"App wird zum Therapeuten"

Foto: www.welt-aids-tag.de

Die Techniker Krankenkasse (TK) geht einen Schritt weiter bei den Apps und testet in Hamburg aus, wie Betroffene mit Tinnitus mit Hilfe einer App therapiert werden können. Klaus Rupp, Leiter des Versorgungsmanagements der TK, ist aber schon überzeugt davon, dass "mit Tinnitracks die App zum Therapeuten wird. Und sie kann eine Alternative zu den konventionellen Behandlungsmöglichkeiten sein." Wenn das Behandlungskonzept aufgeht, will die Kasse es bundesweit umsetzen.

Die App hat das Hamburger Start-Up-Unternehmens Sonormed GmbH entwickelt - und in Kombination mit einem Versorgungsvertrag der TK und des Deutschen Berufsverbands der Hals-Nasen-Ohrenärzte e. V. wird das Projekt ab Oktober gestartet. Ein an dem Versorgungsangebot teilnehmender HNO-Arzt oder ein von ihm beauftragter Hörgeräteakustiker ermittelt beim Patienten die individuelle Tinnitus-Frequenz. Mit der Tinnitracks-App können die Betroffenen ihre eigene Tinnitus-Frequenz aus ihrer Lieblingsmusik herausfiltern lassen. Das regelmäßige Hören der gefilterten Musik soll die überaktiven Tinnitus-Nervenzellen beruhigen, ist das anvisierte Therapieziel. Dafür müssen die Patienten aber in einem Zeitraum von zwölf Monaten mindestens 90 Minuten pro Tag ihre "eingestellte" Musik hören.

Die aufbereiteten Musikstücke können mit einem Smartphone direkt in der Tinnitracks App über Kopfhörer abgespielt werden. Für Extrageld kann die Musik auch heruntergeladen und mit jedem MP3-fähigen Gerät gehört werden. Dafür übernimmt die TK allerdings nicht die Kosten, sondern nur für die Tinnitracks-Jahreslizenz. Die Projektteilnehmer sollten also ein Smartphone haben. Die Kosten für die gesamten HNO-ärztlichen Untersuchungen werden auch abgedeckt. Wie viel die teilnehmenden Ärzte bekommen, ist nicht bekannt.

Die teilnehmenden Patienten müssen sich allerdings dazu bereit erklären, Kontrolltermine beim HNO-Arzt oder Hörgeräteakustiker wahrzunehmen: Die Tinnitus-Frequenz wird jeweils zwei Wochen sowie drei, sechs und neun Monate nach Therapiebeginn überprüft. Außerdem erfolgt eine Patientenbefragung. Und zwar zu Beginn der Therapie sowie nach sechs und zwölf Monaten erhalten die Teilnehmenden eine Mail zu einer anonymen Online-Zufriedenheitsbefragung. Nach zwölf Monaten gibt es eine Abschlussuntersuchung beim HNO-Arzt.

Die TK möchte zunächst erste Erfahrungen mit Tinnitracks als Behandlungsalternative unter Routinebedingungen sammeln - und bei Erfolg in ganz Deutschland ausrollen.

 

17.09.15

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