Start frei für die "Pille danach"

Der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) wollte die Pille
danach nur nach einem Beratungsgespräch mit dem Arzt und auf
Verschreibung in Verkehr bringen. Gegen die Freiverkäuflichkeit spreche
auch, so das Bundesgesundheitsministerium noch vor wenigen Monaten,
dass Apotheker nicht ausreichend beraten könnten.
CDU-Gesundheitsexperte Jens Spahn sorgte für Zündstoff mit seinem
Blogeintrag, die Pille danach sei kein "bunter Smartie". Doch nun hat
sich die Europäische Zulassungsbehörde EMA dafür ausgesprochen, dass
die ‚Pille danach‘ mit dem Wirkstoff Ulipristal rezeptfrei in deutschen
Apotheken erhältlich sein soll.


Sollte die EU-Kommission die Rezeptpflicht EU-weit aufheben, würde dies
auch in Deutschland gelten. Die Bundesapothekerkammer hat sich schon
2013 dafür ausgesprochen, die ‚Pille danach‘ mit dem Wirkstoff
Levonorgestrel aus der Rezeptpflicht zu entlassen. Dr. Andreas Kiefer,
Präsident der Bundesapothekerkammer, betont nicht ganz ohne Spitze
gegen Gröhe: "Ohne Rezeptpflicht könnten wir unseren Patientinnen noch
schneller weiterhelfen. In den wohnortnahen Apotheken mit ihrem
niedrigschwelligen und flächendeckenden Nacht- und Notdienst erhalten
Frauen die ‚Pille danach‘ umgehend. Selbstverständlich beraten wir die
Patientinnen auch bei rezeptfreien Notfallverhütungsmitteln so, dass
eine größtmögliche Arzneimittelsicherheit gewährleistet ist. Die
Apotheker übernehmen Verantwortung dafür, dass Medikamente nicht
missbräuchlich angewendet werden." HRA Pharma hat ellaOne in ihrem Portfolio. Ab Januar 2015 wird das
Unternehmen mit diesem Präparat gezielt die Apotheken adressieren.
Dabei unterstützt wird das Unternehmen von MARVECS. Klaus Czort,
Geschäftsführer der HRA Pharma Deutschland GmbH, ist zuversichtlich:
"Wir gehen davon aus, dass die Rezeptpflicht für ellaOne ab März 2015
wegfallen wird. Aus diesem Grund werden wir uns in den kommenden
Monaten vor allem auf die Schulung der Apotheker und ihres Personals
konzentrieren. Wir haben das MARVECS-Team ganz gezielt darauf
ausgerichtet, dass die einzelnen Mitarbeiter das Medikament sowohl mit
dem Gynäkologen als auch mit Notfallmedizinern in und außerhalb der
Kliniken besprechen sowie in Apotheken schulen können. Das begann schon
bei der Rekrutierung und wurde durch eine intensive Aus- und
Weiterbildung ergänzt." Und er erklärt weiter: "Rund 150.000 Patientinnen jährlich werden
Notfallkontrazeptiva vom Notdienst verschrieben, das sind ein Drittel
aller Fälle. Dort treffen sie auf Mediziner, die in der Regel keinen
gynäkologischen Hintergrund haben. Danach kommen die Frauen dann mit
ihren Fragen in die Apotheke. Und gerade in dieser Ausnahmesituation
brauchen sie kompetente Antworten." Deswegen wurde bei der Rekrutierung des 10-köpfigen MARVECS-Teams
besonders darauf geachtet, dass die einzelnen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter in der Lage sind, mit allen Zielgruppen gleichermaßen
fundiert kommunizieren zu können. So verfügen viele Teammitglieder
neben der Pharmareferentenausbildung auch über einen wissenschaftlichen
Hintergrund. Sie arbeiten Hand in Hand mit dem HRA-eigenen Außendienst
zusammen.
03.12.14

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