Wandel der Krankenversicherungen

2b AHEAD ThinkTank hat in Kooperation mit der AOK PLUS die Studie "Die Zukunft der Krankenversicherungen" veröffentlicht. Kai Gondlach, Senior Researcher bei 2b AHEAD und Autor der Studie, fasst das Kernergebnis zusammen: "Die Branche steht kurz vor einem grundlegenden Innovationsschub. Die eindeutige Botschaft lautet: Rollenwandel oder Bedeutungsverlust."

(Foto des Covers von der Studie: Fotolia © Paulista)



In der Studie werden sieben Kernaussagen formuliert:

  • Das traditionelle Verhältnis der Akteure in der Gesundheitswirtschaft wird durch eine immer individuellere Medizin und die Möglichkeiten der Digitalisierung auf eine neue Grundlage gestellt.

  • Versicherte und Patienten werden zu Gesundheitskunden. Sie erwarten jederzeit eine präzise und differenzierte Bestimmung ihres aktuellen und zukünftigen Gesundheitszustandes.

  • Gesundheit ist kein Zufall: Die Gesundheitskunden der Zukunft messen die Leistungsfähigkeit ihrer Gesundheitsanbieter an deren Prognosekompetenz. Hier erweist sich die Relevanz der Akteure – die entscheidende Voraussetzung für lukrative und sinnstiftende Geschäftsmodelle der Zukunft.

  • Nicht der einzelne Mediziner, sondern intelligente Software und neuronale Netzwerke übersetzen die Körperdaten der Gesundheitskunden in konkrete Handlungsempfehlungen; für die Versicherten selbst, Mediziner, Apotheker, Nahrungsmittelhersteller.

  • Die Gesundheitsförderer werden vermehrt Leistungs- und Körperoptimierung sowie Lebensverlängerung in ihr Leistungsportfolio aufnehmen.

  • Der Wandel hat begonnen. Erste Akteure sind bereits auf dem Markt und stellen die konventionelle Branchenlogik auf eine neue Grundlage.

  • Krankenversicherungen werden zu prädiktiven Gesundheitsförderern – soweit das Solidarprinzip hierzu befähigt, ist es weiterhin eine tragfähige Grundlage der Krankenversicherung der Zukunft.


 


So geht die Studie davon aus, dass z. B. an die Stelle der Bonushefte, die von den Krankenversicherungen herausgegeben werden und in der Regel unspezifische gesundheitsfördernde Maßnahmen honorieren, in naher Zukunft evidenzbasierte, personalisierte Empfehlungen zur gezielten Vorsorge treten werden. Und zwar basierend auf den analysierten Daten der "Gesundheitskunden" wie durch Sensoren und die Übermittlung der Vitaldaten an die Krankenkasse.


 


Auch die Vorsorge wird sich in wenigen Jahren wandeln: Die Studienautoren sind davon überzeugt, dass durch den aktiven Eingriff in die Genetik u.a. individualisierte Ernährung und Medikation Teile der Prävention und Behandlung sein werden. Der Wunsch der Autoren sieht so aus: "Das entscheidende Fundament für erfolgreiche Prävention bildet ein schnell wachsender Datenstrom, den Gesundheitskunden zum Wohle ihrer Gesundheit bereitwillig demjenigen Anbieter zur Verfügung stellen, welcher die erfolgreichsten Empfehlungen zur Prävention von Krankheiten gibt. Heutige Krankenversicherungen werden somit zu prädiktiven Gesundheitsförderern."


 


Visionen, wie das alles funktionieren kann, haben die Autoren auch: Die digitale Kommunikation bildet die Grundlage für u.a. ein kanalübergreifendes Echtzeit-Kommunikationssystem. Ein Omnichannel-Management und eine hochgradige Automatisierung der internen Abläufe macht alles einfacher und effektiver. Was dazu der Datenschutz sagt, ist die andere Sache. Zumindest bemerkt Prof. Dr. Dr. Arkadiusz Miernik, Oberarzt Universitätsklinikum Freiburg und Experte der Studie, kritisch: "Die häufigste Todesursache in Deutschland ist mutmaßlich der Datenschutz."


 


 


Hintergrund:
In Kooperation mit der AOK PLUS führten Trendforscher von 2b AHEAD zahlreiche Experteninterviews und Recherchen durch und möchten so einen fundierten Ausblick in die Zukunft der Krankenversicherungsbranche im Jahr 2030 geben.


Die Studie finden Sie hier:
https://www.zukunft.business/forschung/trendstudien/trendstudie/trendstudie-die-zukunft-der-krankenversicherungen/?utm_source=Pressemitteilung_DE_180116&utm_medium=verlinkterText

Foto des Covers von der Studie: Fotolia © Paulista 17.01.18

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