Wichtige Trends in der Pharmabranche

Foto: Website PWC Welche Entwicklungen werden die Zukunft von Pharmaunternehmen maßgeblich beeinflussen? Verschiedene Marktforscher und Beratungsunternehmen haben dazu Prognosen abgeben. Der PM-Report hat die am häufigsten genannten Trends zusammengefaßt: medizinische Apps, digitale Therapeutika, künstliche Intelligenz sowie alte Wirkstoffe für neue Therapien.

Medizinische Apps schaffen den Schritt zu einer zugelassenen Therapieunterstützung. Quelle: BMGBundesgesundheitsminister Jens Spahn hat in seinem am 7. November 2019 durch den Bundestag beschlossenen Digitale-Versorgungs-Gesetz dafür gesorgt, dass Apps, die sie zum Beispiel dabei unterstützen, Arzneimittel regelmäßig einzunehmen oder Blutzuckerwerte zu dokumentieren, vom Arzt verschrieben werden können. Die Kosten trägt die GKV. Nachdem die App vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Sicherheit, Funktionstauglichkeit, Qualität, Datensicherheit und Datenschutz geprüft wurde, wird sie ein Jahr lang vorläufig von der GKV erstattet. In dieser Zeit muss der Hersteller beim BfArM nachweisen, dass seine App die Versorgung der Patienten verbessert. Wie viel Geld der Hersteller erhält, verhandelt er dann selbst mit dem GKV-Spitzenverband. (Foto: Quelle BMG)

In den USA beschäftigt sich die Food and Drug Administration (FDA) schon seit 2013 mit Mobile Medical Applications und hat eine MMA guidance heraus gegeben, die 2015 und 2019 aktualisiert wurde. Darin welche Anforderungen sie u.a. an Softwarefunktionen, Anwendungen, Einsatzbereiche, Qualität sowie Bezeichnung stellt, um die App als Medical Device zuzulassen. Derzeit überprüft die FDA ca. 20 Apps im Jahr. Zugelassen wurden bisher Mobile MIM - Austausch von radiologischen Bildern, AliveCor - macht Smartphones zu einem Belastung-EKG, WellCoc - Diabetes Manager, iExaminer - das Smartphone soll Augenkrankenheiten wie Glaukom entdecken, Gauss Pixel App - Messen des Blutverlustes während eines chirurgischen Eingriffes, AirStrip ONE - erfasst Patientendaten, ResolutionMD - zeigt diagnostische Bilder auf dem Smartphone an.


Pharmaunternehmen bieten sich Chancen durch digitale Therapeutika - Kurzform DTx, deren weltweites Marktvolumen laut Grand View Research Inc. von 1,7 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 auf 9,4 MRd. US-Dollar im Jahr 2025 ansteigen soll. Digitale Therapeutika sollen helfen, die von einem Arzt verordnete Therapie genauer einzuhalten. Durch diese Technologie soll die Gesundheit eines Menschen ähnlich wie durch ein Medikament verbessert werden. Sie können in Kombination mit Medikamenten oder anstelle von ihnen verwendet werden und umfassen alles von der App bis zur erweiterten virtuellen Realität. (siehe auch: https://pm-report.de/newsletter/PM-eReport/2017/19-2017-1_digital_therapeutics_alliance.php)


Künstliche Intelligenz (KI) verbessert Diagnostik und Therapie. Algorithmen lernen aus medizinischen Daten Gesetzmäßigkeiten und leiten daraus Diagnoseverfahren, Prognosen über Krankheitsverläufe sowie Therapien ab, die sich an den individuellen Ausprägungen der Krankheit bei Patienten und den Besonderheiten, z.B. das Alter, orientieren.


Die Pharmaindustrie kann mit KI schneller und besser Medikamente und Therapien entwickeln, z.B. durch Auswertung von Datenplattformen, Reduzierung von Laborarbeiten, die zeitliche Optimierung klinischer Studien und die Verbesserung des Nebenwirkungsmanagements. Mit KI lassen sich klinische Studien auch virtualisieren. KI wird die Automatisierung von Produktionsanlagen steuern und notwendige Wartungen selbsttätig erkennen und durchführen. Und nicht zuletzt kann KI die gesamte Kommunikation von Pharmaunternehmen verändern, u.a. in der Erfassung von Patientenzufriedenheit und Therapietreue sowie Reaktion auf Anfragen oder Bereitstellung von Informationen.


Neuer Einsatz für alte Wirkstoffe. IQVIA hat in Kooperation mit der Universität Leipzig aufgezeigt, dass es möglich ist neue Anwendungsmöglichkeiten in Arzneistoffen zu identifizieren, die nicht mehr durch Patente geschützt sind. Und zwar ohne den zeit- und kostenintensiven Einsatz von Biologen und Chemikern, die Wirkstoffbibliotheken durchforsten. Dabei sucht durch Algorithmen gesteuerte Software Studien und medizinische Informationen. Anhand der vorhandenen Daten spürten sie auf, dass Blutdrucksenker auch mit einer Verminderung des Demenzrisikos in Verbindung stehen. Ein Senken des Demenzrisikos fand sich darüberhinaus beim Einsatz der Johanniskraut als Antidepressivum.

Quelle: Carecloud, FDA, BMG, ingenieur.de; Foto: PWC, BMG; PM 1-2020-4


powered by webEdition CMS