Perspektive

2021: Weniger hadern, mehr entscheiden. Weniger reden, mehr machen! Auf die „Spanische Grippe" folgten die Exzesse der „Goldenen Zwanziger"

Das vergangene Jahr hat ein radikales Umdenken von uns gefordert. Aber haben wir auch radikal umgedacht oder uns nur der neuen Situation geschmeidig angepasst. Haben wir Veränderungen aus Überzeugung vorangetrieben oder nur aus der Not heraus zugelassen. Es wird sich zeigen ... später, in den Tagen nach der Pandemie.
 

Das viel beschworene radikale Umdenken bezog sich auf unsere Fähigkeit realitätsnahe Annahmen über die Zukunft zu treffen, auf unsere Bereitschaft sich heute auf die Herausforderungen von morgen umfassend vorzubereiten. Haben wir diese Fähigkeit verbessert, wie gut sind wir jetzt auf die Zeit nach der Pandemie vorbereitet? 


„Année folles" 

Auf die „Spanische Grippe" folgten die „goldenen Zwanziger". Die Franzosen bezeichnen sie als „Année folles", die verrückten Jahre. Nach der Entbehrung stürzten sich die Menschen in die verrückten Jahre des Tempos und der optimistischen Rastlosigkeit, der Ausschweifungen und Maßlosigkeit. 


Das vergangene Jahr hat uns für wichtige Werte wie Haltung, Verantwortung und Zugehörigkeit sensibilisiert. Viele haben Home-Office genutzt, zum Arbeiten aber auch zum Nachdenken. Man gibt seine Arbeitskraft nicht mehr für alles und jeden her, die Haltung muss stimmen. Arbeiten wird neu gedacht – auf Seiten der Arbeitgeber aber auch der Arbeitnehmer. Und viele Arbeitnehmer wurde bewusst, wie toxisch die praktizierte Haltung in vielen Unternehmen ist, wie sehr die Balance zwischen Wertschöpfung und Wertschätzung verloren gegangen ist 


„Plus ça change, plus c'est la même chose"

Das schöne französische Sprichwort behauptet, dass alles um so hartnäckiger beim Alten bleibt, je mehr sich verändert. Es ist mehr als ein Bonmot, es ist Ausdruck der merkwürdig paradoxen Beziehung zwischen Bestand und Wandel. Doch gilt es auch in Zeiten grundlegenden Wandels? 


„Ich will mehr sein als nur funktionieren" – so klang die Stimme aus dem Hintergrund vieler Arbeitnehmer! Zunächst kaum hörbar, zunehmend jedoch wurde sie hartnäckiger und lauter. Im Home-Office hatte man Zeit zur Reflexion: Gute Position, gutes Gehalt, gutes Team – doch etwas stimmt nicht. Unsichtbaren Fesseln! Der Wunsch Lebendigkeit zu entfesseln wuchs bei Vielen mit jedem weiteren Tag im Home-Office. 


Im Home-Office war Zeit: Zeit den „inneren Schweinehund" zu überwinden 

Im Home-Office war Zeit: Zeit für Sport. Zeit den „inneren Schweinehund" zu überwinden. Runter von der Bremse, rauf aufs Gas! Nicht nur beim Thema Sport. Der körperlichen Bewegung folgte die „geistige" Bewegung. Loslassen, Aufraffen, Arsch-Hochkriegen – auch bei der Frage: Richtiger Job, richtiges Unternehmen. 


2021 – Lieber ein paar Schritte zu viel wagen als ständig Rückzieher zu machen. Wir zahlen für alles unseren Preis: Für Unentschlossenheit und Entschlossenheit, für hadern und für wagen, für weiter-so genauso wie für los-lassen. Den größten Preis jedoch zahlen wir für den Verlust von Lebendigkeit und Neugierde. Für ein Leben ohne Magie? Nein, Danke! 


2021 – Nicht reden, machen. Nicht jammern, handeln. Die Marke, den Job, das Leben rocken. Lust auf Veränderung Aktivität und Risikofreude sind die Voraussetzung für Innovation, für Bewegung, für Weiterentwicklung. Die Beschränkungen von heute, sind der Anfang der Exzesse von morgen.

W.P.
PM 2-2021-5


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