6. EPatient Survey 2017: Das Aber bei den Gesundheits-Apps

Laut der aktuellen Online-Befragung zu “Patienten im Netz” verwenden sowohl Gesunde als auch Patienten immer öfter Apps zur Prävention, Diagnose und Therapie. Das deckt sich mit einer Untersuchung von Bitkom, demnach sind es 45%, die Gesundheits-Apps installiert haben und weitere 45% können sich vorstellen, solche Apps künftig anzuwenden. Aber: Nach ein paar Wochen nutzt weniger als einer von drei Nutzern weiterhin die Gesundheits-Apps, ist ein anderes Ergebnis des EPatient Survey.


Unter den digitalen Gesundheitsanwendungen (u.a. Tracking-, Coaching-, Diagnose- oder Adhärenzdienste oder Online-Arztsprechstunde) sind vor allem Coaching-Anwendungen und die Online-Zweitmeinung zur Zeit am beliebtesten. Bitkom dagegen hat festgestellt, dass am beliebtesten die Apps sind, die ausschließlich Körper- und Fitnessdaten, wie Herzfrequenz, Blutdruck oder gegangene Schritte, aufzeichnen: 27% setzen diese Apps bereits ein. Apps, die z. B. über Gesundheits- oder Ernährungsthemen informieren, werden von 20% genutzt. 11% verwenden solche Dienste, die auf der Grundlage der aufgezeichneten Körper- und Fitnessdaten Motivations- oder Verhaltensratschläge geben. Apps, die an Impfungen oder an die Einnahme von Medikamenten erinnern, haben derzeit erst 2% im Gebrauch, 23% können sich dies für die Zukunft vorstellen.

Im EPatient Survey wird ähnliches konstatiert: Evaluierte gute Therapie-Apps erreichen ihre Zielgruppe im Markt gegenüber den Mainstream-Angeboten noch nicht ausreichend. Klinisch evaluierte digitale Anwendungen sind beispielsweise in den Indikationen Asthma, Depression oder Herz-Kreislauferkrankungen in der jeweiligen digitalen Patientenzielgruppe derzeit noch sehr gering verbreitet.

Ein großes Aber im Survey ist, dass weniger als einer von drei Nutzern nach ein paar Wochen noch seine App aktiv einsetzt. Für Entwickler und Anbieter bedeutet dies, dass bei den Apps die Bedienungsfreundlichkeit und Motivation wichtig sind. So kamen zwei von drei App-Nutzern mit der anfänglichen Bedienung gut bis einigermaßen gut zurecht, doch ca. jeder achte brauchte Unterstützung. Jeder dritte Teilnehmer probierte mehr als eine App aus, um seine Ideal-App zu finden. Chronische Patienten testen mehr Apps aus bis sie sich für eine passende entscheiden.

Wird anhand einer App eine Therapie begleitet, besprechen das an die 75% mit ihrem Arzt. Und ca. 70% der App-Nutzer sind bereit, ihre persönlichen Vital- und Krankheitsdaten zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen. Kliniken und Ärzte würden die Befragten dabei eher Datenzugang gewähren als den Krankenkassen.


Hintergrund:
Für den 6. EPatient Survey 2017, von Dr. Alexander Schachinger und dem Projektteam der EPatient RSD GmbH, wurden im März und April 2017 11.000 Gesundheits-Surfer in Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt.

 

PM-eReport 8/2017


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