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Das „europäische“ Gesundheitsbewusstsein
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Das Gesundheitsbewusstsein der Bürger in Europa ist im Hinblick auf
Ernährung, Sport und Medikamentenkonsum sehr unterschiedlich.
Laut einer Studie von TNS Infratest in sieben europäischen Ländern
haben Italiener und Niederländer die gesündeste Lebensweise, gefolgt
von den Franzosen. Dagegen ist der Gesundheitszustand der Deutschen und
der Briten am schlechtesten. In allen Nationen sind Menschen mit
gesunder Lebensweise in der Regel jünger als Menschen mit ungesunder
Lebensweise. Allerdings sind Personen ab 55 Jahren in dem Segment, das
ungesund lebt, unterrepräsentiert. Eine weniger gesunde Lebensweise
findet sich darüber hinaus bei Personen aus Single-Haushalten sowie bei
Menschen im unteren Einkommenssegment.
Die Studie untersuchte unter anderem den Umfang, in dem sich die
Befragten über ihre Gesundheit und ihre gesunde oder ungesunde
Lebensweise bewusst sind. Erfragt wurde die eigene Einschätzung, wie
förderlich die persönliche Ernährung für die Gesundheit ist, die
Häufigkeit des Verzehrs von Obst und Gemüse, Bewegungsprofile sowie die
Intensität des Rauchens und Alkoholkonsums.
Der sich daraus ergebende Gesundheitsscore deutet bei niedriger
Punktzahl eher auf eine gesunde Lebensweise und bei hoher Punktzahl auf
eine eher ungesunde Lebensweise. Personen mit gesunder Lebensweise
bewegen sich demnach durchschnittlich 7,79 Stunden in der Woche,
während eine eher ungesunde Lebensweise mit nur 1,54 Stunden Bewegung
wöchentlich zu Buche schlägt. Mindestens einmal pro Woche essen 40% der
Befragten mit einer gesunden Lebensweise Bioprodukte und 20% der
Befragten mit einer eher ungesunden Lebensweise. Durchschnittlich
führen 57% der sieben beteiligten Länder eine eher ungesunde
Lebensweise gegenüber 43% mit einer eher gesunden Lebensweise.
Laut Studie leiden Männer häufiger an Übergewicht als Frauen und haben
mit zunehmendem Alter mit einer höheren Gewichtszunahme zu kämpfen.
Italiener sind am häufigsten der Überzeugung, dass ihre derzeitige
Ernährung ihrer Gesundheit förderlich ist, während Russen, Deutsche und
Briten meinen, ihre Ernährung sei nicht besonders förderlich für die
eigene Gesundheit. 72% glauben, auf Gewicht bzw. Ernährung achten zu
müssen. Mehr als die Hälfte der Europäer (67%), insbesondere die
Deutschen (73%), versuchen derzeit abzunehmen. Um diese Gewichtsabnahme
zu erreichen, werden von Spaniern, Franzosen und Italienern am
häufigsten Medikamente zur Gewichtsreduktion verwendet. In Deutschland
achten 28% auf eine kalorienarme Ernährung.
Bei der Betrachtung der zu sich genommenen Nahrungsmittel zeigen die
Ergebnisse, dass Personen mit Normal- oder Untergewicht täglich
deutlich mehr Gemüse, vegetarische und selbstgekochte Mahlzeiten essen.
Personen mit Adipositas dagegen verzehren mehr Fleisch. Eher ungesunde
Gewohnheiten wie das Rauchen sind unter den Befragten mit Normal- oder
Untergewicht besonders weit verbreitet, während der Alkoholkonsum
sowohl in der oberen als auch in der unteren
Body-Mass-Index(BMI)-Kategorie eher gering ist. Gefragt nach der
Kenntnis von Inhaltsstoffen und dem Wissen über Gesundheit und
Ernährung glauben die Niederländer (90%) am besten informiert zu sein.
In Deutschland halten sich 79% für gut informiert. In allen Ländern
gehören Inhaltsstoffe wie Vitamine, Glukose und Omega-3 zu den relativ
gut bekannten. Gehärtete Fette, Polyphenole und Stevia belegen im
Hinblick auf die Kenntnis dagegen eher die hinteren Ränge.
Im Durchschnitt hat ein Drittel der Europäer im der Studie
vorangegangenen Monat einen Arzt aufgesucht, in Deutschland sind es
sogar 45%. 35% der deutschen Befragten haben innerhalb der vorigen
sechs Monate einen Arzt aufgesucht. In Deutschland ist die Zahl der
Arztbesuche am höchsten.
Die Frage nach der dauerhaften Einnahme von Medikamenten über einen
längeren Zeitraum wurde von 45% der Befragungsteilnehmer in Deutschland
bejaht. Die am häufigsten in den sieben Ländern verwendeten
rezeptfreien Medikamente sind Schmerzmittel sowie Erkältungs- oder
Grippemittel. In Deutschland stehen mit 44% die Schmerzmittel vor den
Erkältungs- oder Grippemitteln mit 31% und den Vitaminen mit 25%. Das
Vertrauen in die Alternativmedizin ist in Großbritannien (30%) am
geringsten, während die Hälfte der Franzosen uneingeschränktes
Vertrauen in die Alternativmedizin hat. In Deutschland haben 52%
Vertrauen in die Alternativmedizin. 48% haben dagegen keines oder nur
geringes Vertrauen. Mit einer durchschnittlichen Nutzung der
Alternativmedizin von 47% ist die Verbreitung in Frankreich ebenfalls
relativ groß. In Spanien ist die Nutzung mit 33% im Ländervergleich am
geringsten.
Meinungen
• Die Mehrheit der Europäer glaubt, dass eine gesunde Ernährung das
Krebsrisiko senken kann. Deutsche und Niederländer haben eine leicht
abweichende Meinung: „Wenn man sich ausgewogen ernährt, braucht man
weniger Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpillen oder
Eisentabletten“, so drei Viertel der Befragten.
• Vor allem die Franzosen glauben, dass in den Medien viel zu viel über
Gesundheitsthemen berichtet wird: Die Hälfte von ihnen ist der Meinung,
dass ungesunde Lebensmittel mit einer Zusatzsteuer belegt werden
sollten. Unter Deutschen und Niederländern ist die Zustimmung zu der
Aussage, dass ungesunde Lebensmittel mit einer Zusatzsteuer belegt
werden sollten, am geringsten.
• Auf den Verpackungen von Lebensmitteln/Getränken aufgedruckte
Gesundheitshinweise finden die größte Beachtung unter Verbrauchern mit
einer gesunden Lebensweise. Menschen mit sehr gesunder Lebensweise sind
sich ebenfalls der Tatsache bewusst, dass die Etiketten auf
Lebensmitteln/Getränken dabei helfen können, sich gesünder zu ernähren.
• Menschen mit ungesunder Lebensweise sind häufiger als Menschen mit
gesunder Lebensweise der Auffassung, dass die Etiketten auf
Lebensmitteln/Getränken schwer zu verstehen sind. Signifikant mehr
Menschen mit ungesunder Lebensweise scheinen die Informationen auf
Lebensmittelverpackungen zu Inhaltsstoffen, Kalorien, Zusatzstoffen,
Fett- oder Kaloriengehalt nie zu lesen.
• Von den Menschen mit ungesunder Lebensweise sind mehr Menschen als
unter denen mit gesunder Lebensweise der Meinung, dass man keine
Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpillen und Eisentabletten braucht,
wenn man sich ausgewogen ernährt.
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TNS Infratest, Studie „Gesundheit & Ernährung“
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PM-Report 4/11
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