Pharma als Inkubator: mehr als Innovationen

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Pharmaunternehmen helfen innovativen Unternehmensgründern zum Durchbruch. Obwohl die Euphorie der Jahre 2014/2015 ein wenig verflogen erscheint, meinen Experten: Für die Pharma rechnet sich die Aktion, weil die Geförderten immer häufiger ihren Wert beweisen, indem sie die Pharmafirmen in die Lage versetzen, neue Technologien zu erforschen. Und: Sie fordern die interne Kultur heraus.


Ob es alleine die Coronapandemie ist, die der digitalen Gesundheit zu einer vermehrten Akzeptanz verhilft, kann man diskutieren. Tatsache bleibt, dass digitale Problemlösungen genutzt werden. Ob es nun Wearables oder Apps sind, ob damit Gesundheitsdaten erfasst oder die eigene Erkrankung besser bewältigt werden soll - die Bandbreite der Einsatzmöglichkeiten ist groß. Reuters Events zitiert Dominick Kennerson, Global Head G4A Digital Health bei Bayer: „2020 war ein Rekordjahr für Investitionen und Finanzierungen."

Laut Bay Bridge Bio wurden im Jahr 2020 weltweit in Biopharma Start-ups rund 15 (2019: 14) Mrd. US-Dollar als Venture Capital investiert. Laut BioPharma Dive belief sich die Summe bereits 2019 auf 17,2 Mrd. US-Dollar. J.P.Morgan jedenfalls konstatiert, dass sich mit der Coronapandemie „immense Chancen für Investoren" eröffnet haben und dass „Investitionen in Life Sciences ein Rekordhoch" erreicht hätten. Investoren sind aber Fonds oder Venture-Capital-Firmen. Pharma machte am Investitionsgeschehen 2020 nur 6% (2019: 10%, 2018: 7%) der gesamten Investitionssumme aus.


Besonders gefragt scheint aber der Digital Health-Sektor zu sein. Laut businesswire wurde 2020 weltweit Venture Capital in Höhe von 14,8 (2019: 8,9) Mrd. US-Dollar an Start-ups vergeben, die digitale Gesundheitslösungen entwickeln. Für 2019 hat Statista die Venture-Capital-Investitionen im Bereich Digial Health nach ausgewählten Segmenten aufgesplittert: Telehealth mit 1,76 Mrd. US-Dollar an, Analytik mit 1,64 Mrd. US-Dollar, mHealth-Apps mit 1,23 Mrd. US-Dollar, medizinische Entscheidungshilfen mit 0,78 Mrd. US-Dollar und mobile Technologien mit 0,56 Mrd. US-Dollar.


Die Angebote der Start-up sind laut des Wiener Digital Health Fonds Calm/Storm Ventures breit: „Ob digitale Therapie für Paare, Apps & Tools für Menschen mit chronischer Verstopfung oder Video-Games gegen Depressionen, die Startup-Teams teilen alle ein gemeinsames Ziel: Patient*innen zu befähigen, sich selbst zu helfen. Die Startups adressieren dabei ein riesiges Marktpotenzial in einer rasant wachsenden Gesundheitsindustrie. Verstärkt durch die Covid-19-Pandemie wird laut Global Market Insights für den globalen digitalen Gesundheitsmarkt bis 2026 eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von fast 30 Prozent prognostiziert."


Reuters Events mahnt, dass Pharmaunternehmen deshalb schnell die Chancen von Digital Health begreifen lernen müssten. Denn „digital ist wo die Möglichkeiten sind". Die Finanzierung von Start-ups helfe, neue Technologien und deren Einsatzchancen besser zu verstehen. Bisher sei Pharma oft zu spät bei Innovationen gewesen. Je später bedeute aber um so teurer.


Allerdings gebe es daneben weitere Effekte, von den Pharma profitieren könne. Die Start-ups könnten mit ihrer oft anderen Sicht der Dinge den etablierten Konzernen dabei helfen, den kulturellen Wandel innerhalb der Organisation zu stemmen und die digitale Transformation des Unternehmens zu beschleunigen. Reuters Events zitiert Mohanad Fors, Head of Commercial Digital Innovation, Digital Office bei Almirall: „Unsere Mitarbeiter kamen mit den Erfahrungen aus dem kreativen Chaos des Start-ups zurück und wir waren überrascht, in welchem Ausmaß es das Denken der Leute verändert hatte. Das zeigte sich dann auch in der Art und Weise, wie sie ihre Arbeit verrichteten."

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