Sinnvolle Digitalisierung der Gesundheitsversorgung

Auf dem 120. Deutschen Ärztetag sprach sich eine deutliche Mehrheit für mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen aus, z. B. für die Telemedizin. Für einige Kassen, unter ihnen möchte die TK gerne vorpreschen, ist das Thema bereits ein sehr wichtiges. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat nun ein Acht-Punkte-Programm zusammengestellt und unter dem 5. Punkt wird die Digitalisierung im Gesundheitswesen behandelt: “Die KBV unterstützt ausdrücklich eine für Patienten, Ärzte und Psychotherapeuten sinnvolle Digitalisierung der Gesundheitsversorgung in Deutschland. Entscheidend ist, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und
Patient durch Maßnahmen der Digitalisierung nicht gestört oder eingeschränkt wird. Digitale Innovationen müssen innerhalb des Solidarsystems nützlich und anwenderfreundlich sein.”


Weiter steht dort: “Voraussetzung für eine flächendeckende Verbreitung und Akzeptanz von digitalen Anwendungen ist, dass Aufwendungen für die Einführung und den Betrieb angemessen verteilt und kompensiert werden. Personalisierte, indikationsbezogen koordinierte digitale Versorgungspläne sollten als Grundlage für eine angemessene, sektorenübergreifende Gesundheitsversorgung gefördert werden. Das Sichere Netz der KVen (SNK) muss dabei als Bestandsnetz im Rahmen der Telematikinfrastruktur erhalten und gefördert werden. Insgesamt sollte die digitale Kommunikation in der Gesundheitsversorgung standardisiert und reguliert erfolgen, um die Interoperabilität sicher verbessern zu können. Das derzeit bestehende Marktversagen im Bereich der Praxis‐ und Krankenhaussoftwarehersteller muss zügig beendet werden. Hierfür kann eine explizite Erlaubnis des Aufbaus von kostenadäquaten, digitalen Versorgungsangeboten zur Sicherstellung der medizinischen Versorgung gemäß der gesetzlichen und
regulativen Vorgaben für KVen und KBV einen relevanten Beitrag leisten.”

Letztendlich geht es der KBV auch darum, dass sie nicht ausgebootet wird und ihre eigenen Instrumente, wie das SNK, nicht verschwinden. KBV-Vorstandsmitglied Dr. Thomas Kriedel betont demnach auch, “das SNK muss in die Telematikinfrastruktur integriert werden…”  und sie hätten damit eine “einmalig große Datenautobahn aufgebaut”. Beim SNK sind weit über 100.000 Nutzer eingetragen, heißt es von KBV.

PD Dr. med. Sebastian Kuhn hat in einem Blogeintrag “Der digitale Patient” resümiert, dass “wenn etwas Neues geschaffen werden soll, müssen die wichtigen Personengruppen beteiligt werden, in Interaktion treten und unterschiedliche Sichtweisen austauschen. Patienten, Studierende und Ärzte sind hierbei wichtige Partner. Hierdurch kann ein gemeinsames Verständnis entstehen – ein geteiltes mentales Modell.” Die Unversitätsmedizin Mainz führt als erste Fakultät ein spezielles Curriculum für Medizinstudenten ein, “Medizin im digitalen Zeitalter”. Social Media, digitale Arzt-Patienten-Kommunikation, Smart Devices, Apps, Telemedizin, Virtual Reality und Big Data sind Module des Curriculums.


Das KBV Acht-Punkte-Programm unter:
http://www.kbv.de/media/sp/2017_05_22_KBV__Acht_Punkte_Programm_Strukturwandel.pdf

Der Blogeintrag unter:
https://blog.der-digitale-patient.de/medizin-im-digitalen-zeitalter/
PM-eReport 9/2017


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