Zukunftsmedizin: Vernetzung und Monitoring

In einem Interview mit dem SRF (Schweizer Radio und Fernsehen) wird Karin Frick (Foto), Forschungsleiterin am Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) in Rüschlikon, in der Nähe von Zürich, danach gefragt, wie das medizinische Szenario in der Zukunft aussehen wird: “In Zukunft wird sich das Gewicht zunehmend von der Diagnose zur Prognose verschieben. Das wird Vieles verändern. Wir gehen nicht mehr zum Arzt, wenn schon etwas weh tut, sondern schon vorher.” Der ganz normale Alltag wird dann mit Sensoren und Monitoring ausgestattet sein.


So sieht sie durchaus die Möglichkeit, dass Sensoren in der Toilette angebracht sind. “Schon bevor die Probleme aufgetaucht sind, wird Ihre smarte Toilette mittels Sensoren Ihren Stoffwechsel analysiert und festgestellt haben, dass Ihr Verdauungsapparat aus dem Gleichgewicht gerät. Die vernetzte Toilette wird dann praktische Ratschläge ausgeben, zum Beispiel, wie Sie Ihre Ernährung umstellen sollten. Oder sie rät Ihnen, genauere Untersuchungen vorzunehmen. Die machen Sie selbst mit Teststreifen oder anderen Systemen, um gewisse Hypothesen zu überprüfen oder bestimmte Krankheiten auszuschliessen. Dann erst kommt es möglicherweise zum Kontakt mit dem Arzt, wahrscheinlich einem Spezialisten.”

Vitaldaten werden schon heute erhoben durch die Smartphones und den dazugehörigen Apps. Frick ist sich sicher, dass diese Entwicklungen “neue Wege aufzeigen… Sie sind erste Versionen zum nächsten Schritt, dem Monitoring, also der gesundheitlichen Kontrolle des Patienten.” Ältere Patienten könnten weiterhin zu Hause leben, weil sie automatisch und ständig gesundheitlich überwacht werden. Andere Faktoren sind die künstliche Intelligenz und das “Schwarmlernen”. Ein System kennt “die Dossiers einer Million Krebspatienten und scannt diese auf Ähnlichkeiten zum eigenen Fall ab. Die künstliche Intelligenz, dieses datenbasierte Empfehlungssystem, findet bestimmte Muster. All das ist gebündelt in unserem Smartphone, vernetzt mit den diversen Sensoren, die uns überwachen,” prognostiziert sie. Das Schwarmlernen, die Intelligenz der Masse, ist für sie wichtig: “… Hier kann die Medizin beispielsweise von Tesla profitieren. Es wurde ein Flotten-Lernsystem entwickelt, in dem Autos Informationen zu gefahrenen Strecken teilen. Diese werden zentral gebündelt und allen zur Verfügung gestellt, so dass Autos immer mehr Strecken kennen und autonom fahren können. Für die Medizin heißt das, wenn sehr viele Menschen beispielsweise Sensoren auf der Haut tragen, können wir sehr schnell sehr viel über die Menschen des Kollektivs lernen. Systeme können sich so unglaublich schnell weiterentwickeln. Das schafft ganz neue Möglichkeiten, an die man jetzt noch gar nicht denkt.”

Die Rolle des Arztes wird sich dadurch unweigerlich verändern, meint Frick: “… schon heute kann kein Arzt so viele Studien lesen, wie er vielleicht müsste. Vertrauen wir in der Behandlung in 20 Jahren also lieber dem Arzt, der aus einem Bauchgefühl heraus entscheidet? Wenn eine Maschine ihm hilft, alles zu meiner Krankheit aufzubereiten, dann will ich das doch. Es kann also in Zukunft nur Mensch und Maschine heisßn, sie müssen zusammenarbeiten. Dass ich als Patient auch Zuwendung brauche, ist unbestritten, aber die doch vom Spitzenmediziner, der die aktuellsten Systeme nutzen kann.”

Das gesamte Interview können Sie hier nachlesen:
http://www.srf.ch/news/panorama/ihre-smarte-toilette-analysiert-ihren-stoffwechsel

Hintergrund:
Das Gottlieb Duttweiler Institut (GDI) ist ein unabhängiger Think Tank in Wirtschaft, Gesellschaft und Konsum und begreift sich als Trendforschungsinstitut. Das GDI ist Teil der Stiftung “Im Grüene”. Die Forscherinnen und Forscher des GDI untersuchen Megatrends und Gegentrends und entwickeln Zukunftsszenarien für Wirtschaft und Gesellschaft. 
Das GDI unter: http://gdi.ch/de/think-tank

PM-eReport 8/2017


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