Präventionsbericht 2013 der Kassen: Ist weniger mehr?

Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) loben sich selber, haben sie doch
"erneut im vergangenen Jahr ihr Engagement für die betriebliche
Gesundheitsförderung (BGF) und die Prävention in Kindergärten und
Schulen verstärkt". Doch laut der Zahlen im Präventionsbericht 2013
geht die Investition seit 2010 zurück.


Rund 238 Mio. Euro hat die GKV 2012 ausgegeben. Das entspricht 2,35
Euro pro Versichertem. 2010 waren es noch 303 Mio. Euro und 2011 dann
nur noch 269 Mio. Euro. Der GKV-Spitzenverband zieht das Fazit: "Mit im
Schnitt 3,41 Euro pro Versichertem wurde der gesetzlich vorgeschriebene
Richtwert von 2,94 Euro nach wie vor deutlich überschritten." Doch in
der Tabelle mit den aufgeführten Ausgaben gilt der Wert über 3,40 für
das Jahr 2010. In 2012 waren es eben 2,35 Euro - und das sind 20%
weniger Ausgaben, die für Versicherte ausgegeben worden sind. Obwohl
das selbst gesetzte Ziel sein soll "... die seit Jahren eingeschlagene
Strategie fortzusetzen, insbesondere Menschen mit höheren
gesundheitlichen Belastungen in ihrer konkreten Lebenswelt
anzusprechen." Zudem steht in der allgemeinen Erklärung zum
Präventionsbericht: "Die Ausgaben der Krankenkassen für
Primärprävention und betriebliche Gesundheitsförderung sind seit der
Einführung dieser Leistungen im Jahr 2000 stark gestiegen." Die Zahlen
am Beispiel der Ausgaben je Versicherten sagen etwas anderes. So ist es zumindest konsequent, dass Gernot Kiefer, Vorstand des
GKV-Spitzenverbandes, fordert: "Wenn die nächste Bundesregierung das
Thema Präventionsgesetz wieder auf die Agenda setzt, muss sie deutlich
stärker als bisher alle beteiligten Akteure in die finanzielle Pflicht
nehmen. Denn nur, wenn auf allen verantwortlichen Ebenen
gesundheitsförderliche Rahmenbedingungen geschaffen werden, können die
Leistungen der gesetzlichen Krankenversichenrung nachhaltig wirken." Er
sieht die GKV ihrer Pflicht nachkommen, da sie der größte Förderer der
Prävention in Deutschland ist und für etwa die Hälfte der
Gesamtausgaben in diesem Bereich aufkommt. Kursangebote, die sich an einzelne Versicherte wenden, befassen sich
mit Bewegungsförderung, Ernährung, Stressbewältigung und
Raucherentwöhnung. Die Teilnehmerzahlen beliefen sich 2012 auf ca. 1,3
Mio., was aber ein Rückgang von 20% im Vergleich zum Vorjahr ist.
"Diese Entwicklung entspricht der politisch gewollten Fokussierung auf
die betriebliche Gesundheitsförderung und auf Lebenswelten", erklärt
der Spitzenverband.

Über den Präventionsbericht:
Die Leistungen der Krankenkassen in der primären Prävention und der
betrieblichen Gesundheitsförderung werden jährlich in einem
Präventionsbericht der gesetzlichen Krankenversicherung und des
Medizinischen Dienstes des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen
(MDS) dokumentiert. Die Krankenkassen erreichen mit ihren
primärpräventiven und gesundheitsfördernden Angeboten jährlich ca. 9
Millionen Versicherte. Mit den Kursangeboten werden zu ca. ¾ Frauen
erreicht, während die betrieblichen Gesundheitsförderungsmaßnahmen zu
ca. 2/3 Männern zugute kommen. Bei den Setting-Maßnahmen z.B. in
Kindergärten, Schulen und Gemeinden ist das Geschlechterverhältnis in
etwa ausgeglichen. Mehr Details finden Sie im Präventionsbericht 2013.
27.11.13

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