Perspektive: War was? Do (not) forget!

Wie alle menschlichen Fähigkeiten ist auch das „Vergessen können" gleichzeitig gut und schlecht. Schlecht, weil wir oft genug (gute Vorsätze) vergessen wollen. Gut, weil wir (schlechte oder gar traumatisierende Erlebnisse) vergessen können.

Wie schnell werden wir die Erfahrungen und Lehren aus der Corona-Krise vergessen?
Riechen Sie den Duft der neuen Freiheit? Den Duft der wieder eröffneten Cafés und Restaurants. Spüren Sie die Erwartungsfreude im Gespräch mit Menschen. Noch fühlt sich vieles normales fremd: z.B. die Umarmungen bei der Begrüßung von Freunden.

Aber schon sprechen wir über Aufbruch, machen Urlaubspläne, starten neue Projekte. Unsere Ungeduld wächst. Wir beginnen zu vergessen: die lähmende Langeweile der Unfreiheit, die aufgetreten (Existenz-)Ängste, das Gefühl ausgeliefert zu sein und nichts wirklich tun zu können. Wir beginnen zu vergessen: die Abhängigkeit des Einzelnen von der Gemeinschaft, die Abhängigkeit der Gemeinschaft von dem Verantwortungsbewusstsein des Einzelnen. Wir beginnen zu vergessen: was wir in der Krise gestalten wollten, aber nicht angepackt haben.

„Bei Sonnenschein kann man nicht 15 Wagen überholen, wohl aber, wenn es regnet ..."
„Bei Sonnenschein kann man nicht 15 Wagen überholen, wohl aber, wenn es regnet ...", ein Zitat der Motorsport-Ikone Ayrton Senna, der sein erstes Formel-1-Rennen bei strömendem Regen gewann – mit großem Vorsprung vor allen anderen.


Haben Sie sich in den zurückliegenden Monaten der Corona-Krise Sennas-Sicht zu eigen gemacht? Haben Sie die herausfordernde Corona-Pandemie als Chance gesehen und die notwendigen Veränderungen angepackt?


Die Covid-19-Pandemie war eine Chance. Sie eröffnete die Möglichkeit unseren Verantwortungsbereich umfassend zu restrukturieren und zukunftsfähig aufzustellen. Haben Sie die Chance genutzt und sich in der Krise in die Poleposition gebracht?


Das Erfolgsrezept der „Comeback-Kids"
Die wichtigsten Lehren der Unternehmer aus der Finanzkrise gelten auch für die Coronakrise. In der Finanz-Krise und jetzt im Corona-Abschwung waren zwei Dinge entscheidend: schnelles, konsequentes Handeln, machen statt abwarten – und die Entwicklung einer klaren Strategie, eines inspirierenden Leitsterns, was die mittel- bis langfristige Richtung betrifft. Das Licht am Tunnel sehend, wo andere gelähmt und geängstigt in die Dunkelheit des Tunnels starrten.


Auch wenn es Unterschiede zwischen der damaligen Finanzkrise und der aktuellen Situation gibt, lohnt es sich, die Strategien der „Comeback Kids" – der Gewinner der damaligen Finanzkrise - genauer zu betrachten. Viele dieser „Krisen-Gewinnler" waren vom Konjunktureinbruch hart getroffen, doch sie haben sich nicht von ihren Ängsten lähmen lassen, sondern haben die Lust und den Mut aufgebracht sich in der Krise neu zu erfinden. Jene Firmen, die als Top-Performer aus der damaligen Finanzkrise hervorgingen, haben den Grundstein für ihren Erfolg in den ersten zwölf Monaten der Finanz-Krise gelegt.

Die „Comeback Kids" haben in der Krise konsequent und diszipliniert ihre strukturellen, auf die Anforderungen der Zukunft bezogenen Schwachstellen beseitigt und sich neu fokussiert. Im Abschwung haben sie gezielt investiert und ihr Zukunftsgeschäft ausgebaut. Die wichtigste Lektion aus der Finanzkrise 2008: Auf dem Höhepunkt einer Krise entscheidet sich, wer am Ende als Gewinner dasteht. Was Unternehmen im ersten Jahr nach der Krise tun, wird sich auf ihre Performance im gesamten kommenden Jahrzehnt auswirken.


Bleibt die Frage: Haben sie sich optimal auf die Post-Corona-Zeit vorbereitet? Haben Sie die Chance der Corona Krise genutzt und sich neu ausgerichtet, haben Sie die Weichen für eine erfolgreiche Post-Corona-Zeit gestellt, haben Sie sich fit gemacht für die neue Realität? War was? Do (not) forget!        W.P.

PM 10-2021-5


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