ottonova legt nach

Im Sommer diesen Jahres machte das Start-up ottonova von sich reden: Einerseits, weil es die erste rein digitale Krankenversicherung ist, allerdings eine private. Und andererseits weil die Versicherungsgruppe Debeka miteingestiegen ist. Mittlerweile schaltet das Unternehmen auf z. B. XING Anzeigen. Dazu wird ab November eine digitale Arzt-Sprechstunde angeboten, die Hausärzte in der Schweiz übernehmen.

Auf der Website von ottonova kann man per Chat Fragen stellen. So wollten wir wissen, ob der Service einer Telemedizin Sprechstunde im Portfolio der Krankenkasse angeboten wird. Die Antwort lautete, dass dies tatsächlich ein neuer Service ist. Von ottonova erhält der Versicherte einen Gutschein-Code, wenn der Versicherte vorab mit ottonova die Voraussetzungen geklärt hat. Ärzte aller Fachrichtungen stehen nicht zur Verfügung, sondern momentan sollen vor allem Hausärzte durch den Service ergänzt oder ersetzt werden, heißt es von ottonova.
Der Service soll vor allem "auf Reisen oder wenn man mit der Grippe oder Magen-Darm im Bett liegt und einen gelben Zettel braucht" dienen. Auch als Zweitmeinung bietet sich der Dienst an. Doch "wenn ein Arzt an seine Grenzen kommt, weißt er dich darauf hin, einen Arzt physisch aufzusuchen," wird informiert.
Beim Thema Medikamente wird es komplexer. "Deutsche Apotheken dürfen reine telemedizinische Rezepte nicht einfach einlösen, da gibt es erst einmal nur die Empfehlung für die rezeptfreien Medikamente... Wir loten gerade Möglichkeiten für ausländische Online-Apotheken aus, aber das gibt es derzeit noch nicht."

 


Der Versicherer erklärt zu dem neuen Angebot: "Zu Beginn übernimmt Ottonova die Kosten für die Video-Behandlung im Rahmen einer Testphase vollständig. In dieser Testphase werden wir die verschiedenen Systeme miteinander verbinden, damit eine digitale Kundenerfahrung aus einer App möglich wird. Nach Beendigung der Testphase wird für den Digitalen Arztbesuch der vereinbarte Selbstbehalt zur Anwendung kommen."


 


Dafür arbeitet ottonova mit eedoctors zusammen, die selber über sich sagen: "eedoctors ist die erste virtuelle Arztpraxis für das Smartphone. Per Videoverbindung können sich Patienten überall auf der Welt mit einem Arzt in der Schweiz verbinden lassen. Ob in den Ferien, beim Wandern, beim Skifahren, im Büro, auf dem Land oder Zuhause ist eedoctors der virtuelle Helfer in der Not für die ganze Familie – überall dort, wo kein Arzt zur Verfügung ist. Durch eedoctors sparen Sie lange Wartezeiten und Anfahrtswege. Sie können Ihren Arzt sofort erreichen. Wir stehen für Datenschutz und Diskretion, hochqualitative medizinische Beratung und schweizerische Zuverlässigkeit. You connect - we care."


Betont wird von Seiten ottonova aber noch, dass man selber "nicht der Anbieter ist, sondern nur der Vermittler dieser medizinischen Dienstleistung. Somit ist der Digitale Arztbesuch für dich als Patienten rechtlich zulässig."


 


Die deutsche Apotheker Zeitung hat erfahren, dass in Bezug auf Rezepte sich das Unternehmen dessen "bewusst ist, dass in Deutschland keine aus der Fernbehandlung stammenden Rezepte eingelöst werden können. Um unsere Versicherten darauf hinzuweisen, werden wir auf unserer Internetseite noch vor dem Programmstart Anfang November zwei weitere FAQs einsetzen, die auch über die derzeitige Gesetzeslage informieren."


 


Hintergrund:
Die ottonova Krankenversicherung AG richtet sich vor allem an die jüngere Zielgruppe, die gut verdient. Es gibt zwei verschiedene Versicherungstarife, Business Class und First Class. Die Verträge sind online abschließbar und damit soll die eigene Gesundheit "upgegradet" werden - oder wie es auf der Homepage heißt: "Upgrade your health." Es gibt z. B. einen 24h Concierge Service in der App, einen Termin- und Erinnerungsservice, eine Timeline für die persönlichen Gesundheitsereignisse und Rechnungen sollen innerhalb von Stunden erstattet werden. Dazu werden die User mit ihrem Arzt bei Fragen verbunden, eine Zweitmeinung organisiert, der Arztbrief erklärt, bei Wunsch nach einem geeigneten Krankenhaus recherchiert oder ein Arzttermin vereinbart. Als Vorbild dient ottonova das New Yorker Start-up Oscar, das eine digitale Krankenkasse für die jungen Gutverdienenden sein möchte.

18.10.17

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