Umbruch des Gesundheitssektors setzt sich fort

Grafik: Transaktionsmonitor - Gesundheitswesen, Ausgabe 9, Frühjahr 2020 Die Zahl der Fusionen und Übernahmen im deutschen Gesundheitsmarkt ist gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Knapp die Hälfte der Transaktionen verzeichnet der niedergelassene Sektor. PwC erwartet, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens die Zahl der Transaktionen steigen lassen wird. Die Corona-Krise aber die Entwicklung kurzfristig bremsen wird.

Für das Jahr 2019 verzeichnet die deutsche Gesundheitsbranche insgesamt 106 Fusionen und Übernahmen. Im Vergleich zum Vorjahr, das bereits durch ein dynamisches Geschehen geprägt war, ist die Zahl der Transaktionen damit um sieben weitere gestiegen. Knapp die Hälfte der Käufe wurden im Bereich der niedergelassenen Leistungserbringer und Labore getätigt, die sich vor allem für Finanzinvestoren zu attraktiven Zielen entwickelten. Das sind zentrale Ergebnisse des „Transaktionsmonitor Gesundheitswesen" der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC. „Das deutsche Gesundheitswesen befindet sich in einer Phase des Umbruchs. Stark fragmentierte Märkte – selbst in Ballungsräumen – bieten ein großes Konsolidierungspotenzial", sagt Michael Burkhart, Leiter des Bereichs Gesundheitswirtschaft bei PwC. „Für Investoren ist der Gesundheitsmarkt so attraktiv, weil er im Vergleich zu anderen Branchen weitgehend unabhängig ist von konjunkturellen Schwankungen. Zudem ist das deutsche Gesundheitswesen von steigenden Patientenzahlen und einer hohen Bonität geprägt."

Die Corona-Krise bremst den Transaktionsmarkt im zweiten Quartal
Allerdings rechnet der Gesundheitsexperte damit, dass die Transaktionen durch die Corona-Krise zumindest kurzfristig zurückgehen dürften und sich auf kleinere Zukäufe etablierter Unternehmen beschränken werden. „Mittelfristig wird sich der Markt jedoch erholen. Diese Entwicklung könnte sich dadurch beschleunigen, dass die Krise gezeigt hat, wie enorm wichtig ein funktionierendes Gesundheitssystem ist", prognostiziert Burkhart. Die Erholung werde auch deshalb gelingen, weil die Organisationen im deutschen Gesundheitswesen ein gutes Krisenmanagement zeigen.


Auch die Telemedizin dürfte durch die Krise weiter an Bedeutung gewinnen – schon jetzt würden die Anbieter eine hohe Nachfrage nach Online-Sprechstunden verzeichnen, möglicherweise bedingt durch die Auswirkungen der Pandemie.


Grafik: Transaktionsmonitor - Gesundheitswesen, Ausgabe 9, Frühjahr 2020Niedergelassene Leistungserbringer: Fokus auf Zahnmedizin
Besonders dynamisch entwickelt sich der Markt im Bereich der niedergelassenen Leistungserbringer und Labore mit insgesamt 46 Transaktionen (2018: 33). Die Hälfte davon wurde mit Beteiligung von Private-Equity-Firmen geschlossen. Gerade die Zahnmedizin ist von Interesse für Finanzinvestoren, die ihre Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) weiter ausbauen, darunter der Verkauf der zahnmedizinischen Kette Zahneins durch Summit Partners an PAI Partners zum Jahresbeginn 2020. Weitere wichtige Transaktionen im niedergelassenen Sektor waren 2019 die Übernahme des Radioonkologischen Netzwerks durch Summit Partners, der Erwerb des Zentrum Gesundheit durch die Nord Holding und der Kauf der Radiologie-Kette Meine Radiologie Holding durch Triton Partners. Das neue Terminservice- und Versorgungsgesetz, das mit Einschränkungen für die MVZ verbunden ist, wirke sich offenbar nicht auf das Transaktionsgeschehen aus, analysiert PwC. Durch die Corona-Krise werde es in den kommenden Monaten voraussichtlich aber zu weniger größeren, fremdfinanzierten Transaktionen kommen.


Krankenhäuser: Wettbewerb treibt Transaktionsgeschehen
Krankenhäuser und Fachkliniken in Deutschland stehen unter einem hohen Wettbewerbs- und Kostendruck, etwa durch eine Stagnation der Fallzahlen, den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen, die Einführung der Pflegepersonalgrenze und den Fixkostendegressionsabschlag. Das führt zu insolvenzgetriebenen Trägerwechseln und strategischen Zusammenschlüssen, insgesamt 26 im Jahr 2019 (2018: 29). Davon sind besonders Krankenhäuser in freigemeinnütziger und teilweise auch in öffentlicher Trägerschaft betroffen. Wichtige Transaktionen waren der Erwerb der Rhön Kliniken durch Asklepios, der Kauf der Caritas Trägergesellschaft West durch die Josefs-Gesellschaft und den Caritasverband des Bistums Aachen sowie die Veräußerung der DRK Kliniken Berlin Brandenburg an die KMG Kliniken im Zuge eines Insolvenzverfahrens. Nach Ansicht von PwC navigieren die Krankenhäuser derzeit souverän durch die Corona-Krise.


Pflege: Attraktiver Markt für private und freigemeinnützige Träger
Ebenso viele Transaktionen wie die deutsche Krankenhauslandschaft verzeichnet das Segment Pflege mit 26 Transaktionen (2018: 30), darunter der Erwerb von Mediko durch die Schönes Leben Gruppe, der Erwerb von Pro Talis durch Alloheim und der Verkauf von Charleston an KOS. „Der Markt für Pflege, gerade im ambulanten Bereich, bietet noch ein großes Konsolidierungspotenzial durch seine starke Fragmentierung", ergänzt Alexander von Friesen, Partner und M&A-Experte bei PwC Deutschland. „Er zieht vor allem private inhabergeführte und freigemeinnützige Betreiber an." Auch die Intensivpflege gewinnt an Bedeutung, in diesem Bereich gab es zwölf Transaktionen.


Rehabilitation: Der ambulante Markt zieht Investoren an
Auf dem Transaktionsmarkt spielt der Bereich Rehabilitation mit sieben Übernahmen nur eine untergeordnete Rolle (2018: 6). Gerade die ambulante Rehabilitation hat in den vergangenen Jahren aber durch steigende Fallzahlen an Bedeutung gewonnen. An diesem Markt zeigen sowohl Finanzinvestoren als auch strategische Investoren vermehrt Interesse. Im Bereich der stationären Rehabilitation wird die Konsolidierung voraussichtlich durch das anstehende Intensivpflege- und Rehabilitationsstärkungsgesetz weiter zunehmen. Wesentliche Transaktionen im Segment Pflege waren der Erwerb der Kliniken Wied durch die Median-Kliniken, der Kauf der Rehaklinik Masserberg durch die Regiomed-Kliniken und der Erwerb von Rehacon durch Waterland.

Grafik: Transaktionsmonitor - Gesundheitswesen, Ausgabe 9, Frühjahr 2020; PM 7-2020-2


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