Gesundheit: Die Pandemie hat einiges verändert, aber nicht alles

Grafik: Stada Wie hat die Pandemie die Europäer in Gesundheitsfragen verändert? Diese Frage hat eine Umfrage* gestellt. Eine Folge ist z.B., dass sich viele mehr über ihre Gesundheit Gedanken machen. Erstaunlich ist, dass Apotheken und nicht die Online-Plattformen bevorzugte Anlaufstelle für Medikamente bleiben. Und bei der Auswahl eines Medikamentes ist Vertrauen das wichtigste Kriterium.

54% der Europäer geben an, dass sie im letzten Jahr vermehrt online nach Gesundheitsthemen suchten. Ärzte bleiben für die Europäer dabei die zuverlässigste Informationsquelle (73%), dicht gefolgt von Apothekern und Wissenschaftlern (60%). Während 24% den gesundheitsbezogenen Informationen von Pharmaunternehmen vertrauen, können nur 7% dasselbe voller Überzeugung über Politiker sagen. Mit 29% sind spezialisierte Gesundheitsmedien deutlich glaubwürdiger als die allgemeinen Medien (10%).Grafik: Stada

Und welche Rolle spielen die Gesundheits-Influencer aktuell für die Europäer? Auch wenn viele von uns unbestreitbar viel Zeit mit ihren Handys verbracht haben – vor allem während des Lockdowns, scheinen Onlinepersönlichkeiten eine bescheidene Rolle dabei gespielt zu haben, langjährige Gesundheitsgewohnheiten in Frage zu stellen. Die Mehrheit der Europäer muss aber von Healthcare-Influencern erst noch überzeugt werden: Nur 7% geben zu, dass sie schon einmal von einer Onlinepersönlichkeit zu einem gesünderen Lebensstil angeregt wurden. Bei den 18- bis 34-Jährigen ist diese Zahl mit 13 % allerdings fast doppelt so hoch.


Dieser Anstieg lässt sich leicht mit einem Blick auf die Nutzergewohnheiten erklären, da die Mehrheit der jungen Erwachsenen täglich verschiedene Social-Media-Plattformen besucht. Dennoch erkennen viele Europäer die Rolle an, die Onlinepersönlichkeiten in den letzten Jahren gespielt haben. Auf dem gesamten Kontinent sagt etwas mehr als jeder fünfte Europäer, dass Influencer während der Pandemie leicht an Autorität gewonnen haben, bleibt aber aufgrund seines mangelnden medizinischen Wissens ihnen gegenüber zurückhaltend. Weitere 23% der Europäer sind davon überzeugt, dass Influencer durch die Coronapandemie zwar insgesamt an Relevanz gewonnen haben, für ihr Leben aber größtenteils irrelevant bleiben. Während 13% der Europäer glauben, dass Onlinepersönlichkeiten auf gesundheitsbezogene Themen bald mehr Einfluss nehmen können, halten 36% dies für eher unwahrscheinlich.


Grafik: StadaTrotz der Coronapandemie haben nur 14 % der Europäer mehr rezeptfreie Medikamente über Online-Apotheken bestellt – 43% lehnen es ganz ab, sie online zu bestellen. Ungeachtet einer zunehmenden Anzahl von Onlineplattformen und anderen Kanälen für den Bezug von Medikamenten sind die Apotheken in Europa bei rezeptfreien Medikamenten immer noch die erste Wahl. Befragt, wo sie vorzugsweise rezeptfreie Medikamente kaufen würden, wenn sie die freie Wahl hätten, bezeichnen die Befragten zu einem erheblichen Teil (43%) die Apotheke als ihre erste Wahl. 13 % von ihnen haben eine besondere Vorliebe für ihre Apotheke vor Ort.


Ein entscheidender Vorteil der Apotheken gegenüber allen anderen Kanälen dürfte die persönliche Beratung sein, deren Bedeutung im letzten Jahr stabil geblieben ist, wird in dem Report betont. Gegenüber der im vergangenen Jahr durchgeführten Umfrage sank die Zahl der Internetrecherchen trotz des selbst beobachteten Anstiegs bei den Suchanfragen leicht (von 39 auf 36%). Dagegen blieb die Zahl der Personen, die angaben, Informationen über die Einnahme von Medikamenten bei ihrem Apotheker einzuholen, mit 40 % konstant. Die Bedeutung der Konsultation eines Arztes sank von 51 auf 39% – wahrscheinlich nicht zuletzt deshalb, weil viele Menschen den Hausarztbesuch ganz vermieden, sofern er nicht unbedingt notwendig war, um das Risiko einer Corona-Infektion abzuwenden. Die Menschen lesen auch seltener die Packungsbeilage: Im Vergleich zu 61% im Jahr 2020 geben jetzt nur noch 53 % an, dass sie zuerst auf dem Beipackzettel nach Informationen über ihr Medikament suchen.


Ob sie sie online, bei ihrem Apotheker vor Ort oder ganz woanders kaufen: Was ist den Europäern im Zusammenhang mit dem Kauf von Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln am wichtigsten? Für 38% ist es der Markenname und das, was sie damit assoziieren – Vertrauen spielt hier eine entscheidende Rolle. In der Ukraine (47%) und in Portugal (46 %) achten die Menschen auf dieses Detail besonders. Umweltfreundliche, nachhaltige Verpackungen stehen als maßgebliches Kriterium für jeden vierten Europäer an zweiter Stelle; jeder Fünfte bevorzugt in Europa produzierte Medikamente. Die Österreicher (35%) sind sich der Herkunft ihrer Medikamente besonders bewusst. Die Eignung für Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten spielt ebenso eine untergeordnete Rolle (16%) wie die Kennzeichnung in Bezug auf spezielle diätetische oder religiöse Anforderungen wie „vegan" und „vegetarisch" (9%) sowie „halal" (4%).


Insgesamt vertrauen 31% darauf, dass „der Arzt es am besten weiß", und nehmen die Medikamente ein, die ihr Doc ihnen verschreibt. In Belgien und Frankreich ist die Wahrscheinlichkeit am geringsten, dass Patienten die Verordnungen ihres Arztes hinterfragen (39 und 38%). Eine Empfehlung ihres Apothekers ist für 17 % der Europäer ein ausreichendes Qualitätsmerkmal.

*Quelle: Stada Health Report 2021, repräsentative Studie mit mehr als 30.000 Befragten in 15 europäischen Ländern; Grafik: Stada; PM 15-2021-1


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