Smartphone und Smartwatch: Dreh- und Angelpunkte im digitalen Gesundheitswesen

Foto: Luke Chesser, unsplash Der Einsatz von Smartwatches und Fitnesstrackern befindet sich auf dem Vormarsch im digitalen Gesundheitswesen. Ein neuer Gesundheitsreport* belegt, dass es beinahe zwei Drittel der 100 Fachleuten aus der deutschen Gesundheitsbranche begrüßen würden, wenn der behandelnde Arzt die Vitalwerte eines Patienten aus dessen Smartwatch oder Fitnesstracker auslesen könnte. 39 Prozent halten es für hilfreich, wenn die Vitalwerte fortlaufend mittels Software überwacht würden, um gesundheitliche Probleme frühzeitig zu erkennen. In allen Fällen herrscht Einigkeit darüber, dass diese Maßnahmen nur mit Zustimmung des Patienten vonstatten gehen dürfen.

Neben der Smartwatch zur Erfassung von Vitalwerten spielen die Chipkarte und das Smartphone wichtige Rollen im digitalen Gesundheitswesen, hat die Studie zutage gefördert. So halten 71 Prozent der Experten die Chipkarte für das beste Mittel zur Identifizierung von Patienten sowohl für die Abrechnung als auch für den Zugang zu medizinischen Befunden. 45 Prozent (Mehrfachnennungen waren möglich) stufen das Smartphone als erste Wahl für den Zugang zur elektronischen Patientenakte ein. Weitere 37 Prozent meinen, dass das Smartphone neben der Chipkarte zum Einsatz kommen sollte.
„82 Prozent der Fachleute räumen dem Smartphone als Zugangsschlüssel für die elektronische Patientenakte die besten Chancen ein", fasst Studienleiterin Birgit Kleen-Schiffhauer zusammen. Ihre Schlussfolgerung: „Damit dürfte klar sein, dass das Smartphone das Maß aller Dinge wird für die neue Gesundheitstelematikinfrastruktur TI 2.0, die die Gematik bis 2025 in Deutschland einführen will." Darüber hinaus rät sie dazu, „die Smartwatch als Zugangsweg in TI 2.0 konzeptionell" einzubeziehen. Sie nennt hierfür zwei Gründe: „Erstens tragen immer mehr Menschen eine Smartwatch mit Fitnessfunktionalität. Zweitens verfügen die heutigen Modelle bereits über zahlreiche Sensoren, um die Vitalwerte ihrer Träger regelmäßig zu messen und zu speichern. Diese Ergebnisse sind bei vielen ärztlichen Diagnosen von unschätzbarem Wert. Und es ist abzusehen, dass die Art, Anzahl und Genauigkeit der Sensoren in den Computern am Handgelenk in den nächsten Jahren weiter zunehmen werden."
Drei Viertel der befragten Fachleute plädieren dafür, dass die Krankenkassen die Anschaffung der Computeruhren bzw. Fitnesstracker mit Zuschüssen fördern sollten. Die Begründung: Die Geräte stellen einen „wichtigen Beitrag zur Vorsorge und zur Senkung der Krankheitskosten" dar. 45 Prozent vertreten sogar die Auffassung, dass die Krankenkassen bei Bezuschussung Zugang zu ausgewählten Vitalwerten der Smartwatchträger erhalten sollten, um ihrer Vorsorgeaufgabe besser gerecht werden zu können. 30 Prozent der Befragten lehnen die Weitergabe von Fitnessdaten an die Krankenkassen strikt ab. Ein knappes Viertel der Fachleute stuft Smartwatches und Fitnesstracker als rein persönliche Anschaffung ein und meint: „Wer ein solches Geräte haben möchte, der soll es selbst bezahlen."
*Quelle: "Health Rise-Gesundheitsreport 2021", Health Rise GmbH; Foto: Luke Chesser, unsplash, PM 11-2021-3


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