Medikamentennebenwirkungen – die nämlich müssten die Firmen prompt an die Zulassungsbehörden weiterreichen.“

Der PM-Report hat bei den Unternehmen nachgefragt, ob sie nun tatsächlich ihre Social-Media-Strategien überdenken. Doch nur wenige Firmen wollen sich anscheinend in die Karten schauen lassen. Die Änderungen werden ab sofort berücksichtigt, betont Pfizer-Unternehmenssprecher Martin Fensch. Dagegen ist Merck in Deutschland bislang noch gar nicht auf Facebook vertreten, das „ist in Planung, der Umfang steht aber noch nicht fest“, meint Steffen Müller, Head of External Communications. Und für die von der Johnson & Johnson GmbH in Deutschland betriebenen Facebook-Seiten ergeben sich aufgrund der neuen Richtlinien keine Änderungen. Kommentare wurden und werden weiterhin zugelassen. Die Kommentare werden aufgrund interner Richtlinien regelmäßig z. B. nach Meldungen zu unerwünschten Nebenwirkungen geprüft.

Die update software AG sieht sich da bestens gerüstet mit ihrem Social-CRM-Tool COSMIC – das steht für „Comprehensive Observation of Social Media integrated with CRM“. Es integriert die Diskussionen aus Social-Media-Plattformen oder aus relevanten Blogs in die klassischen Kontaktvorgänge eines Unternehmens, etwa via Brief, E-Mail oder Telefon. Durch eine seit Herbst ausgeweitete Social-Media-Compliance-Funktion können Pharmaunternehmen in einem Wörterbuch Wörter mit Bedeutungen und Definitionen – z. B. hinsichtlich verschreibungspflichtiger Produkte, Nebenwirkungen und Indikationen – hinterlegen. Diese hinterlegten Begriffe können in den Social Media durch die eigenen Mitarbeiter automatisiert blockiert werden. Auf diese Weise sollen Pharmahersteller eine Art Firewall für ausgehende Nachrichten schaffen und dafür sorgen, dass in ihren Tweets und Postings die Compliance-Richtlinien eingehalten werden können.

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