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19. Mai 2012   Sie sind nicht eingeloggt    
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Am häufigsten besucht: Das virtuelle Wartezimmer

Das Internet ist Deutschlands wichtigster Informationskanal für Gesundheitsthemen. 78,8% nutzen es, um regelmäßig oder gelegentlich etwas über Gesundheit zu erfahren.


Danach folgen als Quellen Printmedien (62%), Fernsehen (61,4%), Arzt (58,6%), Freunde/Verwandte (57,6%), Apotheker (47,4%) und Radio (41,2%). Mobile Applikationen (Apps) erreichen immerhin schon 8,9%. Das ergibt die MS&L Gesundheitsstudie 2010, die das PR-Network zusammen mit dem Marktforschungsinstitut Skopos durchgeführt hat.

Als häufigsten Anlass, das Internet aufzusuchen, wird das Sammeln von Informationen zu Krankheiten (93,1%) oder Medikamenten (86,4%) genannt. Dabei genießen Beratungsangebote von Ärzten (58%) und Kassen sowie Gesundheitsportalen (je 56,8%) den größten Vertrauensbonus. Pharmaunternehmen (26,7%) trauen dagegen die wenigsten. Etwas erstaunlich: Im virtuellen Wartezimmer wird weniger der Austausch mit anderen (32%) oder eine aktive Teilnahme (20%) bis hin zum Verfassen eigener Beiträge (19%) angestrebt. Viel mehr werden vor allem Informationen (67%) gesucht. Und diese Informationen sorgen vor allem dafür, dass sich 46,6% auch besser informiert fühlen und diese besser bewerten (32,3%) können. 24,6% haben neue Therapien und 22,5% neue Medikamente kennen gelernt.

Die Informationen wirken sich aber auch auf das Gesundheitsverhalten aus: So ernähren sich 22,6% bewusster, gehen mehr zu Vorsorgeuntersuchungen (20,4%) oder treiben mehr Sport (14,8%). 17,9% sind allerdings kritischer gegenüber Ärzten geworden.

In der Studie wurden 1000 Internetnutzer befragt. Daraus wurde eine Typologie des Informationsverhaltens entwickelt. Sie umfasst sechs Typen: „Netzwerker/-in“ (26%), „Smarte“ (17%), „Forscher“ (16%), „Beobachter“ (15%), „Zaungast“ (13%) und „Traditionalist“ (13%). Die beiden ersten Typen – insgesamt 43% der Bevölkerung – einigen ein paar Dinge: Sie sind überwiegend weiblich und jung (zwischen 18 und 39 Jahre). Sie sind gegenüber Web-2.0-Anwendungen zwar aufgeschlossen, bleiben aber kritisch.

Ein Problem in der weiteren Entwicklung: Das Heilmittelwerbegesetz, das aus einer Zeit vor dem Internet stammt. „Patienten können sich weltweit informieren, aber Unternehmen können dem Diskussions- und Informationsbedarf oft nicht gerecht werden“, analysiert Wigan Salazar, CEO der MS&L Group Germany. Die Politik sei gefordert, den rechtlichen Rahmen an die digitale Welt anzupassen.

Aber auch die Pharmaunternehmen müssten sich anpassen. Gerade weil sich die virtuelle Welt so rasant entwickele, könnten sich Gesundheitskommunikatoren heute nicht mehr nur auf Fachzielgruppen (zum Beispiel: Ärzte und Apotheker) sowie auf Fach- und Publikumsmedien konzentrieren. Täglich tauchten neue Akteure auf dem Meinungsmarkt auf – zum Beispiel professionelle Blogger, Patienteninitiativen oder Einzelpersonen. Unternehmen müssten darauf vorbereitet sein, dass ihre Dienstleistungen oder Produkte in Bewertungsportalen und Blogs gelobt oder kritisiert werden, dass sich Gerüchte in Foren verselbständigen, dass Halbwissen oder Fehlinformationen von selbsternannten Experten weltweit verbreitet werden. Dem stehe die Chance zum offenen Meinungsaustausch gegenüber.

Die Studie gibt folgende Ausblicke und Tipps: Mittelfristig wird Social Media im Zentrum der Gesundheitskommunikation stehen. Dabei wird der Austausch und Dialog immer einflussreicher. Auf diese Veränderung muss sich die Kommunikation in der Gesundheitsbranche einstellen. Sie wird in Zukunft schneller, komplexer und in der Verbraucherkommunikation inhaltlich anspruchsvoller werden. Im Zentrum aller Kommunikation müssen dabei Glaubwürdigkeit und Transparenz stehen. Gleichzeitig werden die Zielgruppen differenzierter. Dadurch eröffnet sich die Chance auf hochwertige Kontakte, denen die Experten in der Gesundheitskommunikation mit hochwertigen, auf die Zielgruppe zugeschnittenen Inhalten begegnen müssen. Dieser Aufgabe ist nur gewachsen, wer Erfahrung in der klassischen Gesundheitskommunikation und Kenntnis von den gesetzlichen Rahmenbedingungen des Heilmittelwerbegesetzes hat und im Social Web mit den technischen Rahmenbedingungen und Möglichkeiten vertraut ist. Jedes kommunikative Problem hat eine Social-Media-Lösung. Entscheidend dabei ist die umfassende Kenntnis der Zielgruppen und eine maßgeschneiderte Strategie.

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