DAK-Gesundheitsreport 2013: Psychische Erkrankungen weiter auf dem Vormarsch

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Depressionen um vier Prozent gestiegen. Psychische Erkrankungen rücken damit hinter Muskel- und Skeletterkrankungen auf Platz zwei der Krankschreibungen. Für die Wirtschaft wird das zunehmend zum Problem. Der DAK-Gesundheitsreport untersucht in seiner aktuellen Ausgabe mögliche Ursachen für diese Zunahme. Das Thema: "Update psychische Erkrankungen – Sind wir heute anders krank?"


Laut der Untersuchung haben sich die Fehltage zwischen 1997 und 2012 aufgrund depressiver und anderer psychischer Erkrankungen verdoppelt (+165%). Anders als zu vermuten wäre, entwickeln sich die Deutschen aber nicht zu einem Volk psychisch Kranker. Studien belegen: Psychische Störungen sind seit Jahrzehnten in der Bevölkerung nahezu gleich verbreitet. "Das Bewusstsein und die Sensibilität von Ärzten und Patienten diesen Krankheiten gegenüber haben sich deutlich verändert", betont Prof. Dr. Herbert Rebscher, Chef der DAK-Gesundheit.

Während heute Arbeitnehmer mit psychischen Leiden krankgeschrieben werden, erhielten sie früher die Diagnose "Rückenschmerzen" oder "Magenbeschwerden". Und das spiegelt sich in den Zahlen wider: 1997 meldete sich jeder 50. Erwerbstätige wegen eines psychischen Leidens arbeitsunfähig, 2012 war es bereits jeder 22. Arbeitnehmer.

Was treibt Menschen in die Depression? Laut Report ist das z. B. die erhöhte Erreichbarkeit der Arbeitnehmer. Wer nur einmal pro Woche außerhalb der Arbeitszeit angerufen wird, hat ein erhöhtes Risiko, an einer psychischen Störung zu erkranken. Im Vergleich dazu schätzen Befragte die Belastung durch dienstliche E-Mails nach Feierabend geringer ein. 9% checken ihre Mails abends oder am Wochenende. Eine weitere Ursache sehen Ärzte  in Arbeitsverdichtung, Konkurrenzdruck und langen Arbeitszeiten. Prekäre und kurzfristige Beschäftigungsverhältnisse verschärfen die Situation.

In der Arbeitswelt werden seelische Erkrankungen weiterhin stigmatisiert. So wird das Verständnis von Mitarbeitern und Kollegen für psychische Probleme 2012 eher pessimistisch eingeschätzt als 2004. Überproportional viele Fehltage weisen die Branchen "Gesundheitswesen" und "Öffentliche Verwaltung" auf: 2012 verursachten 100 Beschäftigte im Gesundheitswesen 300 Fehltage, in der Verwaltung waren es 269 Tage. Im Gesamtbranchendurchschnitt waren knapp 204 Ausfalltage zu verzeichnen.

Für den  Gesundheitsreport 2013 hat die DAK-Gesundheit die Krankschreibungen von 2,7 Millionen erwerbstätigen Versicherten mithilfe des IGES Instituts aus Berlin ausgewertet.

Foto: DAK-Gesundheit 26.02.2013

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