Pharma: Plötzliche Gemeinsamkeiten

Foto: Website IFPMA

Am 3. September hat die International Federation of Pharmaceutical Manufacturers & Association (IFPMA) eine virtuelle Pressekonferenz abgehalten. Darin ging es um COVID-19 und die Fortschritte in der Therapie, die oft in engen Kooperationen unter Pharmaunternehmen erzielt werden. Sowie um die Warnung, Qualitätsstandards bei der Zulassung nicht aufzuweichen.

Die IFPMA kündigte die Konferenz als Pressebriefing zu COVID-19 Therapeutika an, mit CEOs und Top-Executives der globalen Biopharma-Branche. Das war nicht zu viel versprochen. Teilnehmer waren: David R. Ricks, Chairman and Chief Executive Officer, Eli Lilly and Company; Daniel O'Day, Chairman of the Board and Chief Executive Officer, Gilead Sciences, Inc; Kenneth C. Frazier, Chairman of the Board and Chief Executive Officer, MSD; Dr Albert Bourla, Chairman and Chief Executive Officer, Pfizer; Dr Severin Schwan, Chief Executive Officer, Roche Group sowie Thomas Cueni, Director General, IFPMA.

Die Bestandsaufnahme liest sich eindrucksvoll: Derzeit werden über 300 COVID-19 Therapien erforscht oder befinden sich in ein klinischen Studie. Weltweit. Laut IFPMA sind 22 „führende" Mitgliedsunternehmen in die Forschung und Entwicklung zu Corona-Therapeutika involviert und versuchen in 81 klinischen Prüfungen die Effektivität der Wirkstoffe zu belegen.


Dabei wurde eines klar: Dabei arbeiten Pharmafirmen in großem Stil zusammen. Und: Manchmal kommen dadurch Allianzen zustande, die vor Corona kaum denkbar erschienen. Die Presse, Österreich, titelte denn auch: Corona sorgt für bisher unvorstellbare Pharma-Kooperation (3.9.2020). „Konzerne, die sonst harte Konkurrenten sind, haben in der Coronakrise überraschend zueinander gefunden. Nie zuvor hat die Pharmaforschung weltweit so schnell auf eine Herausforderung reagiert wie auf die Corona-Pandemie. Und vor allem: Noch nie gab es eine derartige Allianz der größten Pharmakonzerne."


Ricks von Elli Lilly bestätigte das: „Wir beobachten eine außerordentliche Zusammenarbeit über die gesamte biopharmazeutische Industrie, Universitäten und Biotech hinweg, um F&E zu beschleunigen und neue Behandlungen und Impfstoffe mit einer Rekordgeschwindigkeit zu entwickeln."


Beispiele? Roche kooperiert mit dem Biotech-Unternehmen Regeneron, AbbVie mit Harbour BioMed (Niederlande), der Universität Utrecht und dem Erasmus Medical Center (Niederlande), Pfizer mit BioNTech, in der „CoVIg-19 Plasma Alliance" Takeda, Biotest, Bio Products Laboratory, CSL Behring, LFB, Octapharma, ADMA Biologics, BioPharma Plasma, GC Pharma und Sanquin, Lilly mit AbCellera sowie Shanghai Junshi Biosicences, Boehringer Ingelheim und Yumab, gemeinsam mit der Bill & Melinda Gates Foundation die Firmen BD, bioMérieux, Boehringer Ingelheim, Bristol-Myers Squibb, Eisai, Eli Lilly, Gilead, GSK, Johnson & Johnson, Merck (MSD), Merck KGaA, Novartis, Pfizer und Sanofi sowie Sanofi mit GSK.


Offenbar treibt die Pharmaunternehmen die Sorge um, in etwas hineingezogen zu werden, mit dem man nichts zu tun haben möchte. So warnte die Organisation: „Die IFPMA fühlt sich den regulatorischen Standards verpflichtet. Ganz unabhängig davon, wie dringend eine Aktion gegen das Coronavirus gebraucht wird, bleiben die höchsten Standards für Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit ein Imperativ. .." Es werde keine ,Magic Bullet' (was man ungefähr mit Zaubermittel übersetzen kann) gegen COVID-19 geben, betonte Cueni von der IFPMA. Und ergänzte mit einem deutlichen Fingerzeig: „....but that is no excuse for cutting corners in our haste to approve new treatments or vaccines."

Foto: Website IFPMA, PM 9-11-2020

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