17. AOK-Rabattrunde als "weiterhin effizientestes Kostendämpfungsmittel"

Foto: AOK Baden-Württemberg

Die AOK lobt sich immer wieder gerne selbst, weil sie die Rabattverträge so geschickt nutzt, um Kosten zu sparen. Und das soll auch wieder mit der 17. Ausschreibung erfolgen - für 58 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen (59 Fachlose). Bekanntes AOK-Gesicht bei den Rabattverträgen ist Dr. Christopher Hermann (Foto: AOK Baden-Württemberg), der dieses Mal aber betont: "Bei der Auswahl unserer Vertragspartner geht es beileibe nicht nur um den Preis, sondern insbesondere um eine sichere Versorgung unserer Versicherten." Pro Generika stößt das immer mal wieder bitter auf. In 2014 hat der Verband einen Faktencheck "Rabattverträge: Mythen und Fakten" veröffentlicht. Und darin wird zum Punkt sichere Versorgung der Patienten kritisiert: "In diesem sensiblen Segment (biotechnologisch hergestellte Arzneimittel) kann daher der Produktionsengpass bei nur einem einzigen Unternehmen bereits die Patientenversorgung in Deutschland beeinträchtigen – Rabattverträge potenzieren dieses Risiko."

Die Verträge für die 17. Ausschreibung lösen überwiegend die Tranche Nummer 13 ab und sollen am 1. Oktober 2016 starten und bis zum 30. September 2018 laufen. Bis zum 7. April 2016 können Hersteller nun ihre Angebote für einzelne oder alle der acht regionalen Gebietslose einreichen. Zu den Wirkstoffen, für die jeweils drei Partnerunternehmen gesucht werden, gehören der Blutdrucksenker Metoprolol und das Diabetes-Präparat Metformin. Hermann beziffert den Kassenumsatz der neuen Ausschreibung auf ca. 1,1 Mrd. Euro im Jahr. Auf Zuverlässigkeit setzt er, da vier Fachlose für besonders häufig verordnete Medikamente in der neuen Runde im Drei-Partner-Modell ausgeschrieben sind.

Pro Generika kontert in seinem Faktencheck: "Wird nun einer der Partner in einer Dreifachausschreibung – beispielsweise wegen Produktionsproblemen – lieferunfähig, werden die anderen beiden diesen Ausfall nicht auffangen können." Pro Generika nimmt nun Stellung zur neuen AOK-Ausschreibung: "Hier werden für gerade einmal 4 von insgesamt 59 Fachlosen mehr als nur ein Vertragspartner gesucht. Selbst für versorgungskritische Arzneimittel wie Antibiotika, Psychopharmaka und Präparate zur HIV-Behandlung soll in der aktuellen AOK-Ausschreibung die gesamte Verantwortung für die Versorgung ausschließlich einem einzelnen Unternehmen übertragen werden – mit den bekannten Risiken im Falle einer Lieferunfähigkeit dieses Unternehmens. Denn werden Generikaunternehmen von der Versorgung ausgeschlossen, müssen sie ihre Produktion entsprechend anpassen."

Bork Bretthauer, Geschäftsführer von Pro Generika, betont außerdem: "Immer mehr Versorgung für immer weniger Geld bei steigenden Qualitätsansprüchen an Arzneimittel ist kein geeignetes Konzept für eine langfristig sichere Versorgung in Deutschland. Engpässe bei Arzneimitteln zeigen auf, dass das System an seine Grenzen stößt. Wir engagieren uns daher dafür, das Rabattvertragssystem so weiterzuentwickeln, dass mögliche Lieferausfälle nicht auf die Versorgung der Patienten durchschlagen. Das kann erreicht werden, in dem Unternehmen hinreichend Zeit für die Arzneimittelproduktion eingeräumt wird…"

Die AOK-Gemeinschaft will das so nicht gelten lassen, denn "die Rabattverträge für Generika ermöglichen Einsparungen ohne Verlust an Qualität in der Arzneimittelversorgung. Das eingesparte Geld steht zum Beispiel für innovative Versorgungsformen zur Verfügung. Aktuell haben die elf AOKs in Deutschland gemeinsame Verträge für 278 generische Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen abgeschlossen. Die AOK-Verträge decken rund zwei Drittel des Generikamarktes und ein Umsatzvolumen von rund fünf Milliarden Euro ab."

Und Hermann schießt in Richtung Pharmaunternehmen, die das Preismoratorium und den Herstellerrabatt abschaffen möchten. Allein der Wegfall des Preismoratoriums würde die Ausgaben der Krankenkassen aber voraussichtlich um mehr als drei Milliarden Euro jährlich in die Höhe treiben, sagt er. "Deshalb bleiben die Arzneimittelverträge für die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung von zentraler Bedeutung. Während einzelne Pharmaunternehmen mit ihren Preisen für neu zugelassene Arzneimittel offenbar die Grenzen der Belastungsfähigkeit der Beitragszahler austesten wollen, sind unsere Verträge eine sichere Bank in puncto wirksamer Ausgabensteuerung."

 

05.02.16

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