Rabattverträge sprengen den “ansonsten verkrusteten Markt" auf

Dr. Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg und verantwortlich für die AOK-Rabattverträge, ist ein großer Fan der Rabattverträge, weil sie "das einzige effektive Steuerungsinstrument sind, das auch kleineren Herstellern Marktzugang verschaffen kann. Vor allem die Verträge im patentfreien Markt sind der Wettbewerbsgarant auf diesem ansonsten völlig verkrusteten Markt." Nun hat die Kasse die mittlerweile 21. Tranche gestartet, die 121 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen in 123 Fachlosen umfasst.

20 Fachlose werden im Drei-Partner-Modell vergeben. Elf Wirkstoffe, deren Patentschutz ausgelaufen sind, schreibt die AOK-Gemeinschaft erstmals aus. Insgesamt deckt diese Rabattrunde ein jährliches AOK-Umsatzvolumen von rund 2,3 Mrd. Euro ab. Die Hersteller können ihre Angebote bis zum 17. September abgeben. Die Verträge lösen im nächsten Jahr die Tranche XVIII ab und sollen vom 1. Juni 2019 bis 31. Mai 2021 gelten.

 


Zu den besonders umsatzstarken Substanzen der Ausschreibung zählen das Asthmamittel Budesonid+Formoterol, das Antiepileptikum Pregabalin und der Cholesterinsenker Simvastatin. Erstmals ausgeschrieben werden u.a. Ivabradin zur Behandlung der Angina pectoris, Methocarbamol gegen Muskelverspannungen und Krämpfe sowie Travoprost und Travoprost+Timolol zur Verringerung des Augeninnendrucks.


 


Hermann kann die lauten Aufschreie der Pharmaunternehmen nicht nachvollziehen. Betont er stattdessen: "Der Pharmaindustrie geht es weiterhin ganz hervorragend." Er bezieht sich auf eine aktuelle Marktanalyse ("Ökosysteme in der Pharmaindustrie" von Ernst & Young), nach der "die Pharmabranche im Vergleich zu anderen Industriezweigen nach wie vor außerordentlich hohe Renditen erzielt. EY geht davon aus, dass sich allein der Pharmamarkt in Deutschland von rund 32 Milliarden Euro im Jahr 2015 bis zum Jahr 2030 auf schätzungsweise 63 Milliarden Euro in etwa verdoppelt." Und möchte mit den Rabattverträgen genau diese Summe aufsprengen. Wie er informiert, können die AOKen durch die Rabattverträge rund 1,66 Mrd. Euro einsparen. Dieses Geld soll in innovative Versorgungsformen investiert werden. "Insbesondere für chronisch Kranke sorgen die AOK-Verträge für mehr Kontinuität in der Medikamentenversorgung", findet Hermann.


 


Hintergrund:
Die AOK-Verträge decken zwei Drittel des Generikamarktes ab und umfassen alle markt- und ausgabenrelevanten generischen Wirkstoffe. Aktuell laufen Verträge für insgesamt 283 Wirkstoffe und Wirkstoffkombinationen mit einem jährlichen AOK-Umsatzvolumen von insgesamt rund 5,3 Milliarden Euro (Apothekenverkaufspreis).


 

25.07.18

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