EU-Expertenausschuss zu wirksamen Gesundheitsinvestitionen

Foto: Chart De Maeseneer

Professor Jan De Maeseneer, Vorsitzender des Expertenausschusses (Expert Panel on effective ways of investing in Health - EXPH), hat Bilanz der sechsjährigen Arbeit, der Rolle und der Wirkung des Gremiums gezogen. Zum Abschluss des Mandats des derzeitigen Expertenausschusses haben die Kommission und das Gremium am 8. November in Brüssel eine Konferenz über die Wechselwirkung zwischen Wissenschaft/Fachwissen und Politikgestaltung organisiert.

Was ist die Aufgabe des Expertenausschusses?
Der Expertenausschuss wurde von der Kommission als interdisziplinäre und unabhängige Gruppe eingesetzt, um zu Fragen bezüglich der Gesundheitssysteme unverbindlichen Rat bereitzustellen. Die Kommission forderte das Gremium auf, politische Konzepte zu erörtern, Herausforderungen und Wissenslücken zu benennen und Lösungen vorzuschlagen. Durch Bereitstellung der neuesten wissenschaftlich fundierten Erkenntnisse unterstützt das Gremium die Kommission bei der informierten Strategieplanung.

Seit 2013 hat der Expertenausschuss 19 Stellungnahmen vorgelegt. Die jüngsten Stellungnahmen betreffen u. a. mangelnde Impfbereitschaft, die Auswirkungen der Digitalisierung der Gesundheitsversorgung, die Definition des „wertebasierten Gesundheitswesens", das Task-Shifting und die Entwicklung von Gesundheitssystemen sowie die Gesundheitsförderung. Die Stellungnahmen wurden den Behörden der Mitgliedstaaten und den Interessenträgern im Gesundheitswesen übermittelt, um die Öffentlichkeit für den Wandel in den Gesundheitssystemen zu sensibilisieren.

Was ist Ihrer Meinung nach für eine erfolgreiche, faktengestützte Politikgestaltung auf EU-Ebene erforderlich?
Zunächst ist es wichtig, die Vorgaben für eine Stellungnahme und die darin verwendeten Begriffe mit Bezug auf die EU klar zu definieren. Außerdem wird ein aktuelles Bild der anstehenden Herausforderungen auf Grundlage EU-weiter Daten benötigt. Daraufhin kann der Ausschuss die vorhandenen Erkenntnisse über Änderungen und Verfahren zusammenfassen, mit denen die Gesundheitssysteme wirksamer, zugänglicher und nachhaltiger gestaltet werden können.

Liegen keine oder nur lückenhafte Erkenntnisse vor, ergänzt der Ausschuss die Informationen durch eigenes Fachwissen oder er wendet sich an externe Sachverständige, zum Beispiel Patientenvertretungen. Der Expertenausschuss erkundet außerdem neue Perspektiven, wie die Empfehlung zur Erweiterung des Begriffs „Wert" in der wertebasierten Gesundheitsversorgung auf „gesellschaftlichen Wert". All dies führt zu politischen Empfehlungen und Anregungen, die im Rahmen einer Zusammenarbeit auf EU-Ebene betrachtet werden können, vor allen Dingen jedoch der Strategieplanung einzelner Mitgliedstaaten dienen.

Was sind die Lehren aus der Vergangenheit und die Visionen für die Zukunft?
Zum Ende unseres Mandats hat der Ausschuss einige wichtige Vorschläge erörtert, die sich auf die EU-Politik der Zukunft auswirken könnten:
• Verwirklichung der gesundheitsbezogenen Ziele für nachhaltige Entwicklung und Umsetzung der Grundsätze der europäischen Säule sozialer Rechte.
• Förderung einer positiven Einstellung gegenüber unseren Gesundheitssystemen Unterstützung der Mitgliedsländer bei der Einführung und Anpassung neuer Versorgungsmodelle unter besonderer Berücksichtigung der Kosten für den Übergang.
• Schaffung von Lerngemeinschaften mit dem besten Fachwissen, den besten Erfahrungen und den besten Verfahren in der EU.
• Stärkung der finanziellen Absicherung der Ausgaben für die Gesundheitsversorgung.
• Berücksichtigung des Abbaus von Ungleichheit in der medizinischen Versorgung bei politischen Maßnahmen.
• Investitionen in eine wirksame Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention.
• Integrierte und umfassendere Einbeziehung der Themen Klimawandel, Migration und Flüchtlingskrise sowie Kapazitätsaufbau in einen neuen EU-Afrika-Dialog.

Opinion on Options to Foster Health Promoting Health Systems: https://ec.europa.eu/health/expert_panel/sites/expertpanel/files/docsdir/025_health_promotinghhealthsystems_en.pdf
Zusammenfassung der Konferenz: https://ec.europa.eu/health/expert_panel/ev_20191108_en
Bilanz von Professor Jan De Maeseneer: https://ec.europa.eu/health/expert_panel/sites/expertpanel/files/ev_20191108_co06_en.pdf

Quelle: Newsletter von Gesundheit-EU 244; Foto: Chart De Maeseneer; PM 29.11.2019

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