AOK: Sonderausschreibung Rabattverträge für Antibiotika mit neuen Kriterien

Foto: AOK Baden-Württemberg

Die AOK will bei der Aushandlung von Rabattverträgen neue Wege gehen. Um die Abhängigkeit von nur wenigen internationalen Produktionsstandorten zu verringern, werden bei der Vergabe für fünf Antibiotika-Wirkstoffe neue Kriterien bewertet, die auch etwas mehr Geld bringen sollen: Länge der Lieferkette, Umweltaspekte und die Einhaltung örtlicher Vorgaben des Arbeitsschutzes. Das soll Standorte in der EU fördern.

„Die Wirkstoffherstellung für Arzneimittel konzentriert sich weltweit auf wenige Produktionsstätten", bedauert Johannes Bauernfeind (Foto), Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg und Federführer der AOK-Gemeinschaft für die bundesweiten Generikaverträge. „Problematische Produktionsbedingungen innerhalb der sich ergebenden langen Versorgungsketten können hierzulande Lieferengpässe verursachen. Wir möchten darauf hinwirken, dass pharmazeutische Unternehmen so arbeiten, dass sich in Europa etablierte Arbeits- und Umweltschutzstandards gegen weniger strenge Vorgaben behaupten können."


Insbesondere die Herstellung antibiotischer Wirkstoffe müsse unter strengeren Auflagen für den Umweltschutz stattfinden. Wenn sich multiresistente Keime über Industrieabwässer ausbreiten könnten, sei die Wirksamkeit von Antibiotika gefährdet. Ab 14. September 2020 wurden mit „AOK Z1" fünf Antibiotika-Wirkstoffe ausgeschrieben. Bauernfeind: „Wir vergeben in ‚AOK Z1' nicht einfach an den günstigsten Anbieter. Wir lassen erweiterte Zuschlagskriterien einfließen wie etwa Länge der Lieferkette, Umweltaspekte und die Einhaltung örtlicher Vorgaben des Arbeitsschutzes." Schon in den kürzlich veröffentlichten Ausschreibungsunterlagen der Rabattvertragstranche XXIV hatte sich die AOK-Gemeinschaft ein Sonderkündigungsrecht gesichert, falls Vertragspartner oder Drittunternehmen gegen am Produktionsstandort geltende Umwelt- und Arbeitsschutzauflagen verstoßen.


Für die fünf antibiotischen Wirkstoffe, die die AOK-Gemeinschaft gesondert im Drei-Partner-Modell ausschreibt, erweitert sie ihre Zuschlagskriterien um Merkmale, die in ihrer Summe einen Vergabebonus von bis zu 16% ausmachen können. Das könne gerade kleineren Unternehmen entgegenkommen, weil nicht automatisch der günstigste Bieter den Zuschlag erhalte, sondern derjenige, der flexibel agieren könne, argumentiert die AOK.

Am besten gelinge das Unternehmen, die ohnehin bereits in Standort- und Umweltkriterien investiert hätten. Bieter würden diesen Bonus vor allem dann voll ausschöpfen, wenn die Produktion der Wirkstoffe, deren Weiterverarbeitung und die Verpackung der fertigen Arzneimittel nach den in der EU geltenden oder über Freihandelsabkommen abgesicherte Mindeststandards ausgerichtet sei. Ebenfalls positiv gewichtet werde die Einhaltung von am Produktionsstandort geltenden Vorgaben zu Grenzwerten für Arzneimittelrückstände im Produktionsabwasser. Als Knock-out-Kriterium gelten Bündelpackungen, die wegen ihres unnötig hohen Kunststoffverbrauchs als umweltbelastend eingestuft werden.


Durch die Weiterentwicklung ihrer Ausschreibungskriterien passe die AOK-Gemeinschaft das Steuerungsinstrument des generischen Arzneimittelmarkts aktuellen Gegebenheiten an, meint Bauernfeind. Die vergangenen Monate der Corona-Pandemie hätten gezeigt, dass das deutsche Rabattvertragssystem die Arzneimittelversorgung resistenter gegen Lieferengpässe mache als das auf nicht geregelten Märkten möglich sei. „Die AOK unterstützt das auch im Kontext der deutschen EU-Ratspräsidentschaft derzeit rege diskutierte Ziel, die Versorgungssicherheit bei wichtigen Arzneimitteln zu stärken. Wir haben schon immer darauf hingewiesen, dass sich dieses Ziel nur in einem europäischen Rahmen sinnvoll gestalten lässt und ergreifen alle Gestaltungsmöglichkeiten, die sich uns dabei bieten."


Informationen zur Sondertranche „AOK Z1"
•Vertragslaufzeit: 01.06.2021 bis 31.05.2023
•Ausgeschriebene Wirkstoffe: Cefaclor, Cefuroxim, Ciprofloxacin, Clarithromycin, Roxithromycin
•Umsatzvolumen: 63 Millionen Euro pro Jahr
•Zuschnitt der Ausschreibung: 5 Fachlose im Drei-Partner-Modell
 

Foto: AOK Baden-Württemberg; PM 9-21-2020

powered by webEdition CMS