Entscheidung über neuen EMA-Standort im Juni?

Europas Pharmaunternehmen scharren mit den Hufen. Sie drängen den Europäischen Rat dazu, sich im Juni für eine neue Stadt für die EMA (Europeans Medicines Agency) zu entscheiden. In einem offenen Brief, unterzeichnet u.a. von Führungskräften bei Novartis, Bayer Pharmaceuticals, Pfizer, Amgen, UCB und Ibsen, wird betont, dass Europa “im Falle von Hindernissen oder Misserfolgen keine Backup-Option besitzt.” So müsse der neue Standort einige Kriterien erfüllen, z. B. “dass er in der Lage ist, die 36.000 Expertenbesuche zu verwalten und zu pflegen, die sie jährlich zusätzlich zu einer Vielzahl von regulatorischen Börsen mit der globalen Pharmaindustrie… Ebenso wichtig ist eine ausgezeichnete Verkehrsanbindung (internationaler, regionaler und lokaler Verkehr), ein Gebäude, das darauf ausgerichtet ist, die EMA in die Lage zu versetzen, die zahlreichen grundlegenden Sachverständigensitzungen zu veranstalten, die sie jedes Jahr organisiert…” Abgesehen von den privaten Voraussetzungen wie internationale Schulen und genügend Wohnungen für die ganzen Mitarbeitern, die ja auch Familien haben. Um die EMA buhlt neben Deutschland (Standort gedacht in Bonn oder Berlin), 21 weitere EU-Mitgliedsstaaten z. B. die Niederlande, Italien, Dänemark, Schweden, Spanien, Frankreich, Irland und Polen.


Die EFPIA (European Federation of Pharmaceutical Industries and Associations) findet es als “krass und beunruhigend”, dass von der EMA durchgeführte zeitkritische Arbeiten im Zusammenhang mit der Zulassung neuer Arzneimittel-, Pharmakovigilanz- und Sicherheitsüberwachungsmaßnahmen behindert würden, “wenn die Operationen der Agentur infolge des Austritts des Vereinigten Königreichs aus der EU gestört würden.”

Deswegen wird gefordert: “Das reibungslose Funktionieren der Agentur beruht auf der Fähigkeit, die vielfältigen und leicht zugänglichen wissenschaftlichen Kompetenzen, die für ihr effektives Funktionieren aus der ganzen Gesamtheit der EU-Mitgliedstaaten erforderlich sind, wirksam zu mobilisieren. Darüber hinaus müssen die Beratungen des Rates über den künftigen Standort der Agentur sicherstellen, dass die EU-Regulierungsverfahren weiterhin so funktionieren und gleichzeitig gewährleisten, dass die wissenschaftlichen Ausschüsse der EMA weiterhin auf demselben, unwiderlegbar hohen Standard tätig sind. Auf der Grundlage von sehr wesentlichen Kriterien sollte so früh wie möglich eine Entscheidung getroffen werden, vorzugsweise auf der Sitzung im Juni dieses Jahres.”

“Es ist für den Nutzen der Patienten in Europa von entscheidender Bedeutung, dass das System - "diese gut geölte Maschinerie" - weiterhin mit dem derzeitigen Niveau der international anerkannten Effizienz funktioniert und dies bei der Entscheidung über den Standort der EMA im gegenseitigen Einvernehmen zwischen den Vertretern der Mitgliedstaaten vereinbart wird. Um die Risiken abzuschwächen, müssen entsprechende Übergangsregelungen vorhanden sein, damit die Arbeit der Agentur fortgesetzt werden kann, während eine ordnungsgemäße Standortübertragung stattfindet,” heißt es noch in dem Brief.

Am 22. und 23. Juni trifft sich der Europäische Rat, um über den neuen EMA-Standort zu diskutieren.

Den Brief (auf Englisch) können Sie hier nachlesen:
http://www.efpia.eu/mediaroom/388/44/Open-Letter-from-the-Pharmaceutical-Industry-Heads-of-Research-and-EFPIA-on-the-Relocation-of-the-European-Medicines-Agency

PM-eReport 7/2017


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