Perspektive: Post-Corona – zurück in die Agentur! Remote-Work gekommen, um zu bleiben?

Glaubt man aktuellen Studien so will nur jeder dritte Arbeitnehmer*in nach Corona wieder komplett zurück ins Büro, jeder Zweite wünscht sich ein Mix aus Office und Home-Office, nur jeder Siebte erwartet 100 % Remote-Work von seinem Arbeitgeber.

Befragt man Agentur-Chefs nach ihrer Haltung so werden auch dort schnell sehr unterschiedliche Positionen sichtbar: Von „Wir möchten unsere Teams so schnell wie möglich wieder komplett zurück in die Agentur holen " bis „Jeder soll im Home-Office bleiben, es hat doch hervorragend funktioniert".
Mit dem Corona-Lockdown mussten Mitarbeiter/innen plötzlich von zu Hause aus arbeiten. Agenturchefs haben dabei festgestellt, dass die Anwesenheit in der Agentur nicht erforderlich ist, um eine solide Arbeitsleistung zu erbringen.

Doch wie umgehen mit dem Verlust des persönlichen Austauschs? Wie Menschen zusammenbringen, die räumlich getrennt sind? Wie die Agentur als sozialen Kultur bildenden Raum erhalten? So ist es nicht verwunderlich, dass der Ruf nach einer baldigen Rückkehr an den Arbeitsplatz in der Agentur wird lauter – doch wird es ein Zurück zu alten Mechanismen geben, geben können? Oder ist Remote-Work gekommen, um zu bleiben?


Gründe für Remote Work: Flexible Arbeitseinteilung und Wegfall von Arbeitswegen
Flexiblere Arbeitszeiten sind nach Einschätzung von Experten der wichtigste Grund, warum Arbeitnehmer überhaupt von zu Hause arbeiten möchten. Auch das Wegfallen des Anfahrtsweges zwischen Office und den eigenen vier Wänden gehört zu den Top-Gründen. Jeder Dritte glaubt im Home-Office produktiver arbeiten zu können. Diejenigen die das Home-Office bevorzugen, sehen drei große Herausforderungen:
Erstens: Die Gefahr der Ablenkung.
Zweitens: Den Mangel an sozialen Kontakten.
Drittens: Der Wegfall von Lerneffekten innerhalb von Teams.

Mitarbeitende in den Agenturen vermissen z.B. den persönlichen Kontakt, den ungezwungenen Austausch an der Kaffeemaschine. In unseren Gesprächen mit Agentur-Chefs werden als Hauptgründe für eine zumindest 2-3 Tage Anwesenheitspflicht genannt:
•Die Produktivität ist im Office – insbesondere bei Projekten, die ein Team fordern - deutlich höher, die Auseinandersetzung für kreative interdisziplinäre Spitzenleistung braucht den unmittelbaren Dialog von Mensch zu Mensch.
•Die sozialen Kontakte sind wichtig – sowohl für die Kultur in der Agentur als auch für die mentale Gesundheit der Mitarbeitenden.
Bleibt die Frage, wie Agenturen den Balanceakt zwischen den veränderten Bedürfnissen der Mitarbeitenden, den unternehmerischen Notwendigkeiten und den volatilen Herausforderungen einer anhaltenden Pandemie-Situation möglichst gut meistern.


Verunsicherte Führungskräfte und Agenturchefs - Remote-Work verlangt Remote-Führung - Ist die Kultur der Agentur Remote-Work-fähig?
Zu den größten Herausforderungen zählt Führungskräfte dazu zu bringen, sich bei der Führung von Remote-Work-Teams wohlzufühlen. Eine Mammutaufgabe. Agenturen brauchen dazu Lösungen, die Führungskräfte dazu befähigen, ihre Führungsarbeit unter den neuen Bedingungen bestmöglich zu erledigen. Im Fokus steht die Evaluierung geeigneter Management-Tools, die sie bei der Bewältigung dieser Herausforderung unterstützen. Der Bedarf an neuen Lösungen, geeigneten Tools und Plattformen für Remote Arbeiten und Remote Führen steigen. Remote-Work-fähige Kommunikatoren sind der Schlüssel zur Gestaltung zeitgemäßer Zusammenarbeit.

Gefragt sind mehr denn je Führungskräfte, die zuhören können, die ein offenes Ohr haben für die Sorgen und Nöte, die Empathie und Wertschätzung zeigen – und das asynchron und über Distanz.


Homeoffice und Remote-Work, hybride Arbeitsformen sind gekommen, um zu bleiben. Auch wenn es nicht jedem gefällt.
Die Arbeitswelt Post Corona wird hybrid sein: Konzentriert und produktiv zu arbeiten aus der Ferne wird sich mit Präsenztagen in der Agentur abwechseln. Remote-Work verlangt Remote-Führung und eine Remote-Work-fähige Agentur-Kultur. Ist Home-Office nicht an die aktuell gelebte Unternehmenskultur andockfähig, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass das Vorhaben letztlich scheitern wird.


Das Angebot Remote Work wird zu einem Hauptkriterium bei der Jobsuche. Agenturen, die das nicht unterstützen, werden zu Verlierern auf der Suche nach den Besten.
Viele Mitarbeiter/innen haben seit Beginn der Pandemie ihr Leben mit Remote Work zugunsten einer besseren Lebensqualität umgestaltet: Mehr Zeit für Familie und Freunde, mehr Zeit für Sport und Natur, mehr Zeit für persönlichen Freiraum. Remote-Work wird zum neuen Lebensstil für viele, nicht für alle.
Wer darf wann und wie lange von „Teneriffa" aus arbeiten, wer muss wann und wie lange zum Teammeeting in die Agentur – unter welchen Voraussetzungen werden alle gleich behandelt? Es wird spannend!
W.P.

PM 2-2021-5


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