Zukunft der Gesundheit: Eine neue Dimension des Wandels

Zukunft der Gesundheit Nach Expertenschätzungen wird die digitale Gesundheit 2026 etwa 12% des Gesundheitsmarktes umfassen; künstliche Intelligenz, Früherkennungstechnologien, Tools zum Verhaltensmanagement und andere digitale Innovationen werden weltweit ein Marktvolumen von 1 Billion Euro erreichen. Neuerungen wie Gentherapie und die sogenannten Electroceuticals – interaktive Mikro-implantate – werden Therapien von Grund auf verändern. Für alle Beteiligten werden Ökosysteme und offene Innovationsnetzwerke an Bedeutung gewinnen. Das ist die Botschaft des Reports „Future of Health 3" von Roland Berger.

Zwei Arten von Innovationen lassen sich im Gesundheitssektor unterscheiden, heißt es in dem Report: Auf der einen Seite solche, die wir als "physisch" bezeichnen könnten – dazu gehören Neuerungen mechanischer, elektrischer, biologischer und chemischer Art. Hierfür gibt es zahllose Beispiele, von den ersten Impfungen Ende des 18. Jahrhunderts über die Einführung von Antibiotika in den 1930er Jahren bis hin zum Einsatz von chirurgischen Robotern im späten 20. Jahrhundert. Auf der anderen Seite haben wir "digitale" Innovationen wie die jüngsten Durchbrüche in der Früherkennungstechnologie oder der künstlichen Intelligenz (KI). Derzeit erleben wir, dass diese beiden Welten – die physische und die digitale – miteinander verwachsen und dabei das Innovationsgeschehen kräftig ankurbeln.

Besonders auffallend sei, dass das Innovationsspektrum immer breiter werde. Dabei gehe es unter anderem um innovative Forschungswerkzeuge aus der Systembiologie, technologische Innovationen (Nanotechnologie, Robotik), die Ausweitung des Fachwissens (etwa in der Immun-Onkologie und der eigentlichen Immunologie) und um völlig neuartige Vorgehensweisen (CGT13, mRNA14, innovative Arzneimittelkonjugate). Besonders dynamisch verlaufe die Entwicklung in Bereichen wie Miniaturisierung, Biomaterialien, Automatisierung und Konnektivität innerhalb der Medizintechnik. Bei den Therapien würden bahnbrechende Neuerungen bei therapeutischen Molekülen, bei der Wirkstoffabgabe, bei den Zelltherapien, in der Gentechnik sowie bei den Gentherapien beobachtet.


Bei den digitalen Innovationen sieht die Unternehmensberatung den Einsatzbereich vor allem in der Unterstützung eines gesunden Lebensstils, bei der Früherkennung sowie beim Einsatz von KI in Diagnose und Therapie. Weil physische und die digitale Welt immer stärker zusammen wachsen, ist der kombinierte Einsatz von Sensoren und digitalen Applikationen, von Biopsien und KI oder von Robotik bzw. Implantaten und digitalen Anwendungen ein weiteres Ergebnis.


Die Unternehemensberatung erwartet, dass die digitale Transformation des Gesundheitswesens immer schneller verläuft. Bis 2026 werden demnach 12% der Gesundheitsausgaben auf Digitales entfallen. Die Größe des Marktes wird dann in Deutschland auf 59 Mrd. Euro, in Europa auf 239 Mrd. Euro und weltweit auf 1 Bio. Euro geschätzt. 42% der für den Report befragten Experten meinen, dass Innovationen die Kosten im Gesundheitswesen eher steigen lassen, 25% erwarten keinen Einfluß und 33% rechnen mit einer Abschwächung.


Wer sind die Treiber der Innovationen? Bei der Früherkennung und Diagnostik meinten 26% Tech-Plattformen und 24% Start-ups, bei Datenpools 28% Tach-Plattformen und 25% Industrie, bei Genom-Profiling und personalisierten Therapien 38% Industrie und 27% Leistungserbringer, bei neuen Modalitäten für Langzeittherapien 63% Industrie und 16% Technik-Plattformen sowie bei der digitalen Versorgung chronisch Kranker 21% Tech-Plattformen und 20% Startups.


Und wie wirken sich die Veränderungen auf die Branche aus? Der Report sagt, in der Entwicklung innovativer Therapien und Heilmittel die zugrunde liegenden Technologieplattformen verändern werden. Bereits jetzt sei die Anzahl dieser Plattformen rapide gestiegen und ebenso ihre Komplexität. Damit zeichne sich auch ein Trend zu Innovationen ab, die nicht mehr in den Pharmaunternehmen entstehen. Firmen würden auf ein Modell der "offenen Innovation" setzten und den Wissensaustausch und Kooperationsmodelle zu beidseitigem Vorteil fördern. Große Pharmakonzerne würden zudem einen hausinternen "Innovationsradar" etablieren und Venture-Capital-Strukturen nutzen, um vielversprechende innovative Einheiten aufzukaufen.

Quelle: Roland Berger - Focus: Future of Health 3; Foto: Titel Report; PM 20-2021-1


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