Marktstruktur rezeptfreier Medikamente

Der Umsatz mit rezeptfreien Produkten aus Offizinapotheken und Versandhandel belief sich im Jahr 2020 auf knapp 14 Mrd. Euro zu effektiven Verkaufspreisen. Dahinter stehen 1,23 Mrd. abgegebene Packungen, unabhängig von der Größe. Gemessen am Apotheken-gesamtmarkt, also dem Einschluss auch rezeptpflichtiger Präparate, entfällt auf den OTC-Bereich (OTC: overthecounter= rezeptfrei) zwar „nur" gut ein Fünftel (22%) nach Wert, jedoch weit mehr als die Hälfte (61%) nach Menge. Das OTC-Segment beinhaltet neben Arzneimitteln eine Reihe weiterer Kategorien, die für die Gesundheitspflege, -vorsorge und -behandlung relevant sind.

Apothekenumsatz mit OTC-Produkten: nahezu hälftige Verteilung auf Arznei- und Nichtarzneimittel
Foto: IqviaFast die Hälfte des Umsatzes (49%) entfällt laut der Auswertung von IQVIA auf OTC-Arzneimittel. Davon gehen gut vier Fünftel (82%) auf die Selbstmedikation zurück, die großenteils mit apothekenpflichtigen Präparaten erfolgt. Freiverkäufliche Medikamente spielen eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Über Verordnungen wird knapp ein Fünftel des Umsatzes generiert. Vom verbleibenden Rest der „Nicht-Arzneimittel" entfällt das Gros auf Produkte des medizinischen Sachbedarfs. Hierunter fallen z.B. diverse Tests oder auch Hilfsmittel. Danach folgen Gesundheitsmittel und Artikel aus dem Bereich der Apothekenkosmetik einschließlich Körperpflege. Ernährungsprodukte (z. B. Schlankheitsmittel, Traubenzucker) stellen mit 4% den kleinsten Anteil.

COVID-19 verstärkt Nachfrage im Versandhandel
Im Zuge von Kontaktbeschränkungen während der Pandemie suchten Ver-braucherauch Apotheken weniger häufig auf. Davon profitiert der Versand-handel, dessen monatlicher Marktanteil sich zwischen Januar und November 2020 von 18% auf 24% erhöht hat. Insbesondere im März 2020, in dem der erste Lockdown begann, stieg der Umsatz über den elektronischen/telefonischen Bestellweg gegenüber Vorjahr um 58% und wuchs in den meisten anderen Monaten des Jahres niedrig zweistellig. Demgegenüber verbucht die Vorortapotheke ab April 2020 durchgängig einen Umsatzrückgang. Der Versandhandel gleicht die Verluste der Offizin allerdings nicht vollständig aus, denn für das Gesamtsegment ergibt sich für das Jahr 2020 ein einprozentiger Umsatzrückgang. Gleiches gilt auch nach Absatz, der in 2020 insgesamt um 4% zurückgeht; auch hier kompensiert der Versandhandel trotz eines Zuwachses um knapp 19% die Verluste der Offizin (-9%) nicht.
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Hoch im Kurs: Produkte zur Stärkung des Immunsystems und Hautmittel
In beiden Vertriebskanälen – Apotheke und Versandhandel – stehen im Jahr 2020 Hautmittel, Produkte zur Stärkung des Immunsystems (Tonika/Geriatrika/Melisse) und Nahrungsergänzung (Vitamine/Mineralstoffe) hoch im Kurs, die eine vermehrte Nachfrage verbuchen. Dies lässt sich wesentlich mit der Pandemie erklären: Verbraucher möchten zum einen die Gefahr einer Infektion geringer halten; zum anderen haben sie einen erhöhten Pflegebedarf infolge von Hygienemaßnahmen (z. B. häufiges Händewaschen).

Quelle: IQVIA®Consumer Report Apotheke; Grafik: IQVIA; PM 7-12-2021

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