Apotheken und der GKV-Spitzenverband

Im Vorfeld zur Bundestagswahl veröffentlichen u.a. Verbände und Krankenkassen ihre Positionspapiere, in denen steht, wie das Gesundheitswesen weiterentwickelt werden sollte - in ihrem Sinne. Ende Juni hat auch der GKV-Spitzenverband ihre Forderungen vorgestellt. Darin findet sich eine Passage über den Apothekenmarkt: "Jede Form der Arzneimittelabgabe muss sich zuvorderst am Bedarf der Patientinnen und Patienten messen lassen. Ein ergänzender Versandhandel stellt deshalb ein geeignetes Mittel dar, dieses Ziel zu erreichen. Eine Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes ist aus Markt- und Wettbewerbsgründen geboten." Grund genug für die Deutsche Apotheker Zeitung (DAZ) nachzuhaken. In einem Interview mit Johann-Magnus von Stackelberg, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbandes, betont dieser dort aber noch einmal: "Die Aufhebung des Fremd- und Mehrbesitzverbotes für Apotheken ist eine langjährige Forderung des GKV-Spitzenverbandes."

Und weiter bekräftigt er gegenüber der DAZ: "Im Kern behindern die bestehenden Regelungen einen Wettbewerb um neue patientenorientierte Versorgungsmodelle und zementieren zudem die Überversorgung in Ballungsgebieten. Die Rahmenbedingungen für den Wettbewerb müssen so gestaltet werden, dass die Versorgung flächendeckend sichergestellt bleibt. Daraus abzuleiten, das könne nur durch die Standortapotheke an der Ecke garantiert werden, greift entschieden zu kurz."

 


Für von Stackelberg geht es dabei - wie immer in solchen Diskussionen - um die Patienten: "Die Diskussion wird aus meiner Sicht derzeit viel zu sehr aus der Perspektive der Leistungserbringer geführt. Mein Eindruck ist, dass die Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten leider kaum eine Rolle spielen. Hier muss die Diskussion vom Kopf auf die Füße gestellt und endlich aus Patientenperspektive gedacht werden. Wie die Versorgung in Zukunft konkret aussehen wird, sollte sich im Wettbewerb entscheiden. Ich gehe davon aus, dass die Vor-Ort-Apotheke auch künftig eine wichtige Rolle bei der Abgabe von Arzneimitteln spielen wird. Entscheidend ist, dass die Patientinnen und Patienten gut versorgt und beraten werden. Ob es sich nun um eine Kette oder eine inhabergeführte Apotheke handelt, ist dabei nachrangig. Ein Verbot, wie es heute durch das Mehr- und Fremdbesitzverbot für Apotheken gegeben ist, stellt jedoch eine Behinderung des Wettbewerbs dar."


 


Gefragt nach im EU-Ausland ansässigen Versandapotheken und ob die ein seriöser Vertragspartner sind, entgegnet von Stackelberg, dass "der GKV-Spitzenverband wettbewerbsneutral ist."


 


Der Kassenverband hat natürlich auch eine Meinung zum Thema "Qualität und Finanzierbarkeit der Arzneimittelversorgung" und verwendet mal wieder das Reizwort "Mondpreise": "Die unterschiedlichen Segmente im Arzneimittelmarkt werden sachgerecht durch bestehende Regulierungsinstrumente berücksichtigt. Einen zentralen Baustein bilden dabei die Nutzenbewertung und die Erstattungsbetragsverhandlungen. Das Grundprinzip dieses Verfahrens hat sich bewährt. Zuletzt wurden mehrere wesentliche Anpassungen vorgenommen. Dabei wurde allerdings die Chance verpasst, die Fehlanreize durch die beliebige Preisbildung für neue Arzneimittel im ersten Jahr nach Markteinführung zu beheben. Hier bedarf es einer generellen Rückwirkung des Erstattungsbetrages ab dem ersten Tag, um „Mondpreise" zu verhindern. Auch für patentgeschützte Bestandsmarktarzneimittel ist die Nutzenbewertung mit anschließender Erstattungsbetragsverhandlung notwendig. Hilfsweise ist der Fortbestand des Preismoratoriums erforderlich.


Bei Arzneimitteln, die der G-BA in seinen Beschlüssen in mehrere Patientengruppen mit unterschiedlichen Zusatznutzenausprägungen unterteilt, kann ein differenzierter Zusatznutzen bisher nicht in differenzierten Erstattungsbeträgen abgebildet werden. Der einheitliche Erstattungsbetrag kann nicht für alle Patientengruppen gleichermaßen wirtschaftlich sein. Notwendig sind daher differenzierte Abrechnungspreise nach Patientengruppen. Der Abrechnungspreis für Patientinnen und Patienten mit Zusatznutzen sollte auf Basis des Zusatznutzens vereinbart werden. Dem entgegen darf der Abrechnungspreis für Patientengruppen ohne Zusatznutzen nicht zu höheren Jahrestherapiekosten führen als die wirtschaftlichste zweckmäßige Vergleichstherapie.Für Kombinationstherapien der personalisierten Medizin im Bereich der Immunologie und Onkologie sind weitere Elemente der Preisregulierung vordringlich, damit diese Therapien nachhaltig finanzierbar bleiben und keine Zugangseinschränkungen in Kauf genommen werden müssen.


In den nächsten Jahren wird eine große Anzahl umsatzstarker biologischer Arzneimittel patentfrei. Zur Verbesserung der Wirtschaftlichkeit ist der Anbieterwettbewerb in diesem Marktsegment zu steigern. Für biologische Arzneimittel, die bisher keiner effektiven Regulierung unterliegen, sollten neue Steuerungsinstrumente geschaffen werden. Für preisgünstige biologische Arzneimittel oder biologische Arzneimittel, für die Selektivverträge bestehen, sind verpflichtend im Rahmen der regionalen Arzneimittelvereinbarungen Wirtschaftlichkeitsziele und Zielquoten zu vereinbaren. Die bestehenden Rahmenbedingungen für Selektivverträge sind dabei ohne Einschränkungen aufrechtzuerhalten. Der G-BA sollte die Aufgabe erhalten, zu regeln, welche biologischen Arzneimittel in der Apotheke untereinander substituiert werden können."


 


Das ganze DAZ-Interview können Sie hier nachlesen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2017/08/24/inhabergefuehrte-apotheke-oder-kette-das-ist-nachrangig/chapter:1


Das GKV-Spitzenverband Positionspapier finden Sie hier:
https://gkv-spitzenverband.de/media/dokumente/presse/publikationen/Positionspapier_neue_Legislaturperiode_2017-2021_barrierefrei_a.pdf

25.08.17

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